Donnerstag, Oktober 18, 2018

Alpines Simulatorzentrum Samedan

Wenn die Pilotenausbildung am Anschlag läuft, dass sind die Instruktoren selten im Flugzeug anzutreffen. Wo Lizenzen erworben und Kompetenzen erarbeitet werden, sind Prüfer und Lehrer nicht weit. Das heisst für die betroffene Berufsgruppe Automatenkaffee statt Espresso, pampige Sandwiches statt Baliklachs, Motorenausfälle statt ruhiger Dauerbetrieb, harte Landungen statt weiches Aufsetzen und Nebel –  sehr viel Nebel.

Im Simulator ist der Nebel mit einem Knopfdruck weg, ausserhalb des Schulungszentrums bleibt dieser hartnäckig stehen. Die Wolkenuntergrenze kommt den Bäumen im Hardwald bei Opfikon bedrohlich nahe und die morgentliche Joggingrunde im Wald wird ohne Nebelhorn zum gefährlichen Spiessrutenlauf.

Dabei gäbe es einen einfachen Ausweg aus dem Nebeldesaster! Erstaunlich, dass noch niemand auf die brilliante Idee gekommen ist! Lasst uns im Engadin ein alpines Simulatorzentrum erstellen. Über 340 Tage im Jahr Sonnenschein; eine Bergwelt, die einem den Atem verschlägt; ein Flugplatz, der gerne ein neues Gebäude erstellen würde, aber noch nicht weiss, wie er es füllen soll; eine bestens ausgestattete Hotelinfrastruktur; Sportmöglichkeiten in Hülle und Fülle und vieles mehr. Im Engadin gibt es Brauereien und Kaffeeröster, im Engadin gibt es auch Zuckerbäcker, die ihr Handwerk verstehen und lieben. Die vielsprachigen Engadiner empfangen die lernwilligen Piloten aus aller Herren Länder mit offenen Armen. Selbst der Frust nach einem misslungenen Check könnte mit dem fast einheimischen Braulio oder dem einheimischen Iva, gepanscht mit Reinalkohol aus Livigno, problemlos gestillt werden.

Die Flugmusik – in der Umgangssprache auch Fluglärm genannt (was nachweislich falsch ist), würden wir im Unterland lassen. Die Kandidaten sollen sich im Zug ins Engadin auf die anspruchsvollen Lektionen vorbereiten. Seit die RhB die Patschifig-Abteile eingeführt hat, reduzierte sich die Anzahl stinkender Wandersocken in den Zugsabteilen signifikant.

Auch das Nachtleben würde profitieren. Fliegerbars würden entstehen, in denen auf Grossleinwänden im Dauerbetrieb Filme von missratenen Flugzeugträgerlandungen gezeigt würden und für die harten Jungs der Branche gäbe es hinter der Theke im Engadin hergestellten Schnupftabak. Ob die heiklen Tabakpflanzen im Engadin gedeien weiss ich nicht, im Notfall könnte man Steinbockscheisse trocknen, mit etwas Arvenöl vermischen und den Mix in edlen Blechdosen an die zahlungskräftigen Flieger verkaufen. Die ziehen alles in die Nase, Hauptsache der Tränenkanal bleibt dabei feucht.

Da im Engadin der Frauenanteil im Ausgang nur während der Hochjagd den Ansprüchen der jungen Pilotenschaft entspricht, wäre eine Verlagerung des Flight-Attendant-Trainings ins Hochtal wünschenswert. Man könnte das Notwassern im Hallenbad St. Moritz üben, den anspruchsvollen First-Class-Service in einem der grossen Häuser perfektionieren und im einmaligen Licht des Engadins den richtigen Sitz des Lidschattens ergründen. Damit die Instagram Accounts auch im Millisekundentakt gefüllt werden können, werden da und dort im Engadin bereits Glasfaserkabel verlegt. Bedarf sehe ich noch beim Angebot an veganen Speisen. Vielleicht aber stirbt diese Modeerscheinung bald aus und die Damen der Lüfte dürfen wieder Währschaftes verspeisen, ohne viral geköpft zu werden.

Neben den optimalen Rahmenbedingungen wäre der Fachnutzen für die Ausbildung der Flugbesatzungen gross. Nehmen wir das Beispiel Druckabfall. Ein lebensgefährliches Szenario, das in Kloten auf 400 Meter über Meereshöhe geübt wird. Die Probanden ziehen Sauerstoffmasken an, während der sich Instruktor aus Langeweile einen Schnupf genehmigt.
Dabei ist es eminent wichtig, dass Piloten und Flight-Attendants die Wirkung von Sauerstoffmangel am eigenen Körper spüren. Druckkammern sind ein Ansatz, die Fahrt auf den Corvatsch die Lösung!
Während der Gondelfahrt kann der Druck auf die Ohren durch Gähnen oder das Malträtieren eines Kaugummis vertieft und auf 3303 Meter über Meer, die körperliche Anstrengung auf dieser Höhe eingeübt werden. Dazu stehen diverse Skilifte und andere Infrastrukturen zur Verfügung.

Fazit: Das Engadin und die Fluggesellschaften der Star Alliance würden profitieren, das Gewerbe würde belebt und die Gasthäuser hätten 365 Tage im Jahr ein volles Haus.

Natürlich stellt sich die Frage nach der Finanzierung des ganzen Projektes. Doch auch da habe ich eine geniale Lösung zur Hand. Neben dem neuen Simulatorgebäude müsste man ein klitzekleines Zollfreilager erstellen und zwar für ein paar Bilder von Herrn Schwarzenbach. Lagert dieser bekennende Fan vom Flughafen Samedan nämlich seine Kunstwerke in eben diesem Lager, spart er Steuern und kann das gesparte Geld in das alpine Simulatorzentrum Samedan investieren, was sich wiederum an den Steuern abziehen lässt.

Ich schicke meinen Vorschlag an den neuen Gemeindepräsidenten von St. Moritz. Er ist zwar nicht die richtige Ansprechperson, aber das weiss er zum Glück nicht.

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