Donnerstag, Januar 04, 2018

Glücksmaximierung


Nach was strebt der Mensch? Eine Frage, die man in einem Pilotenblog nicht unbedingt erwartet. Im Gespräch mit Freunden, Kollegen, Passagieren und Crewmitgliedern beobachte ich immer wieder, dass sich die Ziele erstaunlich ähnlich sind.

Sehr viel hat mit der Erwartungshaltung des Umfelds zu tun; mit Werten die bewusst gesetzt oder zufällig in der Gesellschaft entstanden sind. Ferien an einer gewissen Destination, fahren einer bestimmten Marke, Verhalten in Gesundheitsfragen. Viele solcher Werte werden durch den Zeitgeist definiert, das Nichtbefolgen dieser durchaus auch einmal getadelt. Wer sich diesen Normen nicht stellt, steht zwischendurch auch einmal im Wind. Doch dazu später.

Der Titel dieses Beitrags lautet Glücksmaximierung. Mein Weiterbildungskurs am heutigen Tag zählt nicht unbedingt zu meinen Wunschterminen. Was Frau Towermädel morgen sicherlich schätzt, nämlich dass ich heute den ganzen Tag in Notfallsituationen gedrillt wurde, zauberte mir im Vorfeld Sorgenfalten auf das Gesicht. Man muss sich vorbereiten, muss repetieren und viel lesen. Ein Aufwand, dem sich arbeitsscheue Piloten nicht gerne stellen. Nicht dass ich die Notwendigkeit nicht einsehen würde, aber Aufwand bleibt Aufwand.

Nach absolviertem Kurs bleibt meist ein positiver Eindruck haften. Die Instruktoren haben die Themen gut gewählt, den Finger da hin gehalten, wo es weh tut und uns Geforderten durchaus wertvolle Inputs auf den Weg mitgegeben. Wertvoll waren auch die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen in den Pausen. Fachliche Themen, als auch privates wurden rege diskutiert.   Wie jedes Jahr kam ich wegen meines nicht eingelösten Freiflugs in der besten aller Klassen unter die Räder. Was für andere undenkbar ist, scheint mir logisch. Ich verbringe dort meine Freizeit, wo es mir am besten gefällt: im Engadin. Glücksmaximierung eben!

Weiter verstanden viele meinen Umzug ins Engadin in keiner Weise. Wer eine riesen Wohnung mit Loftcharakter und freier Sicht auf die Stadt Zürich (oder zumindest einen Teil davon) für eine dreimal kleinere Bleibe in den kalten Bergen aufgibt, provoziert scheinbar die Frage, warum man sich das antut. Meine Antwort ist so einfach wie logisch: Glücksmaximierung!

Mehr zu denken gab mir ein anderes Diskussionsthema. Bitcoins! Scheinbar gibt es bei Männern in meinem Alter kein anderes Thema mehr. Alle griffen im Sekundentakt zum Handy und prüfen den Wert ihrer Viertel, Achtel und Sechszehntel einer Währung mit abenteuerlichem Namen. Dass es hunderte dieser Kryptowährungen gibt, lernte ich heute genauso wie die Tatsache, dass jeder eine Geschichte von einem kennt, der angeblich vor ein paar Jahren eben diese Währungen kaufte und die Belege heute nicht mehr findet.

Ein Kapitänskollege erkundigte sich bei mir, in welche der neuen Währungen ich denn investiere? Meine Antwort war kurz und bündig: Mich interessieren weder Kryptowährungen, noch spekulative Aktientransaktionen, ich sei in keiner WhatsApp Gruppe für Bitcoins und bezahle meinen Kaffee weiterhin mit harter Währung. Der Kollege schüttelte den Kopf und warf mir ernsthaft unverantwortliches Handeln mit meinen privaten Vermögen vor. 

Das wurde mir Ende der 90er Jahre schon einmal im Cockpit vorgeworfen. Damals erklärte mich der Kapitän für finanztechnisch Unzurechnungsfähig, weil ich wie viele andere im Cockpit dem Basler Investor Dieter Behring nicht mein Copilotensälar hinterhergeworfen habe. Wie ich heute weiss ein weiser Entscheid.

Die Antwort heute und damals: Ich betreibe nicht Vermögens-, sondern Glücksmaximierung! Das wird auch Morgen der Fall sein. Ich darf die Frau Towermädel in die Ferne fliegen und das ist doch auch irgendwie Glücksmaximierung. Erstens werden wir bei der ATC wie VIPs behandelt, zweitens wird Frau Towermädel mit Sicherheit etwas Selbstgebackenes mitbringen (spührst Du den Druck?) und drittens - braucht es einen dritten Grund für die Glücksmaximierung?  

1 Kommentar:

  1. schade fals es LX180 war.... morgen hätte ich zwei blogger kennen gelernt ;-)

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