Sonntag, September 17, 2017

Bitte tun sie das nicht!

Um Himmelswillen NEIN!

Es gibt einiges, was bei der Fliegerei Tabu ist. Kleiderkauf nach dem Flug gehört dazu, übertriebene Freundlichkeit zu amerikanischen Grenzbeamten auch. Man sollte in Los Angeles nicht bei Rot über die Strasse gehen und auch Kritik an den Fahrkünsten unserer Crewbusfahrer kommt schlecht an. Wer nach Bangkok will soll nie und nimmer Bangkok im Wunschsystem eingeben und am Wochenende hat man mit fast 100 prozentiger Sicherheit frei, wenn jeweils Samstags ein Hongkong gewünscht wird.

Lege Dich nie mit den First Class Galley-Engel an und unterstehe dich, die Crew bei der Ansage «landing in ten minutes» zu belügen. Beschwere dich nicht über vollgestellte Parkhäuser und reklamiere nie beim Tower, wenn es in Zürich wieder einmal eine halbe Stunde Verspätung gibt.

Auch die Sicherheitsbeamten an den Röntgenapperaten verstehen keinen Spass, wenn die Schuhe piepsen oder Handys in den Hosensäcken durch die Schleuse geschmuggelt werden. Der Zoll mag kein amerikanisches Rindsfilet im Crewgepäck und auch nicht abgeholte Pakete mit verderblichem Inhalt werden in der Crewpost wenig geschätzt. Wehe auf dem BAZL Formular wird eine Unterschrift vergessen oder man schreibt auf das Couvert nicht die neusten Postadressen, die aufgrund Restrukturierungen im Monatsrythmus ändern.

Ein falsches Wording im B777 Cockpit kommt ähnlich schlecht an, wie schmutzige Schuhe am Linecheck. Wer während des Crewbriefings das Handy benutzt bewegt sich in Augenhöhe mit denen, die nach einem 12-Stunden-Flug den iPad-Bildschirm im Cockpit nicht reinigen. "Dangerous Goods" müssen nun mal alle zwei Jahre trainiert werden, da hilft toben und stampfen bei den Lehrpersonen wenig.

Nicht grüssende Kollegen gehören genauso zu der unbeliebten Truppe wie die Spezies, die wie Mumien herumstehen, wenn die jüngste Hostess dem Fahrer hilft, die schweren Koffer zu entladen.
Ganz oben auf der Hassskala stehen jene, die um Hotelzimmer feilschen, wenn der Grossteil der Crew hinter dem Tresen für einen Zimmerschlüssel ansteht.

So, ich glaube das sind alle Do’s und Dont’s der Fliegerei. Wenn sie liebe Leserinnen und Leser bis zum Schluss mitlasen, sind sie bestens qualifiziert für eine Karriere an Bord.

Habe ich wirklich an alles gedacht?

Nein, um Himmelsgottswillen! – etwas wichtiges habe ich vergessen: Schreiben sie nie einen Text, wenn sie in Chicago im Stau stehen. Sie laufen Gefahr, den gleichen Mist zu verfassen wie ich eben.

Einen Vorteil hat die Schreiberei allerdings: Wir sind endlich beim Hotel angekommen!

Kommentare:

  1. ich lese die Blogs seit Jahren mit grossem Vergnügen... bezüglich ORD, ich weiss zwar jetzt nicht grad was für ein Hotel die LX Crew dort hat... aber in der UBahn stand ich da noch nie im Stau...;-)

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  2. ... da verpasst Du die grössten Sehenswürdigkeiten in ORD! Das Stop and Go auf dem Kennedy Expressway gehört zu DEN Highlights jedes Chicago Aufenthalts ...

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