Freitag, Oktober 27, 2017

Useless things

Es gibt Orte auf dieser Welt, die lassen einen erschaudern. Nicht immer ist das für das Gegenüber verständlich, oft sind die Ansichten verschieden. «Super Hotel», «5-Sterne», «bekannte Hotelkette», «schöne Zimmer» – das einige der Attribute, die ich über unsere Unterkunft in San Francisco gehört habe. Ich wohne im Turm 3, im 19. Stockwerk, Zimmer 1965. Genauso nüchtern wie diese Beschreibung klingt, fühlt es sich auch an. Wie kann man sich da nur wohl fühlen?

Glücklicherweise bietet San Francisco mehr als öde Hotelbunker.

Die morgendliche Wanderung vom Hotelbunker an den Pier gleicht einem Spiessrutenlauf. In praktisch jedem Hauseingang liegt ein zusammengeroller Menschenkörper und sucht Schutz unter einer dünnen Decke. Der Anblick so zahlreicher Randständiger hinterlässt einen verstörenden Eindruck. Langsam wird es heller und zwischen den Hochhäusern zeigt sich der pazifische Ozean.

Eine traumhafte Stadt, wenn man wie ich zwei Kreditkarten und etwas über hundert Dollar Cash auf sich trägt. Ich war zuletzt kurz nach dem Datumswechsel im Jahr 2011 in der Stadt. Einsatzumstellungen und unzählige Stunden im Simulator haben dafür gesorgt, dass ich es in den vergangegen zwei Jahren nie nach San Francisco geschafft habe. Schon gestern hat mich der wunderschöne Anflug über die Golden Gate entzückt, der Sonnenaufgang am Pier mit der Oakland Bay Brigde im Hintergrund macht das Glück perfekt.

Das Boot nach Sausolito verlässt Pier C erst in 30 Minuten, Zeit genug ein Ticket zu kaufen und einen Kaffee zu geniessen. Der Ticketautomat ist nicht leicht zu finden, scheint aber umso leichter zu bedienen sein. «Insert Credit Card» – gesagt, getan. «We do not accept AMERICAN EXPRESS». Ok, mit dem kann ich leben. «You want to pay with another Credit Card?». Yes! «We do not accept foreign Credit Cards». Und das in der Stadt von Apple und Google! Apple! Vielleicht akzeptiert die Kiste APPLE PAY? Gute Idee, aber leider auch eine Sackgasse. Ein schlecht angebrachtes Schild mit der Aufschrift «No Cash» bringt mich auch um meine letzte Option. Auch wenn mein letzter Besuch über sechs Jahre her ist, weiss ich, dass sich im Gebäude hinter mir ein Schalter des Fährenbetreibers befindet. Tatsächlich! Eine rundliche, aber durchaus charmente Dame erkundigt sich nach meinen Wünschen. Sorgenfallten bildeten sich auf Ihrer Stirn, als ich ein Ticket ergattern wollte. Das ginge leider nicht, weil Sie keine Tickets verkaufen dürfe, mir aber eine Wertkarte geladen mit dem Betrag eines Tickets überlassen könne. Was ich denn mit der Wertkarte tun müsse?, fragte ich die geduldige Verkäuferin. Ich könne am Ticketautomaten von eben, mit der Wertkarte einen Fahrschein lösen… Ich akzeptierte das Angebot und überreichte ihr meine Kreditkarte. «Sorry Sir, we do not accept AMERICAN EXPRESS». Cash – ok. Mit der Wertkarte im Hosensack ging ich schnurstracks zum Ticketautomaten und von dort zum Pier C. Für einen Kaffee blieb keine Zeit mehr.




Nach einer wunderschönen Überfahrt nach Sausolito steuerte ich den ersten Coffeeshop an. Egg Benedict und ein grosser Cappuccino stopften mein grosses Loch im Magen. Am Tisch nebenan sass ein uniformierter Motorradpolizist und genoss sein Frühstück. «You ride a German Bike in the country of Harley Davidson?», frage ich den sympathischen Ordnungshüter. «Yeah, listen – my last Police bike was an Harley, but like other things in the States it looked good, made a hell of a noise, but was absolutly useless…»



Mit dieser Weisheit, der ich nichts anzufügen habe, beschliesse ich meinen wöchentlichen Bericht aus der Welt der Fliegerei. Nächste Woche werde ich aus Hongkong berichten. Den Flug an die chinesische Metropole werde ich wie immer mit einem Crewbriefing beginnen. Wissen sie geschätzte Leserinnen und Leser, was die Kolleginnen und Kollegen während meinem überaus wichtigen Vortrags machen? Nein? Die folgende Grafik gibt Auskunft:





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