Dienstag, April 01, 2014

Rückblende Teil 1

Es war der 1. Dezember 1993, als ein junger Copilot viel zu früh und viel zu nervös das Operation Center in Kloten betrat und sich am Crew Control bei Frau Mosimann zum Dienst meldete. Mein Name wurde auf der Liste gestrichen und die erste der vielen Hürden an diesem langen Tag war gemeistert.

 die MD-81 über den Alpen

Meinen Kapitän kannte ich bereits bestens. Verbrachten wir doch fünf wunderschöne Tage zusammen in Malta, wo ich mit ihm als Fluglehrer 46 (!) Landungen absolvieren durfte. Flugtraining war damals nicht nur knüppelharte Arbeit, sondern auch durchaus ein kultureller Ausflug auf eine wundervolle Insel, die entweder im Mietauto erkundet oder am Hilton-Pool entdeckt werden konnte. Geld war damals noch vorhanden, die aviatische Welt noch in Ordnung.

Zürich – Paris- Zürich – Budapest stand auf meinem Einsatzplan und bereits die erste Teilstrecke versprach einiges an Überraschungen. Dicker Nebel versperrte die Sicht und an eine Landung des Copiloten-Küken durfte nicht einmal in den kühnsten Träumen gedacht werden. So erlebte ich als blutjunges Fliegerass zum ersten Mal in meinem Leben eine automatische Landung, von der ich vermutlich nicht viel mitgekriegt habe. Die französischen Fluglotsen mit ihrem mühsamen Dialekt gaben mit unendlich viele «ÄDINGS», verlangten Unverständliches von mir und genossen es sichtlich, den Jungflieger zu verunsichern. Nach der Landung, dem Debriefing und der Checklistenarbeit blieb noch Zeit, im Terminal einen geniessbaren Kaffee zu trinken.

Entspannter Copilot beim Kaffee in CDG an einem nebelfreien Tag

Heimwärts war alles bedeutend einfacher und nach 46 Sichtanflügen in Malta konnte ich zum ersten Mal eine ILS herunterrutschen und mich von den schwierigen Windverhältnissen in Zürich herumschütteln lassen. Ein kurzes Rütteln und die MD-81 war wieder auf ihrem Heimatflughafen angekommen. Ich notierte mir meine 205te Flugstunde ins Logbuch und freute mich auf die erste Pause meines Fliegerlebens. Damals waren Flugzeugwechsel noch verpönt und die Unterbrüche zwischen zwei Teilstrecken doppelt so lang wie heute. So durften wir die HB-INC behalten und ich arbeitete mich artig durch die 64 Punkte der Cockpit Präparation durch. Danach gab es noch etwas Leckeres zu essen, einen Schwatz mit den Kolleginnen und einen Kaffee, der schon 1993 diesen Namen nicht verdiente.

Aufgeräumt ist anders – der Uhrenladen der MD-81

Das dritte und letzte Teilstück an diesem Tag führte uns nach Budapest. Damals noch hinter dem eisenen Vorhand, dafür mit sehr viel Charme und einem noch viel besseren Crewhotel. Im Hilton Budapest pflegten wir zu nächtigen und dies nicht etwa in einem normalen Zimmer, sondern in einer zweistöckigen Suite mit Blick auf die Donau. «Wenn die Swissair die Kohle so aus dem Fenster wirft, dann muss ich mir bald einen neuen Job suchen», dachte ich spasseshalber. Dass ich ganze neun Jahre später Recht behalten sollte, wäre nicht notwendig gewesen.

Auch den Ausdruck «Minimum Layover» kannte man damals noch nicht. Kurz nach Mittag bezogen wir unsere Suiten und mussten diese erst so gegen sechs Uhr in der Früh wieder verlassen. Genügend Zeit, ein paar Kopeken im Casino zu verjubeln, eine kleine Stadtrundfahrt zu machen und die gemütlichen Kellerlokale in der Altstadt zu besuchen. Ich sei am nächsten Tag vom Flugbetrieb dispensiert, so der Fluglehrer, schliesslich soll man seinen ersten Nightstop der Karriere geniessen können. Gesagt, getan...


Fortsetzung folgt.

Kommentare:

  1. Bitte übernimm Dich nicht - nach beinahe drei Monaten Abstinenz brauchen wir nicht die volle Ladung auf einmal :-)
    Schöne Zeiten auch als Passagier, wenn ich mich richtig erinnere gabs damals in der MD81 eine First class mit 1+1 Bestuhlung, eine richtige Business und auch in der Eco auf den kürzesten Flügen ein Essen dass den Namen verdient hatte.

    AntwortenLöschen
  2. Eigentlich lese ich die Blogs vom fliegenden Personal sehr gerne ... aber diese Serie hier..... HAMMA! Ich freue mich schon auf den nächsten Teil - und bitte nicht erst in drei Monaten :D :D :D

    AntwortenLöschen
  3. Die gute alte Zeit, in der wir noch "hartes" Geld verdient haben statt irgendwelcher butterweicher Euro´s :-)

    Ja, manchmal hätt ich die auch gerne wieder.

    AntwortenLöschen
  4. ...also der sharp-looking young guy, rechts im Bild, scheint gerade eine seiner spitzen Pointen angebracht zu haben...die Lady links nimmt's mit Humor, wie man sieht:-)
    Richi

    AntwortenLöschen
  5. Wie ich mich auf meinen ersten Tag freue, Anfang August sollte auch ich mich dann im OPS zu meinem ersten Dienst melden dürfen. Schön, dass ein solcher Tag ewig in Erinnerung bleibt. Bis dahin heisst es wohl noch etwas OMA, OMB etc zu wälzen :-) bis bald auf der Strecke

    AntwortenLöschen
  6. Ja, das erste Mal. Es bleibt einem ewig in Erinnerung. Was schief gelaufen ist, was gerade so knapp durchging und was man schlichtweg gar nicht mitbekommen hat. Stoff für Geschichten an langen gemütlichen Sommerabenden.
    M

    AntwortenLöschen