Dienstag, März 25, 2014

Protokoll eines Arbeitstags



04:30 Uhr, der Wecker klingelt. Frau stöhnt, Hund auch.
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04:45 Uhr Frühstück und Essenszubereitung. Crewessen schmeckt grauenhaft, selbst gebackenes Brot nicht. Je ein Käse und Fleischbrot sollen es bis am Abend richten.
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Die Autos am Strassenrand haben Frost auf den Scheiben. Ob wir heute enteisen müssen?
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Gubrist ohne Verkehr.
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Copilot in Ausbildung hat bereits alle Papiere bereit, Ausbildner braucht zuerst Kaffee.
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Fast falsche, hübsche Blondine geküsst. Die die ich meinte und deren Mutter im Schwabenland mitliest (Hallo!!!!), wäre nicht rot angelaufen.
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6.7 Tonnen Kerosin bestellt – auf zum Kabinenbriefing.
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Saukalt, und das im Frühling. Der Flügel ist trocken, die Elefanten (à Enteiserfahrzeuge) bleiben heute arbeitslos.
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Startfreigabe – mit Vollgas Richtung Rümlang.
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Der Vogel steigt, die Häuser werden kleiner, die Fluglotsen machen einen super Job. Schon nach 3000 Höhenmetern zwei Minuten eingespart. Danke!
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Der Kaffee ist dünn, erheitert trotzdem sie Sinne.
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Hallo Stuttgart – ja, ja, wir steigen ja so schnell wie möglich.
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Kontrollübergabe an den Copiloten. In Hamburg hat sich der Nebel verzogen, da kann auch der Copilot landen, schliesslich braucht er Training.
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Abkürzung – zu hoch – zu schnell – dennoch alles im Griff.
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Schöne Landung und das fünf Minuten zu früh.
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Standplatz gleich neben dem Sushi-Geschäft – leider hat der Japaner geschlossen.
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Fünf Donuts und zwei Cappuccino sollen die Kabinenbesatzung aufheitern. Es funktioniert!
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Sechs Tonnen Fuel gebunkert, weiter geht’s.
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Eine Mutter stellt mich ihrem dreijährigen Sohn vor. «Das ist der Herr Kapitän!». Der Kleine beginnt zu weinen.
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Eine junge Dame kotzt fast in die Passagierbrücke. Ihr ist schlecht vor Stress.
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Wegen der Ju-52 52 Sekunden Verspätung beim Start. Ob wir das aufholen?
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Geschätzte dreihundert Frequenzwechsel später endlich die Berge in Sicht. Die Heimat naht.
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Effizient aufgereiht und knapp gestaffelt geht’s gegen die Piste14 in Zürich.
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Wieder zu früh, doch wo ist unser nächstes Flugzeug?
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Dieses landet erst 30 Minuten vor unserem geplanten Abflug.
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Starbucks statt Cockpit Präparation.
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«Wenn es pressiert, dann muss man langsam machen!» Wieder einmal funktioniert die Weisheit ausgezeichnet und schont sowohl Nerven als auch Geldbeutel.
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Ein paar Minuten verspätet heben wir ab. Wieder heisst das Reiseziel Hansestadt Hamburg und wieder holen wir wertvolle Minuten auf.
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Das Käsebrot verschwindet in meinem Schlund, einen Banane rutsch hinterher.
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Wieder die Piste 05 in HAM, wieder überpünktlich.
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Der Sushi-Shop wäre jetzt geöffnet, ist aber 23 Gates entfernt.
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6500 Kilogramm Kerosin rein, leere Frachträume, volle Headtracks...
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Moin Moin, wir gehen.
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Geschätzte dreihundert Frequenzwechsel später endlich die Berge in Sicht. Die Heimat naht. Das RILAX Holding auch.
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Ringelreihe über Donaueschingen. Das Fleischbrot verschwindet in meinem Schlund.
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Noch 38 Meilen bis zum Feierabend, meldet der Controller, und bringt uns sicher zum Anflugpunkt.
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Eine Minute vor der geplanten Ankunft am Reiseziel. Vor 12 Stunden bin ich aufgestanden.
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Adieu ihr lieben Gäste, und danke für das Mitreisen.
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Wo ist der Crewbus?
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Warum geht das Auschecken so lange?
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Debriefing mit dem Copiloten.
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Qualifikation eröffnen und Schwerpunkte diskutieren.
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Handschlag, Gratulation, Verabschiedung.
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Unbedingt vor dem Gubrist noch aufs Klo.
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Im Stehen urinieren entschädigt für die zahlreichen Toilettengänge in der männerverachtenden Bordtoilette.
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Niemand da? Nein! Sicher nicht? Ein kleines Fürzchen verlässt meinen Allerwertesten J
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Stau am Gubrist.
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Feierabend!






Kommentare:

  1. Kurz, knapp und Bündig - Klasse !

    Danke

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  2. Gubrist, der grosse Equalizer. Am Gubrist im Stau sind wir alle gleich: sei's der Kapitän, sei's der Copilot, Flight Attendend oder Steward hin und her. Alle müssen warten, dürfen dort am Gubrist nicht mal Schleifen drehn':-)

    Live mit dabei - tolle Präsentation hier.

    Danke ebenfalls
    Richi

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  3. Herrlich zu lesen! Ganz schön rauer Alltag, das frühe Aufstehen würde mir gar nicht zusagen. Aber einen Jet zu fliegen ist doch trotzdem etwas herrliches, nicht wahr? :)

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  4. Danke für den Einblick in den Alltag (und die Einträge allgemein, endlich mal wieder:)
    Kleine Fragen: Wie sind bei euch Pausen geregelt, also Mittagspause etc? Irgendwann mal eine Stunde wenns gerade klappt? Gehen die Capuccinos auf Spesen oder aufs Kapitänkonto?

    Danke und Gruss
    Philippe

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  5. ... wir haben grundsätzlich keine Essenspausen, auch wenn der Arbeitstag bei vier Teilstrecken 11:30 dauert. Im Cockpit drückt man dann zwischendurch ein Sandwich runter, für die Kabinencrew wird das schwieriger. Laut Arbeitsgesetz wäre das nicht zulässig, aber leider unterstehen wir explizit nicht dem Arbeitsrecht.
    Die Cappuccinos gehen übrigens auf Kosten des Kapitäns!

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  6. Humor ist wenn man einen strengen Arbeitstag so süffig niederschreiben kann. Oder einfach trotz allem Freude am Beruf hat.

    Wie auch immer, Sie machen mit Ihren Posts meine Mittagspause wertvoller und kurzweiliger.

    Liebe Grüsse, hoffe ich habe mal Sie als Kapitän!
    Rolf

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  7. Ja sicher liest die schwäbische Mutter mit. Die läßt sich die wortgenialen, kurzweiligen Berichte doch nicht entgehen. Liebe Grüße

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  8. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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