Mittwoch, Juni 11, 2014

Trendsetter

Ein Bekannter von mir ist ein echter Trendsetter. Als er vor vier Jahren plötzlich mit einem Bart aus den Ferien zurückkehrte wusste ich, dass zwei Jahre darauf jeder Copilot und Steward mit ebensolchem herumstolzieren würde. Und genau so war es auch.

Was mir heute mehr Sorgen macht als fein gestutzte Gesichtsbehaarung in Männergesichtern, ist die Tatsache, dass mein Bekannter neuerdings mit dem Nachtzug in europäische Städte verreist und nicht mehr mit dem Flugzeug. Darauf angesprochen meinte er, dass das Fliegen heute so schlecht sei wie das Programm von RTL2. Bereits am Sicherheitscheck käme er sich vor wie ein Schwerverbrecher àAchtung Kontrolle! und das warten auf Anschlusspassagiere aus Nizza àdie Geissens ginge ihm sowieso auf den Sack. Wenn er die Qualität der servierten Nahrung betrachte, müssten mal Fachleute den Laden unter die Lupe nehmen àdie Kochprofis, denn wenn er die Mahlzeiten so betrachte, käme er sich vor wie ein halbprominenter Würmerfresser àdas Dschungelcamp.
Auch dass Firmen je länger, je mehr von fremden Vögten geführt würden àAusgewandert – Ausgesorgt; wie Deutsche im Ausland Karriere machen, störe sein sonst gut austariertes Gleichgewicht.
Da lobe er sich die ruhige Fahrt in Nachtzug nach Berlin, wo er die Reise so umfassend geniessen könne, wie ein Themenabend in Arte. Mit dem Imbiss, selber zusammengestellt im Globus Delikatessa und vorsichtig mit einem edlen Tropfen aus der Toskana abgestimmt, mache das holpern über die Schwellen viel mehr Spass, als die unzähligen Luftlöcher, die Minuten später unnötigerweise vom Flugkapitän kommentiert würden.

Jetzt mache ich mir wirklich Sorgen. Man stelle sich vor, dass das Nachtzug-Beispiel genau so Schule macht, wie der Bart Hype. Dann gute Nacht liebe Fliegerei!


Beruhigend ist allerdings die Tatsache, dass die Zuschauerzahlen bei RTL2 desto steiler steigen, je schlechter das Programm ist. Das gibt Hoffnung für den Patienten Luftfahrt!

Kommentare:

  1. Keine Sorge. Nachdem die Deutsche Bahn systematisch die Nachtzüge vernachlässigt und trotzdem verteuert, wird es nicht mehr lange dauern, bis die auch eingestellt werden (mit dem Autozug haben sie ja schon angefangen).

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  2. Nichts gegen Bahnfahren: Aber Fliegen hat Flair!

    Verreist man in europäische Städte, kann man sich weder im Flieger noch im Zug den Nachbarn aussuchen. Der Vorteil im Flieger ist, dass es weniger lange dauert, im negativen Fall;-)
    Dein Trendsetter hat was drauf, es gibt solche Menschen mit angeborener zeitgeistiger Voraussicht und Begabung, IMO.
    Durch den Generalverdachts-Schwerverbrecher Test & Scan muss man durch beim Einchecken, da hat er allerdings recht.
    Aber was die im Fluge servierte Nahrung betrifft, ich muss sie ja nicht zu mir nehmen, die 2-3 Stunden halte ich aus. Im Gegenteil, da bewahre ich mir den Appetit für die fremdländische regionale Küche am Ankunftsort, bestelle eine Paella, eine Quiche, einen Falafel;... nur was mache ich in London? Mal sehen, vielleicht ist die Englische Küche doch besser als ihr Ruf:-)
    Richi

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  3. Gut, dass ich meinen Bart schon seit 7,5 Jahren trage ;)

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  4. Achje, die Bahn (City Night Line) hat in den letzten beiden Jahren das Frühstück zwei Mal drastisch verkleinert bzw. hochwertige Zutaten gegen Esspapier getauscht. Dafür die Preise erhöht und erst jetzt im April die Speisewagen gestrichen. Als Abendessen gibt es jetzt eine Mikrowellensuppe serviert in der Dose oder ein Snickers. Naja, ich verlinke mal auf ein Nachtzugvideo von mir, da bekommt man einen guten Eindruck, was noch geboten wird.

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