Sonntag, August 06, 2017

Das Barbie Hotel


Eine für ihre schönen Häuser bekannte Hotelkette dient uns als Quartier an der kalifornischen Küste in der Nähe von Los Angeles. Standardisierte Zimmer, ein standardisiertes Gym, eine standardisierte Lobby und ein standardisiertes und hoteleigenes Starbucks. Man soll sich als Gast in deren Etablissements auf der ganzen Welt wohlfühlen und wohlfühlen definiert diese Hotelkette mit einen standardisierten Auftritt bis ins kleinste Detail.
In besagtem Hotel an der Küste gelegen, bringen Anlässe im benachbarten Convention-Center die sonst so pedantisch vorgelebte Corperate Identity regelmässig ins Wanken. Je nach Klientel passt das Haus ihr Outfit der Kundschaft an und überrascht damit Stammgäste wie mich regelmässig aufs Neue.

Dieses Wochenende sind Tänzerinnen zu Gast und das sorgt in dem sonst so durchgestylten Hotel für ziemlich viele Änderungen. Das Wort Tänzerinnen ist in Amerika negativ behaftet. Zumindest wir Männer denken bei dieser Berufsbezeichnung an durchaus attraktive Damen, die es vorziehen, ihre Dollarnoten unter einem Gummiband nahe am Schritt zu tragen. Die Convention im benachbarten Center dreht sich eher um die sehr jungen Anhängerinnen des klasischen Ballets oder des modernen Tanzes.

Die Mädchen sind mit dem weiblichen Elternteil angereist und sorgen dafür, dass die Frauenquote in unserem Nachtlager höher ist, als sich das die linken Politikerinnen in der Schweiz in den kühnsten Träumen vorstellen können. Die durchschnittliche Belegung eines Zimmer beträgt dieses Wochenende 150kg Mutter und zwei Mal 15 kg Tochter.

Während in den Hotelgängen wacker gekreischt wird, wurde die Lobby den veränderten Bedürfnissen angepasst. Dort wo sonst ein bequemes Sofa stand, verstellt eine Selfie-Stationen für das Füttern der Instagramm Accounts meinen Trampelpfad. Vor der grossen Leinwand mit dem Logo des Hotels stehen Schminktische mit all den Accesoires, die junge Mädels heute so brauchen, um die natürliche Schönheit hinter einer dicken Schicht Farbe zu verstecken. Der hoteleigene Starbucks verkauft statt Kaffee Zuckerwasser und am Pool wurde eine Grossleinwand aufgebaut, wo nonstop Musikvideos mit Typen gezeigt werden, die Arme haben, die wegen den Tatoos aussehen wie die Vorhänge in Grossmutters Stube. Der Geräuschpegel entpricht dem eines startenden A320 und im ganzen Hotel riecht es wie im Parterre vom Globus an der Bahnhofstrasse.

Ich sitze in der Lobby auf einem freien Stuhl und warte auf meine Kumpels aus dem Cockpit. Links und rechts zischen die Mädels an mir vorbei und tragen weniger Stoff am Körper, als mein Taschentuch Fläche hat. Um den Hals baumeln die Zulassungs-Batches und an den Füssen tragen sie Socken mit rutschfester Sohle. Als alter Mann habe ich das Gefühl, dass ich mich mit jedem Blick strafbar mache.

Etwas abseits des Getümmels hat die Organisation des Anlasses einen Typen mit Gitarre in eine Ecke gestellt. Er sieht aus wie James Blunt und klingt auch so. Nur in der Liederwahl hat er sich an einem anderen Grossen der Musikbranche orientiert. «No Woman no cry», trällert er durch die Lobby und ich liebe ihn dafür.

Kommentare:

  1. Herrliche Momentaufnahme, genial eingefangen, die Bilder vor dem inneren Auge sind kristallklar :-)

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  2. Wunderbar geschrieben - erinnert mich an ein paar ähnliche Erlebnisse in den USA...und bin gespannt, was mich dann in genau einer Woche in LA erwartet - jedenfalls freue ich mich auf den Flug mit der LX40

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