Donnerstag, Mai 18, 2017

Skybars, schnelle Beine und lange Nächte

«Politics is show business for the ugly people» – das habe ich neulich irgendwo gelesen. Politiker scheint es in dieser Skybar keine bis gar keine zu haben, von Politikerinnen ganz zu schweigen. Schöne Leute beherrschen die Szenerie und schöne Leute sind so schlecht ja nicht. Der jüngere Teil der weiblichen Crew wollte den Abend unbedingt in eben dieser Skybar beginnen und der alte Kapitän soll gefälligst auch mitkommen. Nicht dass ich ein hübscheres Gesicht hätte, als all die Hibster mit ihren Bärten, aber der Geldbeutel des Vierstreifers hat bei diesen Preisen eine gewisse Anziehungskraft.



Während die Jüngeren Selfies aus allen möglichen Positionen mit möglichst jedem beleuchteten Hochhaus im Hintergrund aufnehmen, betrachten wir Älteren die Frauen als Ganzes und fragen uns ernsthaft, warum diese stets ihr Gesicht ablichten, wenn der Rest doch genau so schön ist. Die Drinks sind weg, die jungen Damen bedanken sich höflich beim Herrn Kapitän und verschwinden so schnell wie der Schnee an der Engadiner Frühlinssonne. Man sieht sich.

Die Herren Piloten haben Blut geleckt und können von schönen Beinen nicht genug kriegen. Es ist Mittwochabend und im «Happy Valley» sind Pferderennen. Nicht so wie in Ascot mit Hüten und teuren Roben, nein eher wie in einem deutschen Fussballstadion. Biertheken gibt es zahlreiche und diese bieten Bölkstoff aus allen Kontinenten an. Wurststände verkaufen peinliche Kopien von Bratwürsten und Marktschreier versuchen in den Rennpausen allerlei Unnützes an Mann und Frau zu bringen. Das alles unter freiem Himmel bei Temperaturen um die 28°C. Mit einem Auge verfolgt der Mann die Pferde, die mit 60 Stundenkilometern über den Rasen laufen und das andere Auge versucht keine der weiblichen Kopien von «Penelope Cruz» zu verpassen.



Das macht Appetit und die Herren Piloten verschieben langsam nach «Lan Kwai Fong». Scharfes Curry und noch schärfere Vorspeisen bringen Unruhe in den Magen und die ersten Zeichen von Müdigkeit schleichen die Beine hoch. Zu Hause ist es erst 17 Uhr und wer jetzt schlafen geht, begeht einen grossen Fehler. Denn nach ein paar Stunden ist man automatisch wieder wach und das wäre suboptimal für das Schlafmanagement des ganzen Aufenthalts und des Heimflugs.
Gut, dann halt weiter an die «Staunton Street» im Soho. Nicht angeschrieben und hinter dicken Plüschvorhängen versteckt liegt unser nächstes Ziel. Wer es zum ersten Mal von aussen betrachtet ist sich sicher, dass sich hinter den rustikalen Vorhänden entweder eine Opiumhöhle oder ein Bordell versteckt. Weder noch! Dieser kleine und feine Club ist eine Cocktailbar, in der sich die Crewmitglieder der «Star Alliance» vor dem Gang in den Tanzclub gerne treffen. Mit zwei Crews aus der Schweiz und zwei Crews aus München ist das Lokal genau richtig ausgelastet und das Verhältnis alte Männer zu jungen Damen in einem aus meiner Sicht ausgewogenen Verhältnis. Als mich meine Damen erkennen, ertönt ein lautes Hallo und wird auch gleich wieder vom dicken Vorhang geschluckt. Man erinnere sich, nicht mein hübsches Gesicht lässt die Frauenherzen höher schlagen, sondern mein Geldbeutel.

Der Lufthansakapitän gesellt sich zu mir an die Bar, tut es mir gleich und bestellt für seine Mädels Gläser gefüllt mit farbigen, süssen und leicht alkoholisieren Getränken. Es wird mit den Damen geschäkert, mit dem Käpitän über die Unterschiede von A340 und B777 geredet und wieder geschäkert. Schweizerzeit 20 Uhr ist Zeit, dass die älteren Herren die Bühne verlassen und ins Hotelbett schlüpfen – alleine wohlverstanden. Die Star-Alliance-Damen wollen auf den Tanz und das ohne zitrigen Anhang.
Eine Stunde später döse ich ein und frage mich, was eigentlich alle so gut finden an Hong-Kong…

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