Montag, Juni 02, 2014

Food poisoning

Vor, während und nach einem anstrengenden Arbeitstag gehört ein guter Bissen zwischen die Zähne einfach mit dazu. Das gibt Kraft, hilft dem Denkapparat die wenigen noch vorhandenen Zellen zu betreiben und sorgt nebenbei noch dafür, dass die Psyche Freudensprünge macht. Immer wieder wollen uns Lebensmittel-Gurus weismachen, dass dieses und jenes ungesund sei und natürlich auch noch dick mache. 

Die können mich alle mal!

Lebensmittel sind nun mal Mittel zum Leben und die soll man genauso zu sich nehmen, wie es einem schmeckt.
So zum Beispiel die herrlichen Felchenfilets aus dem Thunersee, serviert an einer dezenten Weissweinsauce, angerichtet auf einem Bett aus Reis und frischem Spinat. Gegessen haben wir dieses vermeintliche Gourmetmenue gestern auf einer Sonnenterrasse eines Fünfstern-Hotels am Thunersee, das sich dem Wellnesstrend verschrieben hat. Gerade mal 100 Minuten haben wir das 115 Franken teure Mahl in uns behalten, bevor wir es in regelmässigen Abständen in Flüssigportionen auf den Raststätten Münsingen, Grauholz, Gunsten Süd, Kölliken Süd und Würenlos von uns gaben und brav jedesmal einen Franken für saubere Toiletten spendeten. Am Fisch hat es vermutlich gelegen oder am Koch, das wiederum war mir gestern wortwörtlich Scheissegal.

FOOD POISONING nennt man das in der Aviatik und hat aus verständlichen Gründen einen negativen Einfluss auf Flugsicherheit und -komfort. Passagiere sollen sich schon beschwert haben, dass Crews die wenigen Toiletten auf dem Flugzeug für ihre persönlichsten aller Geschäfte zu oft in Anspruch genommen hätten.
Darum wird im Flugzeug so peinlichst Wert auf dekontaminiertes Essen gelegt, was darum auch so dekontaminiert schmeckt. Noch dekontaminierter als das Essen der Passagiere ist dies der Crews – und schmeckt, wie könnte es auch anders sein, nach nichts ausser alten Socken.
Gründe genug, dass ich meine eigenen Semmeln backe und diese mit Wurst ganz ohne Conchita belege. Interessanterweise bringt mir das seitens junger Kollegen sehr viel Anerkennung ein. Warum? Ganz einfach, die wissen gar nicht mehr, wie man ein Brot bäckt. Nehmen wir ein Maisbrot mit Rosinen bestückt. Etwas Weissmehl mit Maismehl mischen, Zucker, Salz und Frischhefe mit Wasser vermischen und fertig ist der Teig. Nach dem Aufgehen mit Rosinen beladen und ab in das Ofenrohr.
Das dies so einfach ist, lässt sich an den Beipackzetteln der dekontaminierten Produkte nicht erkennen. Als ich letzten Samstag ein vermeintliches Maisbrot aus helvetischer Manufaktur in den Händen hielt, verschlug es mir beim Studium des Beipackzettels den Atem und den Appetit.
Da wollte mich doch tatsächlich einer vergiften!




Kunststück wissen die Jungen nicht mehr, wie man ein anständiges Brot herstellt…

Kommentare:

  1. Schauderhaft, diese Zutatenliste!
    Da lobe ich mir mein selbstgebackenes Brot. Es sieht vielleicht nicht immer so chic aus wie das vom Industriebäcker, dafür bin ich über sein Innenleben lückenlos informiert. Und dieses Innenleben ist um einiges übersichtlicher als auf der obigen Liste...

    AntwortenLöschen
  2. Dekontaminiert:-)
    Wasn' Wort; haste auch die Conchita fein verwurstet, so nebenbei, in deinem vorzüglichen Artikel hier;-)

    Mit kontaminierten Grüssen
    E 471
    äh..
    Richi

    AntwortenLöschen
  3. Eindrücklich, und die vielen Zucker dies da drinn hat: Zucker, Dextrose, Maltodextrin, Milchzucker und Traubenzucker. Die wollen dich nicht nur vergiften, die jubeln dir klammheimlich einen Diabetes unter.

    Da backt man doch lieber sein eigenes Brot, ganz fein auch immer mit Nüssen :-)
    desinfizierte Mediziner-Grüsse an die Flieger-Backstube

    AntwortenLöschen
  4. "Kann Spuren von Soja, Nüssen, versteckten Drohungen und hinterlistigen Vertragspassagen enthalten. Enthält den Farbstoff GAV14+" müsste noch ergänzt werden.

    G

    AntwortenLöschen