Dienstag, August 22, 2017

Happy Ending in Bangkok


Zu einem guten Happy End gehört auch immer ein guter Anfang. In der Fliegerei sind die Briefings die ersten Berührungspunkte mit der Crew und bekanntlich bekommt man keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Wenn die Türe zum Briefingraum aufgeht, bekommen die Namen auf der Crewliste schlagartig ein Gesicht:

«Ach das ist die Andrea»

«Der Peter sieht aber dicker aus als auf dem Photo…»

«Die Hannelore könnte auch mal lachen…»

«Älter als ich dachte…»

«Ist die noch Single…?»

«Scheisse, der Drachen von vorigem Jahr…»

Leifäden, wie man gute Briefings gestaltet, gibt es firmenintern unzählige. Vor ein paar Jahren durften wir Briefings sogar unter therapeutischer Betreuung einüben und einander Feedbacks geben, bis wir fluchtartig die Arbeitsstätte verliessen. Doch eigentlich ist das Fundamentale der Briefings von Flugbesatzungen allen klar: Es zählt nur das Äusserliche! Schon lange interessiert niemanden mehr, wie lange die Blechröhre von A nach B fliegt: das merkt man früh genug! Man will unterhalten werden und zwar optisch und nicht verbal!

Also auf den Punkt gebracht: Wer während dem Flug im Cockpit Besuch haben und anständig verpflegt werden will, der soll vor dem Betreten des Briefingraums bitteschön den Hosenstall schliessen, die Nase putzen, Haare von den Brillengläsern entfernen und die Frisur notdürftig richten. Fusel auf der Uniform sind zu entfernen und Schuhe sollten gepflegt sein. Auf Grimassen ist zu verzichten und man soll nicht so dastehen, als ob man dies ohne Rollator nicht mehr könnte. Brust raus und mit einer Mischung aus Stolz und Hundeblick den Raum betreten! Das Feedback in Form von interessierten Blicken folgt unmittelbar.

Schauen die Kolleginnen und Kollegen desinteressiert auf ihre eigenen Fingernägel oder schreiben seltsame Serviceabkürzungen auf das Notizblatt, dann hat der Herr Kapitän ein ernsthaftes Problem - oder mit anderen Worten: der erste Eindruck wurde gründlich versaut.

Heute war so ein Tag. Irgendwie habe ich es vergeigt. Niemand schien mir zuzuhören ausser das FCG, mit der ich vor 17 Jahren auf dem Fahrrad den Osten Japans unsicher machte. Ich hätte eine Flugzeit von drei ganzen Tagen verkünden können, es hätte niemand reagiert. Selbst doppelte Spesen hätten das Denkzentrum nicht erreicht. Hätte ich verkündet, dass der Flug abgesagt wäre, die Crew wäre trotzdem in einer stoischen Ruhe zum Standplatz gefahren. Das Team hat entschieden, der Kapitän genügte einem der unzähligen Kriterien nicht, die es zu beachten gilt. Zu meiner Erleichterung war es nicht ein offener Hosenstall - auch die Brille war nicht mit Schuppen übersät. Die Schuhe waren beim Schuhmacher in den Ferien und glänzten dementsprechend. Mein Hemd war weiss wie in einer Kochwäsche-Werbung und Bügelfalten hatte die Hose auch. Frisurentechnisch bin ich im Moment eh auf der Höhe, weil meine hübsche Frau eine hübsche Friseurin für mich ganz in der Nähe unseres Wohnortes fand.

Was war es dann? Was drohte meine Glaubwürdigkeit und Autorität zu untergraben? Ein Blick auf die Uhr brachte schlagartig Klarheit. Ein giftgelbes Sportarmband schmückte mein Handgelenk und fiel zwischen dezentem Sakko, dezenter Hose und dezenter Krawatte auf, wie der Twitter-Präsident bei einer Tagung intellektueller Grössen. Wenn Herr Kapitän schon eine Uhr tragen muss, bei der man das Armband blitzartig wechseln kann, so soll der Herr Kapitän dies auch machen. Dezent schwarz oder elegantes Leder – ABER SICHER NICHT GIFTGELB! Zugegeben, es sah wirklich doof aus!


Gut bin ich vor über 17 Jahren in Japan kräftig in die Pedalen getreten - und noch besser, haben wir damals kurz vor dem Grounding mit der Radlergruppe viel Spass gehabt. Trotz giftgelbem Armband wurde ich bestens verpflegt und die Besuche in der Pilotenkanzel waren zahlreich. Die sehr sehr sehr sehr sehr sehr berühmte Persönlichkeit ganz vorne in der Kabine habe ich mit giftgelbem Armband persönlich begrüsst. Unsere Blicke trafen sich, Worte wurden ausgewechselt, das Armband blieb unentdeckt. Männer untereinander werten Äusserlichkeiten weniger oder heben ganz einfach mehr gegenseitiges Verständnis für geile Gadgets.

Ist doch ein schönes Happy End – oder?

Kommentare:

  1. Herrlich - merci vielmol für Deine super Eindrücke!! Zaubert mir bei jedem Lesen ein Lächeln ins Gesicht :-)

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  2. Kann mich Paul nur anschliessen! Bin äusserst dankbar, dass sich das lange Warten gelohnt hat und nun der beste bloggende Pilot wieder öfter von sich hören lässt :) Fast alles wie früher, auch die Titelwahl, welche vom Schreiberling natürlich nie und nimmer so gewählt wurde um auch Leute auf die Seite zu locken, die sich nicht primär für die Fliegerei interessieren ;P
    Liebe Grüsse nach BKK von Wolfgang

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  3. Tja, leider werden die Crews immer jünger und das Interesse immer geringer, leider auch an den Passagieren. Es ist jedesmal eine Freude, wenn es eine ältere Crew ist, denn dann sitzt die Aufmerksamkeit, die Freundlichkeit und der Service :-)

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