Sonntag, Januar 28, 2018

Tag 2: Everett

Nach einer kurzen Nacht, bedingt durch die Zeitverschiebung und die späte Ankunft im Hotel, trafen wir uns im Frühstücksraum des Hotels. Man fand dort viele Kalorien, aber leider nichts viel geniessbares – Amerika halt...

Ehe wir uns versahen, standen wir in Everett mit druckfrischen Boeing Batches ausgetattet im Arbeitsraum des Delivery-Teams. Für die Vorstellung der Beteiligten blieb am Abend noch Zeit. Man werde später bei Fisch & Bier noch genügend Zeit dafür haben, wurde uns versichert.
Die einzig entspannten Personen im Raum waren der technische Pilot, dessen Test-Missions beendet waren und Felix, der Boeing Vertreter, zuständig für unser neues Baby und unser persönlicher Guide am heutigen Tag.

Dass wir mit Felix eine grosse Nummer bei Boeing erwischten, merkten wir während unserer Führung in den Produktionshallen sehr bald. Fast jede Türe gind für uns auf, Absperrbänder verloren ihre abschreckende Wirkung und sowohl Produktionsmaschinen, als auch ganze Einzelteile wie Flügel wurden uns aus nächster Nähe gezeigt. Wir liefen durch Flugzeuge, an denen noch ganze Einrichtungen fehlten, zogen und Pantoffeln über, um die neuen Teppiche nicht zu beschmutzen und nahmen auf Pilotensitzen Platz, die erst in ein paar Wochen im Einsatz sind.

Die ersten Leserinnen und Leser schreien jetzt völlig berechtigt nach Fotos und das kann ich versichern, die gibt es auch in rauhen Mengen. Verständlicherweise herrschte in den Boeing Hallen absolutes Fotografierverbot. Mit einer Ausnahme und die betraf das eigene Flugzeug, falls gerade eines in der Produktionslinie in Arbeit war. Zu unserem Glück stand die vorerst letzte Maschine, die in gut einem Monat in Zürich eintreffen wird, in der Produktionsstrasse. So erkundeten wir die JNJ so intensiv wie nur möglich. Wir werden dieses Flugzeug nie wieder so zu Gesicht bekommen, die vielen versteckten Kammern und Apparaturen werden zukünftig vor unserern Augen verborgen ihren Dienst verrichten. Trotzdem werde ich an dieser Stelle keine Bilder publizieren, es ist schlichtwegs zu heikel.

Nach 4.5 Kilometer Marsch durch die Produktionshallen gab es an diesem unvergesslichen Morgen den ersten vernünftigen Kaffee zu unvernünftigen Preisen. Wir standen im offiziellen Besucherzentrum in Everett, deckten uns mit allerlei logobedruckten Artikeln ein und versuchten die Erlebnisse zu verarbeiten. Wir sind uns des Privilegs sehr wohl bewusst, dass wir an so einem Anlass dabei sein dürfen.

Am Abend dann der Dinner mit den Kollegen des Delivery-Teams. Für das rund 20 köpfige Team ist es das neunte und zweitletzte Flugzeug, das sie hier in Everett abholen. Sie erzählen von Testflügen, Wetterkapriolen, grauenhaftem Kaffee, unkomplizierten Kollegen auf Boeing Seite. Mit viel Bewunderung nehme ich zur Kenntnis, was dieses Team vor jeder Übergabe leistet. Jedes kleinste Detail – und glauben sie mir, davon gibt es unendlich viele – muss überprüft werden. Alle Funktionen von technischen Geräten werden gechecked und akribisch darauf geachtet, dass der hohe Qualitätsstandard auch eingehalten wird. Wir werden uns morgen so gut wie möglich bei ihnen mit einem angenehmen Flug revanchieren.

Die Zeit drängt schon wieder. Frühstück und ein kleiner Ausflug wartet auf mich. Am Abend steht noch ein offizieller Anlass bei Boeing auf dem Programm. Danach finde ich hoffentlich ein paar Stunden Schlaf, bevor wir am Dienstagmorgen das neue Baby nach Zürich bringen.

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