Donnerstag, Dezember 28, 2017

Vom lieben Geld

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das ist so normal wie unspektakulär. Wie jedes Jahr versuchen viele Institutionen und Personen aus der einen Sekunde, wo das Datum von 2017 auf 2018 fällt, etwas Unvergessliches zu machen. Nicht selten sind die Feiernden in dieser zelebrierten Sekunde steifer als den Rest des Jahres. Am Druck des einen Momentes scheitern so viele. Was bleibt ist oft ein Kater, der bleibt einem wenigstens einige Stunden treu.       
 
Trotzdem hat die Jahreswende seinen Reiz. Wer den Sprung des Jahreszeigers wie ich regelmässig verpennt, fühlt sich am Morgen des 1. Januars trotzdem in einer anderen Welt. Die Loipen sind abgesehen von einigen Resten abgebranntem Feuerwerks leer, beim Bäcker sind die Regale um 08:00 Uhr noch zum Bersten voll und der Fahrer des Ortsbusses freut sich ab jedem Passagier. Der 1. Januar ist ein Tag zwischen zwei Jahren. Das Alte ist Vergangenheit, das Neue noch in den Windeln. Der Neujahrstag ist aber auch ein Tag zwischen zwei Flügen. In meinem Fall Hongkong und Bangkok. Dass ich in dieser „Zwischenflugzeit“ an meinem neuen Wohnort ausspannen kann, macht den diesjährigen Jahreswechsel zusätzlich spannend. So verschieden Hongkong, das Engadin und Bangkok auch sind, in diesen Tagen haben die drei Destinationen viel gemeinsam. Die Macht des Geldes wird in dieser Zeitspanne gerne obsessiv zur Schau gestellt. Das ist nicht per se schlecht, schliesslich darf man ja stolz sein auf das was man im vergangenen Jahr geleistet hat. Es liegt auch in der Natur der Sache, dass Neid entsteht und da und dort auch in Hass umschlägt. Der Neid ist nicht nur negativ, er kann durchaus auch Ansporn sein.        
  Doch mich interessieren nicht der Neid oder die negativen Effekte der ungleichen Vermögensverteilung, mich interessiert viel mehr, wie die Leute zu der Kohle gekommen sind. Beim nächtlichen Blick vom Peak in Hongkong geniesst der Besucher einen wundervollen Blick auf die Skyline von der einmaligen Stadt. Die Hochhäuser vom Midlevel-Quartier ragen bis unter die Wolkendecke. Unzählige Licher beleuchten tausende von Wohnungen und zeugen von der eindrücklichen Bevölkerungsdichte in der Stadt. Die Wohnungspreise in Hongkong - und speziell in diesem Quartier, sind so hoch, dass mit Sicherheit behauptet werden kann, dass hinter jedem Fenster ein Millionär wohnt. Ich bin keineswegs neidisch, denn mein jetziges und sehr kleines Domizil mit Sicht auf den Silvaplanersee direkt an der Engadiner Loipe gelegen, würde ich nie und nimmer gegen eine Bleibe in einem dieser Wolkenkratzer tauschen, aber ich frage mich ernsthaft, wie all die Leute zu ihrem vielen Geld kamen? Weder der Blick vom Peak, noch die Fahrt  mit der Starferry brachten Erleuchtung. Als ich dann aber im Hotelzimmer die Toilette aufsuchte, spürte ich Erleichterung und Erleuchtung gleichzeitig. Diese Geschäftsidee ist so einfach und wirkungsvoll zugleich! Ich werde diese noch 2018 in Europa einführen! Heureka, ich werde reich!   

Donnerstag, Dezember 07, 2017

Wirre Gedanken eines Fliegenden 1

Influenzer sind im Moment überall anzutreffen. Inbrüstig versprühen diese Sachen, die sie besser für sich behielten. Das generiert Follower und diese wiederum verbreiten den Mist ungefragt weiter. Vom Schneeballeffekt redet man, da und dort auch vom Multiplikationsfaktor. Fachleute reden von Epidemien und das erkennt man nicht nur an steigenden Google-Anfragen zum Thema.
Ich bin Immun dagegen und das verdanke ich dem jährlichen Pieks in meinen Oberarm. Bekämpft die Influenza und damit die Influenzer! Impft Euch! Schützt Euch vor ungefragt verbreitetem Mist. Es lebt sich besser ohne Influenza – und auch ohne Influenzer.

