Samstag, Mai 24, 2014

Rundschau 2/14

Es knistert und rumort im Gebälk einer grossen Schweizer Airline und dies wirbelt traditionell viel Staub auf. Das wird – so darf man vermuten, auch morgen wieder in den Sonntagszeitungen breitgeschlagen. Da empfehle ich ein Magazin, dass vierteljährlich erscheint, nichts kostet, umso wertvoller ist und versucht, Leser zu informieren, statt zu manipulieren. 




Die neue Ausgabe der «Rundschau» ist gratis unter http://www.aeropers.ch/index.php/der-verband/rundschau/aktuelle-ausgabe erhältlich.

Zum Inhalt:

Presidents Voice
Die Auslagerung der B-777 zu billigeren Bedingungen und
das Anheuern von Direct-Entry-Piloten wird erhebliche Konse- quenzen haben, meint Vizepräsident Kilian Kraus. Der Graben zwischen deutscher Tarifpartnerschaft und schweizerischer Sozialpartnerschaft scheint sichtbar zu werden. In der Schweiz sind Mitarbeiter aber daran interessiert, kooperativ Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten tragbar sein müssen.

Direct Entries – die Büchse der Pandora
Harry Hohmeister scheint mit der IPG über Direct Entry Captains zu verhandeln. Damit versucht er, so unabhängig wie möglich von der AEROPERS zu sein. Direct Entry Captains sind aber sowohl für die Sicherheit als auch für die Piloten nur von Nachteil.

Alle verdienen Geld, ausser den Airlines
Bei dem allseits spürbaren Spardruck erhält man schnell den Eindruck einer bedrohten Aviatik-Industrie. Doch bei einer genaueren Betrachtung stellt man fest, dass die Mar- gen bei unseren Zulieferern und Dienstleistern weit besser sind als bei uns. Wo bleibt unser Stück vom Kuchen?

Zappen zwischen Hirnkanälen
Der Computer ist Spitze, wenn es darum geht, verschiede- ne Dinge gleichzeitig zu erledigen – also «Multitasking» zu betreiben. Bei der Frage, wie das menschliche Multitasking im Vergleich zum Computer abschneidet, sind Psycholo- gen und Hirnforscher eher skeptisch.

Neues Jahr – neue Vulkanasche
Ein Prototyp des «Airborne Volcanic Object Identifier and Detector», kurz AVOID, wurde erstmals in einem aufwändi- gen Versuch erfolgreich live getestet. Auch wenn es noch ein weiter Weg bis zur Serienreife des Sensors ist, sind die Anwendungsmöglichkeiten, gepaart mit Daten spezialisier- ter Satelliten, vielversprechend.

70 Jahre AEROPERS! Wenn einer 70 wird, dann muss das gefeiert werden. Erst recht, wenn es sich um den grössten Pilotenverband der Schweiz handelt!

Verabschiedung Markus Grob Markus Grob ist Ende April von seinem Amt als AEROPERS- Präsident zurückgetreten. Eine Verabschiedung mit 600 Worten für einen fünfjährigen Einsatz im Dienste unseres Pilotenverbands.

Happy Birthday, «Rundschau»! Seit 60 Jahren berichtet die «Rundschau» über aviatische Themen. Ein kurzer Blick in die erste Ausgabe, die mit «Januar 1954» datiert ist, bringt Überraschendes zutage.

«Go-ahead» – Reduced Runway Separation
Der Einblick in ein Verfahren, das es den Lotsen manchmal erlaubt, gleichzeitig zwei Flugzeuge auf derselben Piste zu haben.Pilots & Controllers «GET TOGETHER»

Wer im Mittelpunkt steht, ist im Weg
Die Kriegsrhetorik ist zurück, die Kanonen werden in Stellung gebracht. Doch warum dieses Säbelrasseln? Ein Erklärungsversuch eines Beteiligten, der leicht verwirrt dem Tohuwabohu zuschaut.

Was macht eigentlich ... Jonathan Höhn?
Jonathan Höhn ist ein lebensfroher Lockenkopf, den Pro- jekte erst dann interessieren, wenn andere das Handtuch werfen. Die «Rundschau» liess sich die Gelegenheit nicht nehmen, den Macher und Geniesser im Malcantone zu besuchen.

IFALPA-Konferenz 2014 in Panama
Panama lockt Reedereien aus der ganzen Welt damit an, ihre Schiffe dort unkompliziert und bei tiefen Steuern regis- trieren zu lassen. Solche globalen Trends gibt es auch in
der Fliegerei – sei es beim Registrieren der Jets oder beim Einsatz von Leihpiloten. Die IFALPA nimmt dies mit Sorge zu Kenntnis und fordert Anpassungen.

Gedanken eines Fliegenden
Die Gebrüder Grimm haben eines ihrer populären Märchen an die neue aviatische Realität angepasst.


Ich wünsche allen Interessierten viel Lesespass!

