Freitag, April 18, 2014

die Tücken der Pünktlichkeit


Mitunter bleibt es sogar den innersten Insidern verborgen, wie viele Rädchen im Flugbetrieb am rotieren sind, damit «Sack und Pack» pünktlich am Ort der Begierde ankommen.
Doch was ist überhaupt pünktlich? Dies zu beantworten ist gar nicht so einfach!
In der Fliegerei rechnen wir mit jeder Minute. Bei Bodenzeiten von zeitweise nur 30 Minuten, tun wir das auch im eigenen Interesse. Da ist die «akademische Viertelstunde», die sich bei einzelnen Individuen (oder Berufsgruppen) eingebürgert hat und auch einmal zur Stunde anwächst, nicht gefragt.

Darum wird optimiert, angepeitscht, angetrieben und noch einmal optimiert. Das schwächste Glied im System ist auch unser liebstes: der Passagier.
Er bummelt vom «Duty free» zum Gate, muss dreimal die Sicherheitsschleuse passieren, weil da und dort noch eine Münze in der Hosentasche steckt und schleppt wie ein Lastenesel Handgepäck herum, das im engen Flugzeug kaum Platz findet und mühsam verstaut werden muss.
In diesen bereits erwähnten 30 Minuten müssen über 150 Passagiere ausgeladen, das Flugzeug geputzt und wieder über 150 Passagiere eingeladen werden. Es darf dabei nicht unerwähnt bleiben, dass während die Passagierströme in oder aus dem Flugzeug schlendern, dieses an den meisten Flughäfen nicht betankt werden darf.



Der zweite grosse Feind der Pünktlichkeit sind die Luftverkehrsgesellschaften selber. Wachsender Flugverkehr bringt die Flughäfen bis an der Rand ihrer Kapazitätsgrenzen und oft auch darüber hinaus. Damit dies nicht gänzlich zum ökologischen und ökonomischen Wahnsinn wird, werden die Flugzeuge am Startflughafen am Boden gehalten und der ganze Luftverkehr mit sogenannten Slots gesteuert. Jeder Flugzeug erhält ein von Brüssel zugeteiltes Abflugfenster von 15 Minuten, das genauestens eingehalten werden muss. Verpasst man dieses, muss ein neues angefordert werden, was nicht selten eine Ewigkeit später beginnt.
Da ist Organisation gefordert, die nicht selten auch mit diplomatischem Geisselklopfen beim Passagierboarding endet. «Zulaufen, vorwärts machen, Schnauze halten, absitzen!», das Worte, die jeder Kapitän gerne mehrmals am Tag über die Lippen bringen würde, aus Höflichkeit und Respekt aber unterlässt.

Der dritte Feind der Pünktlichkeit ist das Wetter. Oft hält es uns zum Narren, verunmöglicht einen optimalen Betrieb des Flughafens und führt zu dem, was niemand will: Stau am Himmel. So geschehen auch in den letzten Tagen in Zürich, wo der Nordwind die Pistenkonzepte durcheinander brachte. Von Madrid her kommend mussten wir bereits über dem Genfersee auf die tiefst mögliche Geschwindigkeit reduzieren und über den wunderschönen Aargau gab es Geografieunterricht der besonderen Art. Wir drehten zwei Runden à sechs Minuten und verbrannten über 500 Kilogramm Treibstoff. Gut liefen alle Rädchen in Madrid am Optimum und wir konnten innerhalb der ersten Minute unseres Zeitfensters in die Luft. Statt wie geplant um 12:20 Uhr, standen wir um 12:22 Uhr an unserer Parkposition B33 und waren ob der Leistung und Zusammenarbeit aller Rädchen stolz.


Beim Aussteigen wurde diese selbstverständlich von keinem Gast gewürdigt, doch das haben wir auch nicht erwartet. Dass aber einer drei Mal provokativ auf die Uhr schaute, als er den Ausgang erreichte, liess meine Gedanken um ein ganz bestimmtes Kraftwort kreisen, das ich an dieser Stelle selbstverständlich nicht erwähne.

Weil mir diplomatische Worte in solchen Situationen fehlen, halte ich meine Schnauze und versuche das Individuum zu ignorieren. Doch wer weiss, vielleicht hat die Leserschaft eine gute Idee, was ich solchen Knalltüten das nächste Mal sagen könnte...

Kommentare:

  1. "Der Herr verzeiht, könnten Sie mir sagen wie spät es ist?"

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  2. Vielleicht hast du die Situation falsch eingeschätzt?

    Sicher hat der Passagier fest damit gerechnet, viel zu spät zu landen (Fluglinien sind ja immer zu spät :-)) und versucht jetzt verwundert rauszufinden, wie er die jetzt unverhofft geschenkte Zeit totschlagen kann? ;-)

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  3. Mit leicht versonnenem Gesichtsausdruck liesse sich antworten:

    "Wo Sie mich darauf hinweisen: Sie haben ja recht! Denn die Zeit äussert sich, ihrer jeweiligen Manifestationsmöglichkeit und der jeweiligen Bewusststeinsstruktur entsprechend unter den verschiedensten Aspekten als: Uhrenzeit, Naturzeit, kosmische Zeit oder Sternenzeit; als biologische Dauer, Rhythmus, Metrik, als Mutation, Diskontinuität, Relativität; als vitale Dynamik, plsychische Energie (und demzufolge in einem gewissen Sinne als das, was wir "Seele" und "Unbewusstes" nennen), mentales Teilen, sie äussert sich als Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; als das Schöpferische, als Einbildungskraft, als Arbeit, ja selbst als Motorik. Nicht zuletzt aber muss, nach den vitalen, psychischen, biologischen, kosmischen, rationalen, kreativen, soziologischen und technischen Aspekten der Zeit auch ihres physikalisch-geometrischen Aspektes gedacht sein, der die Bezeichnung "vierte Dimension" trägt...
    Richi

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  4. Ach wo Sie gerade so auf Ihre Uhr schauen - wieviel Uhr ist es gerade ?

    :)

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