Montag, Juni 16, 2014

Durch Bücher rasen


Nicht fliegen heisst lesen! Nach einem langen Marsch mit dem Hund durch den Bergfrühling oder einem schnellen Lauf durch die endlich schneefreien Wälder die Beine strecken und ein Buch zur Hand nehmen – was gibt es schöneres?
Wenn dann noch der Fernseher fehlt, Fussball nicht die Emotionen bestimmt und keine hupenden Automassen durch die Strassen stauen, ist das Glück perfekt.

Dank meines Teilzeitvertrags geniesse ich noch ein paar weitere Tage im Tal der Täler und werde auf die bereits verschlungenen 4047 gelesenen Seiten noch ein paar folgen lassen.
Warum ich die Seitenzahl so genau kenne? Klar, ich lese eBooks. Nicht dass ich Bücher nicht mag – im Gegenteil, aber ich hasse die Schlepperei und das Stöbern in Bibliotheken. Lieber lade ich ein paar Probebücher herunter und kaufe diejenigen, die mir am meisten zusagen.

Wie bereits gesagt, bin ich aber mehr an der frischen Luft, als im kleinen Zimmer mit Blick auf den Silvaplanersee. Beim Joggen durch den Wald trage ich neuerdings so eine schicke Uhr am Handgelenk, die alles aufzeichnet. Davor trug ich mein Smartphone in einer Ecke der Laufhose, was mir mit der Zeit zu schwer wurde. Nach dem Lauf weiss ich alles, was ich vorher nicht wusste. Trittfrequenz, Wetter, Wind, Höhenkurven, Geschwindigkeiten, Erholungszeiten, Puls, Pausen, Einbrüche...
Ist das wichtig? Nein, sicher nicht! Der Spass am Sport ist das Ziel aber wenn ich ehrlich bin, schaue ich nach dem Duschen als erstes auf die Fitnessseite, um meine digitalen Lorbeeren zu ernten.

Wenn ich jetzt noch jeden Tag mein Gewicht eingebe, sehe ich auf einen Blick, wie das Gewicht mit den abgespulten Kilometern korreliert, falls ich die Ernährung, die selbstverständlich auf einer anderen App notiert wurde, nicht aus dem Ruder läuft.

Jetzt spinnt er der Blogger, werden viele von Euch sagen und recht habt ihr. Doch lasst Euch gesagt haben, dass ich selbstverständlich nicht alle meine Regungen logge und weit davon entfernt bin, mein Sexualleben einer App anzuvertrauen. Da ich aber in einem Beruf tätig bin, wo alles peinlichst genau notiert und jede Millisekunde der Arbeit überwacht wird, bin ich vermutlich bereits etwas abgestumpft gegen überbordendes Datensammeln.

Ja warum schreibe ich denn solch einen Beitrag? Weil ich durch ein Buch gerast bin, das mich fasziniert hat. Wenn Fiktion und Realität sich vermischt und ich als Leser nicht weiss, wo die Grenzen sind, dann hat der Autor meinen Geschmack voll getroffen.


ZERO von Marc Elsberg heisst dieses Buch und es entführt den Leser – wer weiss – vielleicht in die Gegenwart, die er noch nicht kennt.

Eine Rezension des Buchs findet ihr HIER.

Ist das futuristisch? Ich weiss es nicht, schliesslich gehöre ich bereits zur digitalen Seniorenclique.
Was mich aber gleichermassen zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht hat, ist folgendes Gadget, das bereits in den USA vorbestellt werden kann:


Vermutlich muss ich beim nächsten Medical Check den Mittelstrahl in genau so einem Becher abliefern…