Mittwoch, Mai 21, 2014

ein graues Haar



Morgen jährt sich der Tag zum 48. Mal, als kurz vor Mitternacht eine Krankenschwester ein schweres Baby in ein Mehrbettzimmer des Bethanien Krankenhauses in Zürich brachte und der erschöpften Mutter in die Arme legte.
Peter, der laut Geburtsurkunde um 22:22 Uhr das Licht des Gebärsaals erblickte, darf sich morgen freuen, dass er noch nicht 50 Jahre alt ist.
Gefeiert wird altersgerecht im kleinen Kreis mit feinem Rebensaft, gutem Essen, köstlichem Dessert und viel Gelächter.
Mit 48 Jahren freut man sich an kleinen Sachen, da werden Geschenke unwichtig. Mal ehrlich, was haben wir noch nicht, was wir wirklich brauchen?

Mein Arbeitgeber, der seit gut 12 Jahren besteht und sich genauso aufführt, wie das Pubertierende halt so tun, hat mich heute echt überrascht.
Da flatterte kurz vor meinem Geburtstag ein Flyer ins elektronische Postfach, der mich in Festlaune bringen soll. Zum unschlagbaren Mitarbeiterpreis könnte ich, sofern ich denn möchte, eine Nacht nach Ibiza fliegen und Party feiern.

Höhepunkt der Nacht auf der spanischen Insel ist die Sause mit dem Namen – ich zitiere: 

„F*** ME, I’M FAMOUS PARTY“. 

Ohalätz!

Gut, wie soll ich damit umgehen? Ich könnte es positiv sehen und daraus schliessen, dass man meine sexuelle Ausdauer noch so einschätzt, dass ich während einer Freinacht noch das nötige Stehvermögen hätte – oder, dass man mich als prominent einschätzt – oder, dass … – ach ich weiss nicht.

Vermutlich bin ich nur auf der Mailingliste gelandet, weil sie einen zuverlässigen alten Mann suchen, der mit einem klapprigen VW-Bus die „F*** ME, I’M FAMOUS PARTY“-Teilnehmer von einer Orgie zur anderen fährt...


So bleibe ich dann zu Hause, erfreue mich an grauen Haaren und schaue mitleidig gegen den Himmel, wenn die „F*** ME, I’M FAMOUS PARTY“-Teilnehmer über meinem Haus eindrehen, sich auf den Abend freuen und dann erfahren müssen, dass prominent sein gar kein Schleck ist… 

Sonntag, Mai 18, 2014

Distanz


Auszeiten und Ferien sind ausgezeichnete Gelegenheiten, sich vom täglichen Trott zu distanzieren. Die Distanz sei die Mutter der Erkenntnis, sagt der deutsche Hochschulprofessor Michel Marie Jung treffend. Doch gelingt es immer Distanz aufzubauen? Ein deutliches Nein scheint die richtige Antwort auf diese Frage zu sein. Dauerbombardements von e-Mails sind schwerlich abzuwehren und deren Inhalt ist definitionsgemäss nicht immer förderlich für die Stimmung fernab des Arbeitsplatzes.

Distanz ist gerade im Berufsleben von enormer Wichtigkeit. Distanz erlaubt dem Betrachter, Dinge aus Entfernung zu sehen und ein Blick auf das Ganze zu erhaschen. So erscheinen sonst so dominate Baustellen als kleine Störfelder eines Systems, das sonst fast einwandfrei funktioniert.

Doch was, wenn der Blick aus der Distanz Erschreckendes zu Tage führt? Was, wenn man ausserhalb des eigenen Gartens Schockierendes erblickt? Dann verliert die Distanz ihre Unschuldigkeit und löst beim Betrachter Unbehagen, Wut und schlaflose Nächte aus.

Diese erschreckenden Tatsachen können verschiedener Natur sein. Vielleicht kann man als Individuum dagegen ankämpfen oder die Wirkungen dämpfen. Vielleicht muss man aber auch hilflos zusehen. 

Eines scheint aber sicher, diese Störgrössen kosten die Betrachter enorm viel Energie. Vielleicht wurde das ja bezweckt. Vielleicht wollte der Verantwortliche Unruhe sähen, um damit Prozesse in Gang zu bringen. Vielleicht stehen Interessen hinter den Unruheherden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Antworten darauf zu finden, sind die Aufgaben aller Beteiligten.

Dabei sind Regungen wie Wut, Hass, Enttäuschung, Unverständnis und Abneigung normal und jeder Betroffene muss damit umgehen können. In der Arbeitswelt gibt es durchaus Bereiche, in denen Wut, Hass, Enttäuschung, Unverständnis und Abneigung keinen Platz haben, in gewisser Weise sogar verboten sind. Wer mental und körperlich nicht fit ist, darf seine Arbeit nicht ausführen, heisst es in einem Gesetzestext, der zu einer Verordnung gehört, der die Arbeit eines sicherheitsrelevanten Berufs regelt.

Wenn Führungspersonen absichtlich Unruhe streuen und damit Wut, Hass, Enttäuschung, Unverständnis und Abneigung sähen, dann kann dies in gewissen Branchen zu Problemen führen, wie sie niemand herbeiwünscht.

Führungspersonen die so handeln, wünscht man Distanz. Mitarbeiter, die so unter Druck gestellt werden, wünscht man Ausdauer, Hartnäckigkeit und Bereitschaft, den Unruhestiftern die Stirn zu bieten.