Mittwoch, Dezember 06, 2017

AUSLAND

Einsatzpläne sind mitunter Freud und Leid zugleich. Ein Computer voller Drähte und seltener Metalle bestimmt das Leben von mehreren tausend Angestellten mit ein paar Rechenoperationen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Dezemberplan einen höheren Stellenwert besitzt als andere.

Ich mag mich nicht beklagen. Heuer bestimmt der Umzug ins neue Wohndomizil meinen Stresslevel und meinen Arbeitsrhytmus und da spielen spezielle Tage im Kalender keine Rolle, wenn sich links und rechts Kartinschachteln bis über den Kopf stapeln. Für einen Weihnachtsbaum bleibt da kein Platz, für eine Silvesterparty fehlen mir die Nerven.

Dennoch hatte der Plan wieder eine Überraschung auf Lager und zwar nicht der aktuelle, sondern der Outlook auf den nächsten. AUSLAND steht da mit grossen Lettern geschrieben und das erscheint doch auf den ersten Blick seltsam.
Seit mehr als 26 Jahren fliege ich für Schweizer Arbeitgeber durch die Lüfte und noch keiner der Flüge fand innerhalb der eigenen Landesgrenzen statt. Sogar der Hüpfer nach Genf führt über fremdes Staatsgebiet. Da stellt sich natürlich die Frage, was mir die Firma denn da Tolles geplant hat?

Bisher habe ich mit AUSLAND keine schlechte Erfahrung gemacht. Vor über einem Jahr war ich für fast 10 Tage in Arizona und liess im Rahmen eines Trainings Beschleunigungen über mich ergehen, die nur im wachen Zustand erträglich sind, und vor ein paar Wochen weilte ich in Frankfurt an einer sehr interessanten Schulung, die drei Tage dauerte, das Training revoluzionieren könnte und ganz nebenbei Kontakte verschaffte, die sowohl betrieblich, als auch menschlich wertvoll sind.

Tja, was bedeutet wohl dieses AUSLAND im Januar? Ich lasse das an dieser Stelle noch offen, etwas Spannung darf in der Adventszeit schliesslich sein. Doch soviel sei verraten, es geht an die Westküste von Amerika und nicht in den Staat Kalifornien. Um die Leserin Frau Towermädel zu beruhigen: der Flug nach Bangkok ist selbstverständlich noch immer aktuell und wird so im Januareinsatz verbleiben.

Sonnenaufgang kurz vor Afghanistan 

Beim Verfassen dieser Zeilen befinde ich mich übrigens auch im Ausland, genauer in Hongkong. Dezember ist die besten Zeit für eine Reise in diese Region. Die Temperaturen bewegen sich im gleichen Zahlenbereich wie an meinem neuen Wohnort, einfach mit umgekehrten Vorzeichen. Interessant zu sehen ist die Reaktion der Einwohner, wenn am Thermometer eine Zahl unter 20°C angezeigt wird. Winterjacken werden hervorgeholt, Halstücher so gross wie Tischtücher umgeworfen und da und dort sieht man tatsächlich auch Pelzjacken. Wenn der Tourist aus den Schweizer Bergen bei diesen sommerlichen Temperaturen in kurzen Hosen durch die Strassen läuft, wird er wie ein Ausserirdischer begutachtet.
Kurze Hosen sind im Dezember in Hongkong ein Muss, denn Dezember ist in Hongkong Wandersaison. Bei trockenem Wetter auf engen Pfaden über Hügel zu laufen, gehört zu den schönsten Arten, die Inseln zu entdecken. Am Abend steht der Besuch des Pferderennens im Happy Valley an. Wer das kennt weiss, dass man den Mittwochabend nicht ohne Besuch auf der Rennbahn beginnen kann. Die Stimmung ist einmalig, das Bier günstig, die Menschen schön und die Kleidervorgaben unkompliziert. Selbst der Neu-Engadiner wird dann die Softshell-Jacke überziehen, es sind Temperaturen von unter 15°C angesagt.

Liebe Leserinnen und Leser, der Flugschreiber wünscht schöne Festtage. Ich melde mich wieder zwischen Weihnachten und Neujahr und das neuerlich aus Hongkong. Geniesst die Adventszeit! Ich ziehe in den nächsten Tagen um und zwar ins INLAND.