Sonntag, April 29, 2018

Groudhog Day – und täglich grüsst das Murmeltier

Manchmal komme ich mir wirklich vor, wie Bill Murray im Klassiker von 1993. Es ist wieder einmal Sonntag, ich sitze wieder einmal in einem Starbucks, der Schweiss läuft immer noch und ich bin einmal mehr in Bangkok.

Es könnte schlimmer sein. Ich mag den Starbuckskaffee, es gibt gähnenderes als die südostasiatische Metropole und manchmal habe ich echt das Gefühl, dass Bill Murray mein eigenes Leben spielt. Erinnern Sie sich an den Film „Lost in Translation“. Vermutlich nicht, denn den Film finden nur die genial, die wie ich viele schlaflose Nächte in Japan verbrachten und während des Tages wie auf Drogen durch das irre und wirre Tokio streunten.

Doch wie sieht eingentlich so ein Groundhog Day eines 52-jährigen Flugkapitäns aus? Im Gegensatz zu der jungen Generation bevorzuge ich Tageslicht. So beginnt mein Tageswerk gegen 7:30 Uhr in der Früh. Zu Hause sind um diese Uhrzeit noch nicht einmal die Bäcker wach, aber das stört mich wenig. Nach einem kleinen Frühstück und 10km auf dem Laufband…

Sind sie noch dabei? Langweilig, oder?

Wenn sich auf dieser Seite jemand durch den Tagesablauf eines alten Kapitäns liest, dann nur in der Hoffnung, dass irgendwann die Pointe oder eine schlüpfrige Anspielung kommt. Es ist Sonntag und ich möchte der Leserschaft nicht die wertvolle Familienzeit stehlen. Also kommen wir ohne Umschweife zum Thema, mit dem ein männlicher Besucher in Bangkok zwangsläufig in Berührung kommt: Der Massage mit Happy End.

Sie wissen nicht was ich meine? Dann können Sie an dieser Stelle getrost den Artikel beenden und weiter in der Sonntagszeitung blättern.

Allen anderen Männern sage ich in aller Deutlichkeit: Schämen Sie sich! Spass bei Seite, kommen wir zum Thema.

Bangkok bedeutet für mich viel Sport. Ich laufe während meines Aufenthalts mindestens 30km auf dem Laufband, vertreibe mir so die Zeit und arbeite gleichzeitig an der Ausdauer, die ich zu Hause bei meinen zahlreichen Outdoor Abenteuern gebrauchen kann. Die Muskeln werden strapaziert, sind verhärtet und auch müde.
Wenn man dann noch zusätzlich stundenweise in der schwülen Hitze durch die Strassen schlendert, dann kann man den zahlreichen Institutionen, die Massagen in allen Formen anbieten, kaum widerstehen.

Ich bin da keine Ausnahme. So betrete ich ein schummriges Lokal, das nach asiatischem Standard heruntergekühlt und mit Bildern des verstorbenen Königs vollgehängt ist. Die Masseurin bittet mich höflich, die störende Kleidung abzulegen und Platz zu nehmen. Im Nebenraum holt sie einen Eimer mit warmem Wasser und einem nicht mehr ganz fabrikneuen Waschlappen. Wie sie die Seife im Waschlappen scheuert und damit einen weissen Schaum erzeugt, kommt einem Teeritual sehr nahe. Gefühlsvoll und mit wenig Druck führt sie den Waschlappen über die empfindlichen Stellen und lächelt mich an, wann immer ich zucke. Ich bin hin und her gerissen. Einerseits könnte dieser Waschvorgang ewig dauern, andererseits kann ich die Massage kaum erwarten.

Sie legt den Waschlappen weg, nimmt ein Handtuch und trocknet mich vorsichtig ab. Es kitzelt und ich bin überempfindlich. Ein süsslicher Geschmack verteilt sich im Raum, der aus einer bunten Flasche entsteigt, die das Massageöl beinhaltet. Vorsichtig wird die handwarme Flüssigkeit auf meiner Haut verteilt. Die Masseurin lächelt, schaut das zu massierende Objekt an und sagt: „Oh, so big!“
Nun beginnt die eigentliche Massage. In regelmässigen und bewusst angesetzten Bewegungen werden die empfindlichen Stellen behandelt. Ich kann ein Stöhnen nicht unterdrücken, was wiederum ein Lächeln auf die Lippen der Dame zaubert.
Schmerz und Wohllust wechseln sich ab. Ich winde mich hin und her. Die Meisterin weiss genau, wo sie drücken und wo sie streicheln muss. Sie ändert die Frequenz von schnell nach langsam und dann wieder zu schnell. Es fröstelt mich von der Air Conditioning, doch nicht mal Frostbeulen könnten mich jetzt von der Massagepritsche verjagen.
Die Zeit vergeht wie im Fluge und das Ende naht. Und es es ist kein gewöhnliches Ende, es ist ein Happy End!
Mit einem einem gekonnten Griff zieht sie am grossen Zeh und es knacks laut. Was für eine Erlösung! Was für ein Happy End!

Diese Fussmassagen in Bangkok sind einfach unglaublich!

Kommentare:

  1. Welch grosse Freude, nach gerade einmal einer Woche hier bereits wieder auf neue Zeilen meines Lieblingsschreiberlings zu treffen!

    Wie immer sehr unterhaltend geschrieben, weiter so Captain ;)

    Gruss aus ZRH
    Max

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  2. Lange war der Blog sehr still. Welche Freude, dass meine Besuche hier nicht mehr vergebens sind. Vielen Dank für Ihre unterhaltsamen Einblicke in das Fliegerleben!

    Röfe vo Bärn

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  3. Ich will ja nicht pingelig sein, aber da ist ein Typo im Titel.

    Aber super lustig!

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