Donnerstag, März 20, 2014

wake up call

... der Winter im Engadin war traumhaft!


Der «wake up call», wie der Weckruf unter uns Aviatikern heisst, kommt regelmässig in bissigen, höflichen oder auch bestimmten Wortmeldungen. Am charmantesten und hartnäckigsten macht dies zweifellos das TWRMädel, aber auch die anderen Kommentare und Bemerkungen führen dazu, dass ich wieder einmal zu den Tasten greife.
Ohne mein Wissen, hat die Besucherzahl meines Blogs die Millionenmarke geknackt. Hoppla, würde mir das bei meinem Bankkonto passieren, hätte ich das schneller realisiert. Doch seit beruhigt, der Flugschreiber ist in der Vergangenheit nicht weniger geflogen und hat viel geschrieben. Wenn auch nicht an dieser Stelle, aber dafür in Magazinen und auf Qualifikationsformularen.
Qualifikationen darum, weil ich seit rund einem Jahr als Fluglehrer auf der A320-Familie tätig bin und jungen Talenten das Fliegen, Landen und die Organisation des Arbeitsplatzes beibringe. Eine Aufgabe mit grossem Zufriedenheitspotential! Landetrainings an einem wenig frequentierten Flughafen innerhalb Europa gehören genauso dazu, wie das Erstellen und Ausführen von Simulatorsessions für angehende Kapitäne.
Die fordert und befriedigt mich gleich doppelt. Zum einen arbeite ich sehr gerne mit Menschen und bringe diese (hoffentlich) mit meiner Erfahrung näher an ihr Ziel und zum anderen bin ich als Check-Pilot auch im Simulator gefordert.
Stellt man eine Simulatorsession zusammen muss man sich ganz genau im Klaren sein, was mit den gedrückten Knöpfen und den dazugehörigen Fehlern ausgelöst wird. Denn selbst für technische Cracks sind die Zusammenhänge bei Doppel- und Dreifachfehlern nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Doch es ist gar nicht notwendig, bei den schwierigen Übungen stets an die Grenze zu gehen. Bereits mit kleinen Fehlern und Ablenkungen beobachtet der Instruktor sehr gut, wie ein Kandidat sich organisiert und wie er tickt.
Doch nicht nur der Simulator bereichert den Arbeitsalltag des Instruktor, sondern auch die Streckentrainings auf der Strecke. Sei es mit angehenden Kapitänen, bei denen ich entweder auf dem Copilotensitz oder als Beobachter auf dem dritten Schemmel (Sitz klingt für dieses „Holzbrett“ zu komfortabel) Platz nehme, oder bei jungen Copiloten –, die Flüge werde durch die besondere Konstellation intensiver, lehrreicher und spannender.
Dies erklärt auch, warum das klimpern der Tastatur in meinem Haushalt in den letzten Monaten seltener wurde. Erlebt habe ich nicht weniger. Zum Aufschreiben fehlte mir die Zeit, und manchmal ganz ehrlich auch die Lust.
Trotzdem bin ich je länger und je mehr davon überzeugt, dass wir Piloten uns mehr zu Wort melden müssen. Es gibt Strömungen in der Luftfahrt, die viel Energie darauf verwenden, Unsinn über den Pilotenberuf und das Umfeld zu verbreiten. Man bedient sich Vorurteilen, die schon in den 90er-Jahren überholt waren und bringt so den anspruchsvollen und fordernden Beruf in Verruf. Gewollt oder nicht, das lasse ich einmal so stehen.
Darum liebe Leserinnen und Leser, versuche ich (versuche!) diesen Blog mit weiteren Geschichten zu füttern, die vom Leben als Kapitän, aber auch vom Leben der vielen Kolleginnen und Kollegen handelt, die jeden Tag einen super Job in der dritten Dimension vollbringen und trotz der harten Arbeitsbedingungen sehr oft über sich und das ganze «wir-haben-das-billigste-Flugangebot-Business» lachen.