Mittwoch, November 15, 2017

Von Höhlen

Attestiert mir ein Arzt ein Problem mit den Nebenhöhlen, müsste ich eigentlich beleidigt sein. Denn Nebenhöhlen liegen bekanntlich neben der Haupthöhle und dass kann im Kopf nur eine Stelle sein. Doch wenn die Zähne, Ohren und die Strin gleichzeitig schmerzen, ist einem nicht nach Rache und Vergeltung zu Mute. Dankbar nahm ich den Berg Medikamente an und verzog mich vor rund zehn Tagen in meine eigene Höhle zurück. «COG» – Captain on GND – Flugverbot.

Der versprochene Bericht aus Hongkong fiel ins Wasser, die Höhlen mussten mit Pillen und anderen Wässerchen freigeschossen werden.
Mittlerweile sind meine Nebenhöhlen wieder frei wie der Gotthardtunnel um 3 Uhr in der Früh und in diesem Zustand rate ich keinem zu behaupten, dass sich in meinem Kopf ob der Nebenhöhle eine Haupthöhle befindet.

Mittlerweile bin ich wieder «on tour» und neuerlich beschäftigt mich das Thema «Höhlen». Ich bin in Bangkok. Hier gibt es Massagehöhlen, Rattenhöhlen, Opiumhöhlen, einen «Höhlen-Verkehr» und es ist drückend heiss wie in einer Höhle nahe der Hölle.
Seit gestern weiss ich auch, dass es in der Stadt der Engel auch «Raucherhöhlen» gibt. Die Crew, unter Führung eines befreundeten Kapitäns, steuerte nach dem Essen zielgerichtet ein subversives Lokal an, das man nur betreten darf, wenn man den Geheimcode korrekt in ein Telefon eingeben kann. Es sei an dieser Stelle verraten, dass der Code 1940 gefolgt von einer Raute lautet. Da ich bekanntlich Nebenhöhlen habe, die auf eine grosse Haupthöhle schliessen lassen, konnte ich die Zahl 1940 nicht einer wichtigen Jahreszahl zuordnen. Wikipedia half mir und so durfte ich ein kleines Wissenspaket in meiner Haupthöhle ablegen, die so leer danach nicht mehr war. Scheinbar hat die Haupthassfigur von Castro’s Mannen, Senator Fulgencio Batista, 1940 die Verfassung ausser Kraft gesetzt und damit den Zorn von Castro und seinen bärtigen Kollegen auf sich gezogen. Man lernt nie aus!

Doch nun zurück in die Raucherhöhle. Im ersten Stock des Lokals bevölkerten lebenslustige, weibliche Expads, die elegant die Hüften zu karibischer Musik schwangen, die Bühne und machten das Lokal zu einem ziemlich gefährlichen Pflaster für Männer in ihren 50ern. Darum verstand ich zu keinem Zeitpunkt, dass wir diese durchaus erotische Tanzhöhle verliessen und im Obergeschoss die Raucherhöhle betraten.
Männer, diese seltsamen Wesen, scheinen sich mit einer Zigarre in der einen und einem Schnaps in der anderen Hand unverletzlich zu fühlen. Ich werde wohl nie verstehen, wie man diese nach getrockneter Kuhscheisse riechende Röhre anzünden und auch noch inhalieren kann. So schnell wie ich die Raucherhöhle betrat, verliess ich sie auch wieder. Natürlich nahm ich noch ein Auge voll Tanzimpressionen mit auf den Weg und machte mich auf in meine unterkühlte Nachthöhle.

Müde legte ich mich ins Bett und schaute zufrieden auf mein erreichtes Tagesziel zurück: Einmal einen Text zu schreiben, wo das Wort «Höhle» 25 Mal vorkommt….

Kommentare:

  1. "erreichtes Tagesziel": mission accomplished, herzlichen Glückwunsch. Wieder ein super Bericht, vielen Dank dafür!
    Mich hätte es auch definitiv aus der Raucherhöhle zurück zur erotischen Tanzhöhle geführt ;-)
    Gruss ausm Ländle

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  2. Ein Gruss ins Ländle zurück! Es ist gut, wenn man Tagesziele am Ende dieses definieren kann :-) Das macht irgendwie zufriedener!

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