Samstag, Juli 28, 2018

Der Vermieter

Mein Vermieter hat mir gesagt, ich solle wieder einmal etwas an dieser Stelle publizieren. Mit Vermietern spasst man nicht, Vermieter sind am längeren Hebel.
Mein Vermieter – jung, attraktiv und im zeugungsfähigen Alter -, sitzt einige Reihen hinter mir im Crewbus inmitten der jungen Kolleginnen.
Wir stehen im Moment im Stau und das irgendwo auf einer Schnellstrasse im Moloch Bangkok.

Der Heimflug steht an und ich habe diesen Flug vorgängig gewünscht, um eben diesen Vermieter aus den Ferien nach Hause zu bringen. Eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe! Nicht auszudenken was geschehen würde, wenn etwas dazwischen gekommen wäre. Vermieter sind mächtig und wer ihre Rache spührt, steht bald auf der Strasse.

Natürlich beinhaltete das Rundum-Wohlfühl-Paket zu Gunsten meines Vermieters nicht nur die Rückführung, sondern auch die Betreuung vor Ort. Dazu gehörte sowohl ein umfassendes Kulturprogramm, als auch standesgemässe Verwöhnung in kulinarischen Oasen. Kultur zu bieten ist einfach in Bangkok, kulinarische Genüsse ebenso. Ersteres kann man in buddistischen Stätten und Massage-Tempeln erledigen, zweiteres an jeder Ecke in der Stadt.

Nun müssen sie wissen liebe Leserinnen und Leser, mein Vermieter ist ein Geniesser! Pflegt er zu Hause an so exquisiten Orten wie dem Frohsinn in Opfikon zu dinieren, verlangt er im Ausland nach ähnlicher Qualität. Er ist einem guten Gläschen Wein nie abgeneigt und zieht zwischendurch auch einmal an einer Zigarre aus kommunistischer Manufaktur. In dieser Beziehung ist er ein guter Christ, schliesslich wurde ja auch während des Abendmahls gebechert wie man auf Bildern dieser Epoche deutlich erkennen kann.

Leider Gottes ist Bangkok nicht christlich, sondern folgt dem buddistischen Glauben. Obwohl Budda himself einen BMI höher als der eines durchschnittlichen Mönchs aus dem Mittelalter hat, scheint er am Alkohol keine Freude zu haben. Am sogenannten Buddafest herrscht 48 stündiges Alkoholverbot und leider weilen wir genau in dieser Zeitspanne in der Stadt der Engel.

Schlimm war das nicht, lernten wir doch Orte kennen, die wir während normalen Aufenthalten nie besucht hätten. Das Nachtleben war anders - zugegeben, aber so schlecht auch wieder nicht. Ob es meinem Vermeter gepasst hat? Bei der nächsten Nebenkostenabrechnung werde ich es schwarz auf weiss erfahren.

Genug geschrieben, Vermieter hin oder her. Inzwischen ist der Bus ist am Flughafen angekommen und ich beendige den Text.

Ob mein Vermieter wohl zufrieden ist?

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