Donnerstag, November 22, 2018

Buntes Allerlei

Keine zwei Meter von mir putzt eine nette chinesische Frau zwischen den Tischen eine Lache voller Kaffee auf. Verteilt auf ungefährt drei Quadratmeter, hat sich die Mischung aus Milch und brauner Flüssigkeit den Weg in jede Ritze gesucht. Der Schuldige ist schnell gefunden, es handelt sich um den Schreiberling eben dieses Textes.

Es läuft im Moment nicht so rund. Denn neben dem verschütteten Kaffee und dem damit verbundenen Koffeinsturz, habe ich auch noch eine Blase die ausserhalb der Komfortzone drückt. Jeder kennt das Problem. In der unteren Bauchgegend wird die Hose enger und die Hochwasserwarnungen im Organ nierenabwärts melden beim Hirn eine bald notwendige Erleichterung an. Derweil suchen die Augen die Umgebung ab und die Nase prüft das Gefundene auf Praxistauglichkeit. Mit dem erfolgreichen Lokalisieren eines geeigneten Ortes erhöht sich erstaundlicherweise der Druck in der Blase auf ein fast nicht mehr erträgliches Mass. Man begibt sich Richtung gelobtes Ort und während die Bauchgegend auf Druckablass besteht, meldet die Nase grosse  Bedenken an. Auch die Augen unterstützen die kritische Haltung des Riechorgans und protestieren in aller Form. Willkommen in China!
Chinesische Bedürfnisanstalten könnten abweisender nicht sein. Mit etwas mentalem Training kann ich den Blasendruck leicht vermindern und hoffe auf baldige Erlösung im eigenen Hotelzimmer.

Hongkong ist im Moment in seinem Element. Die Stadt scheint am Überlaufen zu sein und in den Strassen kommt man kaum vorwärts. Dann ist zu allem Elend auch noch dieses unsägliche Shoppingwochenende, wo am Donnerstag die Truthähne geschlachtet werden um am Freitag alles schwarz ist. Warum muss die ganze Welt bloss alles aus den USA kopieren? Ich verstehe das nicht. Statt zu motzen müsste ich einheimische Bräuche nach Fernost bringen. Wie wäre es, wenn am 1. März ganz Hongkong Chalandamarz feiern und die Knaben mit Glocken behangen die Henessy-Road auf- und abgehen würden? Mir täte es gefallen.

Heute Abend wird es in der Millionenstadt doppel schwierig. Es werden nicht nur Feiern zum Thanksgiving gestartet, es sind dafür eigens amerikanische Mitbürgerinnen und Mitbürger eingeschifft worden. Und zwar nicht die Schönen und Reichen aus Beverly Hills, sondern die Rauhen und Rohen aus den Vororten und dem mittleren Westen. Es weilen der Flugzeugträger USS Reagan und seine Begleitschiffe im Hafen von Hongkong und die fast 10‘000 Matrosinnen und Matrosen wollen in der Stadt etwas Spass haben. Thanksgiving und die Tatsache, dass die Matrosinnen und Matrosen lustvoll ihre Lust ausleben müssen/wollen/sollen, wird Hongkong heute Abend zu einem explosiven Ort machen. Ich werde auf der Hut sein.
Pech für die hormongesteuerten Seeleute, dass die Behörden neulich in der Stadt eine halbe Million Packungen der heute so wichtigen Kondome konfisziert haben. Gefälscht sollen diese gewesen sein, von Undichtigkeit war zum Glück keine Rede.

Meine Blase drückt noch immer. Dafür ist der Tisch nebenan wieder frisch gereinigt. Bei der Putzfrau habe ich mich höflichst bedankt und noch höflicher entschuldigt. Meine Augen blicken viel zu oft Richtung Toilettenschild, während meine Nase den Toilettenduft ignoriert und die Kaffeeschwaden von Tisch zu meiner Linken förmlich einsaugt. Die Blase droht zu explodieren und der Koffeinspiegel ist auf einem bedenklich tiefen Niveau. Zum Glück bin ich nicht giggerig. Denn das wäre heute Nacht in Hongkong lebensbedrohlich.

Adieu, ich muss!


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