Sonntag, August 13, 2017

Die Verführungskunst junger Frauen


Bevor ich auf das eigentiliche Thema eingehen kann, gilt es die Schönheiten der Natur zu würdigen. So eine Joggingrunde bei Sonnenaufgang am Lake Michigan weckt müde Geister und steife Glieder. Und steife Glieder gab es gestern beim Flug nach Chicago zur Genüge! Nein, liebe Leserinnen und Leser, wir sind noch nicht beim Titelthema, sondern immer noch bei der Würdigung des heutigen Morgens.
Als Kapitän eines Flugzeugs, das fast ausschliesslich sehr lange geradeaus fliegt, bin ich es gewohnt, dass ich mich nach ausgedehntem Mittagessen ein paar Stunden aufs Ohr legen kann. Werden nur zwei Piloten geplant, fällt die Ruhepause in der Waagerechten aus offensichtlichen Gründen ins Wasser. Darum die müden Geister und die steifen Glieder, darum die Stretchingübungen und der Dauerlauf zum Tagesanbruch.



Danke für das Dabeibleiben. 

Nun zum eigentlichen Thema, zur Verführungskunst junger Frauen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich die grosse Verantwortung trage, für gut ein Duzend attraktive Damen verantwortlich zu sein, und diese sicher durch die Lüfte und die zahlreichen Fallen an den Destinationen zu führen.
Wenn Männer in meinem Alter sich mit so jungen Frauen abgeben, geraten sie nicht selten ins Fadenkreuz der Kritik. Von Berufswegen kann ich diesen Herausforderungen und Reizen nicht aus dem Weg gehen und muss mich den damit verbundenen Gefahren und Versuchungen stellen. Ob ich den Verführungen junger Frauen auch schon erlegen bin? Leider ja, meine lieben Leserinnen und Leser. Das letzte Mal am gestrigen Tag. Lassen sie mich das erklären.

Mit ihren kastanienbrauen Augen sah sie mich an. Ich wurde unruhig. Ihre Lippen waren neckisch gespitzt und ihre Gestik verwirrte mich. Mit den Fingern der rechten Hand fuhr sie sich über die Nase. Keine Ahnung was sie mit dieser Aktion bezweckte, aber sie hatte bei mir vollen Erfolg. Endlich brach sie das Schweigen und fragte unverblümt:
«Hast Du Lust?» 
«Ich darf nicht!»
«Ach komm, kleine Sünden zwischendurch versüssen das Alltagsleben!»
«Lieber nicht, das schlechte Gewissen plagt mich schon jetzt!»
«Ich sag es niemandem!»
«Das mindert mein schlechtes Gewissen in keiner Weise!»

Die kastanienbrauen Augen wurden noch kastanienbrauner und der Herr Kapitän unruhiger und unruhiger. Es lag eine explosive Spannung in der Luft.
Mit der Spitze ihrer Zunge fuhr Sie über ihre roten Lippen und bewirkte genau das, was sie damit bezweckte: Ich wurde schwach, ich brach ein.  Sie gab mir lustvoll, was ich eigentlich gar nicht wollte.

Mit dem Überschreiten der Grenze fielen meine Hemmungen. Lüstern fiel ich über das Schokoladeneis her, das in einem kunstvoll geformten Keks serviert wurde. Meine Zunge kämpfte gegen das langsam schmelzende Eis und der Gaumen jubilierte lustvoll. Die junge Kollegin lächelte zufrieden und mein weisses Uniformhemd schaute aus, als wäre es mit Schokolade durch ein Sieb geschossen bombardiert worden.
Wieder bewarheitete sich ein Tipp eines längst pensionierten Kapitäns: «Lasse dich von den jungen Dingern nicht verführen! Es bleiben immer Spuren zurück!»


Kommentare:

  1. Schön, wieder von Ihnen zu lesen. Nachdem es nach dem August 2014 m.W. mehr als ein Jahr nichts mehr zu lesen gab, habe ich zugegebenermaßen gar nicht mehr in die Newsfeeds geschaut. Ich las und lese die Pilotenblogs viel zu gerne und hoffe, Ihre Kollegen lassen sich von Ihrem guten Beispiel anstecken!

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  2. Es brauchte eine schöpferische Pause! Mal schauen, ob ich die Kollegen wieder zum Tippen motivieren kann. Danke für das Mitlesen!

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