Mittwoch, April 30, 2014

von Menschen und Mäusen

Keine Angst, ich mache an dieser Stelle keine Rezension von John Steinbecks Bestseller, sondern schreibe wie immer über die Fliegerei.
Denn das passt prima zum gewählten Titel, schliesslich geht es in der Fliegerei erster Stelle um Mäuse und danach um Menschen.

Gut, diese Reihenfolge entspricht nicht der, die meiner persönlichen Werteskala entspricht, aber bestimmt der unserer Rennleitung. Darum ist es offiziell und darum ist es auch akzeptiert.
Doch Menschen sind doch viel interessanter. Die vielen Mäuse, die wir im Fluggeschäft entgegen allen Klageliedern immer noch verdienen, überlassen wir doch lieber den Buchhaltern. «Mann muss Menschen mögen», das die vier berühmten «M’s» von alt Bundesrat Ogis Führungsmotto, das so einfach ist wie genial. Denn Menschen überraschen einen immer wieder von Neuem und falls das einst nicht mehr interessiert, was soll man denn noch auf dieser verrückten Welt?
Und mit Menschen haben wir täglich zu tun. Auf der Kurzstrecke im Extremfall jeden Tag mit 800 verschiedenen Exemplaren der Gattung Homo Sapiens.

So diese Woche zum Beispiel in Rom. Fast 200 Passagiere wurden erwartet und um die einsteigen zu lassen, benötigt man in der Regel gegen 25 Minuten. Doch Menschen lassen sich nicht in Schemata pressen und so war es auch diesmal. Diplomatisch ausgedrückt war das Durchschnittsalter unserer Gäste leicht erhöht und die persönlichen Gebrechen zahlreicher, als die des üblichen Passagiers. Ach ja, da war doch was... Richtig, die Heiligsprechung zweier Päpste! So betraten die Gläubigen unsere Luftschiff, als wäre es ein Beichtstuhl, und falteten die Hände zur stillen Andacht, als sie den leibhaftigen Piloten erblickten. Da man ein Kirchenschiff langsam um respektvoll betretet, wurde das bei unserem Luftschiff genauso gelebt und ohne Widerrede auch praktiziert.

Da es aber in der Fliegerei nicht nur um Menschen geht, sondern vor allem um Mäuse, musste ich die Passagiere – entgegen der Gepflogenheiten sonstiger heiligen Stätten – richtiggehend ins Flugzeug treiben. Vermutlich wäre das Boarding mit Muslimen einfacher gewesen, die lernen das disziplinierte Laufen während dem Haddsch in Mekka.

Matthäus den Letzten erwischten wir den Slot und richteten die Nase unseres A321 gegen den Himmel. Die Menschen im Flugzeug waren zufrieden ob der Tatsache, dass wir pünktlich landen und sie den Flieger Richtung Warschau mit Sicherheit erwischen werden.

Um Menschen geht es auch Morgen am 1. Mai. Menschen werden friedlich Protestieren oder auch wie leider so üblich, fremdes Gut zerstören und so die Zeitungen vom 2. Mai füllen. Und was macht eigentlich ein Pilot am 1. Mai? Richtig, er arbeitet. Besser, er sollte arbeiten. Ich mache Morgen Blau! Statt am Tag der Arbeit zu arbeiten um 04:30 Uhr auf den Wecker zu hauen, Strecke ich die Glieder im Bett und beziehe zwei unbezahlte Urlaubstage.


Ich werde die INTERNATIONALE Pilotenhymne hören, von Achtstundentagen träumen und den Flugzeugen über den Dächern des Limmattals nachschauen. Die Mäuse können mich mal, ich freue mich auf meine liebgewonnenen Menschen.

Kommentare:

  1. Dem grassierenden Zynismus etwas entgegensetzen:
    "Man muss Menschen mögen."

    Wo der Dölf Ogi recht hat, hat er recht.
    Richi

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  2. Wenn man als Pilot von Reisenden gesehen wird und dann alle beten würde ich mir mal um etwas anderes Gedanken machen. ;)

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