Freitag, März 21, 2014

Dienstleistungskosten

Dieser Beitrag erschien in der letzten AEROPERS Rundschau

Jüngst, als sich in meiner Küche der Turm aus schmutzigen Tellern bedrohlich zur Seite neigte, meldete der kleine Bildschirm des Geschirrspülers eine Fehlermeldung. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte die Dringlichkeit einer baldigen Reparatur, und so wählte ich die Servicenummer der Herstellerfirma, deren Hauptsitz genauso weit von meinem Wohnort entfernt liegt, wie die Piste 16 in Zürich lang ist.
Die Angestellte am anderen Ende des Telefons war freundlich und fütterte ihren elektronischen Assistenten mit meinen Geschirrspül-Maschinen-Sorgen.
«Ob ich nächsten Dienstag Zeit hätte und den Servicemonteur empfangen könne?», fragte mich das sympathische Gegenüber. «Wann der Techniker denn eintreffen würde?», meine scheue Gegenfrage. «Zwischen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr am Dienstagmorgen», die bestimmte Antwort. Das «Nein» auf meine Gegenfrage, ob es nicht auch etwas genauer ginge, konnte deutlicher nicht ausgesprochen werden. Die Arbeit wurde übrigens tadellos aufgeführt. Dass für die Strecke in der Länge der Piste 16 in Zürich ganze 89 Franken Wegpauschale verrechnet wurden, sei am Rande erwähnt.

Obwohl ich glaube, dass die Einführung flexibler Ankunftszeiten «zwischen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr» in der Fliegerei auf wenig Akzeptanz stiesse, sähe ich bei der Wegpauschale grösseres Potenzial. Wenn der Weg vom Gate bis zum Pistenanfang mit erwähnter Wegpauschale verrechnet würde, könnten die Flüge weiterhin ohne Konsequenzen für Geschäftsbericht und Personalgesundheit zum Schnäppchenpreis angeboten werden. Weiter brächte das etwas Ruhe in unseren Personalkörper, was aber im Widerspruch zum Management-Motto höherer Etagen stünde. Doch das ist ein anderes Thema.

Lächerlich tiefe Flugpreise werden unsere Branche vermutlich noch lange beschäftigen. Jüngst hat mich eine Jungunternehmerin aus dem Gesundheitswesen im Engadin mit dem Vorwurf konfrontiert, dass unsere Firma viel zu teure Tickets verkaufe. Das liess ich natürlich nicht auf mir sitzen und fragte im Gegenzug, was denn ein adäquater Preis für einen Flug von A nach B sei? Das Schweigen auf der Gegenseite dauerte lange an. Da sind wir bereits am Kern des Problems angelangt. Die Fluggäste wissen gar nicht mehr, was sie alles für die paar Fränkli bekommen. Nehmen wir die Physiotherapeutin aus dem Engadin als Beispiel. Mit Sicherheit versteht sie die Tabelle mit den Taxpunkten der kantonalen Tarifverträge aus dem Gesundheitswesen. Ein Flug ist schliesslich auch immer eine Therapie. Manchmal schmerzhaft, aber immer gut für Körper und Geist. Machen wir eine Kostenaufstellung: Bei Flugantritt kann die Erstbehandlung (24 Taxpunkte) in Rechnung gestellt werden. Dazu addieren wir die Sitzungspauschale für eine aufwändige Behandlung (77 Taxpunkte). Dank Strahlenexposition und gesundheitsschädigendem Elektrofeld dürfen wir getrost die Elektrotherapie berechnen (10 Taxpunkte). Bei leichten und mittleren Turbulenzen kommt da noch die Lymphdrainage dazu (77 Taxpunkte), und da die Muskeln während des Ritts durch die Elemente stabilisiert und trainiert werden, müssen sowohl Hippotherapie (77 Taxpunkte) und die Benutzung der Infrastruktur für Hippotherapie (67 Taxpunkte) auf die Rechnung gesetzt werden. Wird während den Turbulenzen aus Versehen ein heisser Kaffee über den Fluggast verschüttet, kann je nach Ermessen des Flight Attendants auch noch eine Fangopackung (10 Taxpunkte) aufgelistet werden. Das sind summa summarum 342 Taxpunkte pro Leg, was nach dem Ansatz der Zürcher Physiotherapeuten genau 352,25 Schweizer Geldeinheiten macht.
Dass man nicht alle Passagiere ohne Vorbereitung mit Beispielen aus ihrem Betätigungsfeld konfrontieren kann, liegt auf der Hand. Ganz preiskritische Passagiere dürfen aber getrost gefragt werden, welche Dienstleistungen man für den Preis ihres Flugtickets in ihrer Firma erhält.

Dass bei soviel Verständnislosigkeit gegenüber einem kostendeckenden Wettbewerb der Ruf nach Bundeshilfe laut wurde, erstaunt nicht. Ich hätte da gute Beziehungen zu hohen Tieren in Bundesbern, die selbst auch gerne Swiss fliegen würden. Doch dank Kosteneffizienzprogrammen fliegen die jetzt auch mit den Wüstensöhnen.


Da bleibt nur die Wegpauschale – ziehen wir das durch! 

Kommentare:

  1. Gute Idee - ich werde das mal bei uns in der Behörde vorschlagen !

    ... und wie sich wohl die Lebensmittelpreise erhöhen würden,, wenn man eine Miete für den Trolley verlangt ???

    Es gibt viel zu tun, packen wir´s an :)

    In diesem Sinne ein sonniges Wochenende ( incl. der Überlegung eine Sonnengebühr einzuführen ....)

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  2. "Die Axt im Hause erspart den Zimmermann"...heisst es; soweit the proverb; soweit so gut...

    Lässt man heutzutags den Zimmermann kommen, im Jahr 2014, kommt dieser durchaus auf seine Kosten, würde ich sagen.

    Anders gesagt: Bin ich nicht In der Lage, den Geschirrspül Automaten selber zu reparieren, muss ich für die Dienstleistungskosten des pauschal anfahrenden Dienstleisters aufkommen. Kann ich mir die House Axt nicht ersparen, kommt der Zimmermann, bzw dieser "Dienstleister"...

    Somit kann ich NFF's Erfahrung nur bestätigen:

    No axe im house = complete rip off!

    Richi

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  3. Und wie erklärst du dem physio dass der 30 Minuten (Monopol)Flug nach FRA oder MUC ca 1500CHF kostet während die selbe Firma (LH) die Umsteigeverbindung via TXL fuer 99E anbietet....?
    Flugpreise haben schon lange nix mehr mit Kosten oder Leistung zu tun sonder reflektieren einfach das klassische (diskrmendierende) Angebots/Nachfrage Gefuege....und dieses würde fuer den Physio genau gleich speilen wenn es es gäbe :-)

    Ps: sorry fuer die Typos - blogspot (google) und iOS mögen sich definitiv nicht!

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