Dienstag, September 13, 2016

warum der B777 keinen Pilotentisch hat

Gerne wird von Airbus-Fahrern behauptet, dass B777-Piloten verwahrloste und stillose Wesen seien. Ursache für diese Behauptungen und Unterstellungen sind zum einen die fehlenden Pilotentische und zum anderen der akute Mangel an Abfalleimern im braun gehaltenen Cockpit aus amerikanischer Manufaktur.

In ausgesuchten IKEA-Filialen kann der Airbus-Tisch unter dem Produktnamen „Fällbord“ (schwedisch für Klappertisch) erworben werden. Man findet Ihn in der Kinderabteilung zwischen der Hüpfburg und dem Krämerladen mit Produktimitationen aus dem IKEA-Knäckebrot-Shop. Der Tisch eignet sich ausgezeichnet dafür, die speziell für den Kinderkrämershop konzipierten Tabletts abzustellen. Tabletts aus handelsüblicher Herstellung – zum Beispiel die aus dem Flugzeug, sind leider in ihren Abmessungen zu breit. Zwingend müssen diese der Länge nach auf die Abstellfläche gestellt werden. Wegen des leichten Nose-Up Pitch des Tisches, rutschen die Tabletts gerne nach hinten. Um Unfälle und schmutzige Uniformhemden zu vermeiden, muss das Tablar zwingen mit dem Bauch fixiert werden. Übergewichtige Piloten sind da im Vorteil. Schlankere Piloten müssen den elektrisch betriebenen Pilotensitz bis zum Anschlag der Kniescheiben nach vorne fahren, damit die essbare Ware auch bei leichten Turbulenzen im Porzelan bleibt.

Bei Boeing wurde das Problem – wie so oft bei diesem Flugzeug, pragmatisch gelöst. Der Tisch wurde einfach weggelassen. Die Vorteile liegen auf der Hand, beziehungsweise nicht auf dem weissen Uniformhemd. Selbst bei dem von der EASA gefordertem Upset-Recovery-Training (UPRT) kann der Pilot Monitoring (PM) problemlos weiter dinieren. Zweckmässiges und dosiertes Anheben des entsprechenden Beins belässt das Tablett selbst bei abenteuerlichen Rollwerten in der Waagrechten. Die Suppe schwappt nicht über und so quasi als kostenloser Nebeneffekt wird durch das Bewegen der Beine die Trombosegefahr signifikant gesenkt.

Der Abfalleimer

Links und rechts des Pilotensitzes finden Airbus-Fahrer jeweils ein blaues Blechgefäss, das in etwa zehn auf zehn Zentimeter misst und deren 40 cm tief ist. Gut gestopft reicht das Volumen ungefähr einen ganzen Langstreckenflug weit. Ähnlich wie bei einem normalen Haushalt, wandern allerlei verschiedene Sachen in den Eimer. Kaffeebecher mit Restmengen, verschnupfte Papierttaschentücher, Deckel von Fertigmahlzeiten an denen undefinierte Speisereste hängen, wieder Kaffeebecher mit Restmengen, Werbebeilagen der Regenbogenpresse, bedrucktes ACARS Papier, Reste von Obst, Joghurtbecher, wieder Kaffeebecher mit Restmenge, und vieles andere findet den Weg in den Blechzylinder. Geleert wird der Eimer in der Regeln nach dem Flug vom dienstjüngsten Copiloten, der angewiedert versucht, das verkeilte Allerlei voneinander zu lösen und zu entsorgen. Ungewaschen landet der Blechkübel wieder am vorgesehenen Ort und wartet auf die nächsten Kaffeebecher. Derweil gedeit unweit der Piloten ein Kosmos von unappetitlich kleinen und kleinsten Lebewesen, die man an dieser Stelle nicht detailliert beschreiben möchte.
Einmal mehr hat Boeing dieses nicht zu unterschätzende Hygieneproblem durch weglassen der entsprechenden Entsorgungsvorrichtungen gelöst. Kleine Wegwerftüten, fantasievoll verteilt, dienen den Boeingpiloten ihre Abfälle zu entsorgen.

Wie der Leser unschwer erkennt, sind Boeing Piloten in keinster Weise verwahrlost oder gar stillos. Sie kultivieren im Gegenteil die Einfachheit und fördern dadurch sowohl die Flugsicherheit, als auch die persönliche Gesundheit.

Wünsche allzeit gute Flüge.

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