Freitag, Mai 05, 2017

Brotkrümel in Hong-Kong

Es ist gut, dass sich nicht alles im Schnellzugtempo ändert. Ein gewagter Satz, wenn man bedenkt, dass ich im Moment in einem belgischen Kaffee mitten in Hong-Kong sitze und dem energiegeladenen Treiben auf der Strasse zusehe.

Die computerisierte Einsatzplanung hat mich nach siebenjähriger Abwesenheit endlich wieder einmal nach Hong-Kong geplant – und das gleich zwei Mal hintereinander. Ich kenne diese Stadt sehr gut, vielleicht sogar besser als die kleinste Grossstadt der Welt, die nur zwölf S-Bahnminuten von meinem Wohnort in eben dieser Agglomeration liegt.

Nach sieben Jahren hat sich aus meiner Sicht nicht viel geändert. Das gleiche Hotel, das gleiche Design der Octopus-Karte, die gleichen U-Bahn Tarife, die gleichen Ausgehmeilen und die gleiche und damit unerträgliche Musik-Lautstärke in Lokalen wie das «dust till dawn» und anderen.
Ok, natürlich ist meine Meinung nach nur einem Tag Aufenthalt alles andere als aussagekräftig, aber wenn man etwas mit (sieben Jahren) Distanz betrachtet, ist das Bild nicht selten objektiver. Eine Kleinigkeit, die es in dieser Form vor sieben Jahren so nicht gegeben hat, ist diese europäische Oase zwischen der Hennessy und der Johnson Road, nahe unseres Hotels. Kopfsteinpflaster, schattenspendende Bäume, Kaffees mit Tischen unter dem in die Höhe gewachsenen Grünzeug und jede Menge Bäckereien aus aller Welt. Diese Bäckereien sind sehr gut und teuer – sauteuer. Aber die angebotenen Frischwaren inklusive Brot sind einzigartig. Neben einer belgischen, in der ich gerade kaffeeschlürfend unter Bäumen sitze, gibt es noch Teig- und Zuckermanufakturen aus Korea (ausgezeichnet), Japan (mmmmhhhhh) und – hört, hört – aus der Schweiz.

Dieser Schweizer Patisserie-Magier hat genau das im Angebot, was meinen Gaumen hibbelig macht. Schon beim ersten Bissen merkt man, dass kaum eine Beilage mit einer E-Nummer abgekürzt werden muss. Frisch, gut, unwiderstehlich! Auch Brot hat der Herr Dubois im Angebot. Das Kilo zu 150 HK$, was ungefähr 20 Schweizerfränkli entspricht. Wer bezahlt denn diese Preis für einen alltäglichen Artikel? Die Antwort it so einfach wie logisch: Brotliebhaber wie ich, die fest davon überzeugt sind, dass Anbieter von Fertigbackwaren, die sich Bäcker nennen, wegen Betrug ins Gefängnis gehören.
Vermutlich interessieren die Leser meine Vorlieben für Sauerteigbrot wenig, darum lasse ich das Thema ruhen. Auf geht’s in neue Abenteuer. Hongkong ruft und ich bin unternehmenslustig genug, mich mit allen anderen Unterhaltungshungrigen ins freitagabendliche Getümmel zu stürzen. Das geht in diesem Teil der Erde für einen wie mich, der in der Regel um 22 Uhr bereits tief schläft, wegen der Zeitverschiebung problemlos.
Bis zum nächsten Eintrag in ein paar Tage. Dann voraussichtlich wieder aus Hongkong, sofern sich der Einsatzcomputer nicht umbesinnt.

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