Samstag, März 29, 2014

Tja

Wenn vor der Lieblingssendung Werbung für Schmerzsalben und Wässerchen erscheint, die im eigenen Haushalt gerade in Gebrauch sind, dann schaut man altersgerechtes Fernsehen.

Freitag, März 28, 2014

Das Wort zum Sonntag

Wenn am Samstagabend vor der «Voice of Switzerland» die «Voice of Fraumünster» ausgestrahlt wird, dann verhalten sich Fernsehzuschauer ganz ähnlich wie Flugpassagiere bei der Ansage des Kapitäns. Man hat sich daran gewöhnt, es ist Tradition, doch keiner hört hin...
Der Flugpassagier hat im Gegensatz zum Fernsehzuschauer bei Unaufmerksamkeit auch keine Konsequenzen wie Fegefeuer oder Nachteile bei der nächsten Beichte zu befürchten. Das wirft natürlich die Frage auf, warum man in der Luftfahrt, die in den letzten Jahren ja soviel von der einstigen Exklusivität eingebüsst hat, noch an dieser Tradition festhält?
Und jetzt meine lieben Leserinnen und Leser, begibt sich Flugkapitän nff auf ganz dünnes Eis J
Drei Hauptdarsteller im Flugbetrieb hängen an diesen Passagieransagen und verteidigen das «Wort zum Flugtag» mit Händen und Füssen. Konkret handelt es sich um die Marketingstrategen, die Psychologen und die Kapitäne themselves.

Marketingstrategen, das sind die neuen Gottheiten der Marktwirtschaft, erblickten in ihrer Kristallkugel einen Wettbewerbsvorteil, wenn man Passagiere in ihrer Muttersprache an Bord begrüssen kann. Das ist bei einem sogenannten Hubcarrier gar nicht so einfach. Haben wir doch mehr Nationen an Bord, als in der Migros in meiner Wohngemeinde an einem stinknormalen Werktag am Frischbrot herumdrücken. So schlossen wir wie so üblich in unserem kleinen Land, einen gutschweizerischen Kompromiss. Wir begrüssen die Gäste auf Geheiss der Marketingstrategen auf Deutsch, Französisch und Englisch. Das wiederum verärgert unsere italienischsprechenden Landsleute, was aber auch wieder nicht so schlimm ist, fliegen die seit 2013 ja mit den Wüstensöhnen aus Abu Dhabi. Dass eine Ansage in so vielen Sprachen länger dauern kann als das Boarding, haben die Marketingstrategen übersehen.


Psychologen haben standesgemäss eine differenziertere Meinung zu diesem, wie auch allen anderen Themen. Passagieransagen erhöhen das Vertrauen und mindern die Flugangst, höre ich immer und immer wieder an Veranstaltungen zum Thema Sicherheit. Dieser letzte Nebensatz könnte den Eindruck erwecken, dass wir eine fundierte Ausbildung in der Disziplin Passagieransagen geniessen durften, was zumindest in meinem Fall nicht zutrifft. Doch selbstverständlich nehmen wir die Voten der Psychologen ernst und informieren ruhig, ehrlich und in langsamen Sätzen, wo es gerade klemmt im System Flug.
«Wenn ihr Idioten nicht soviel Handgepäck mitnehmen würdet, wären wir schon lange in der Luft» wäre zwar ehrlich, steht aber im Widerspruch zu den Wünschen der Marketingexperten und könnte laut Psychologen den Schluss zulassen, dass der kompetente und immer ruhige Kapitän einen «schettinischen» Anfall habe.

Die dritte Gruppe, die an den Passagieransagen festhält, sind die Kapitäne. Man hört sich in der Welt der breiten, goldenen Streifen gerne selbst reden. Das ist beim Apéro genauso, wie im Flugzeug bei den Ansagen. Wissen sie, wie man einen Kapitän an einer Party unter den 100 Gästen erkennt? Ganz einfach, er erzählt es ihnen! So kommt es schon mal vor, dass linguistisch talentierte Flugzeugführer in mehreren Sprachen verkünden, dass unter den dicken Wolken eigentlich die Stadt XY zu sehen wäre. Doch zum Glück hat sich dies in den letzten Jahren geändert. Die Pace in unserem Beruf hat sich markant erhöht und man hat neben den zu erledigenden Arbeiten keine Zeit und Lust mehr, Hörspiele über das Bordsystem zu verkünden.

Anders ist dies natürlich bei Unregelmässigkeiten. Da muss informiert werden und wenn das Flugzeug in Genf steht, in Gottesnamen auch in Französich. Während wir Deutschschweizer es sexy finden, wenn uns ein Mädel oder der Stress in «Voice of Switzerland» mit einem französischen Dialekt begrüssen, haben wir «Suisse Toto» (und die Firma) den Anspruch, dass alles Französische so über unsere Lippen kommt, als hätte es Voltaire persönlich verkündet.

Neulich stand Kapitän nff in Genf und viele der Abflüge erschienen auf der grossen Tafel in Rot. Die französischen Fluglotsen streikten, was übrigens ein unmissverständlicher Vorbote eines schönen Sommers ist. Obwohl dies die Passagiere bereits von Facebook, Twitter, Blick, Le Matin, 20Minutes, Le Temps, der Flughafeninformationstafel, den Leuchtschriften im Bahnhof und dem Bordingpersonal vernommen haben, wollten sie die schlechte Nachricht vom Chef noch einmal persönlich hören. Ich hatte in Jugendjahren zwei französische Freundinnen, konnte problemlos Essen und Getränke in der Sprache Jean-Paul Belmondos bestellen und verbracht jede freie Minute mit meinen welschen Kolleginnen und Kollegen der Kanunationalmannschaft. Doch weder vom passé composé, noch vom futur simple habe ich eine Ahnung. Darum gelte ich in der Deutschschweiz als Nicht-Französisch-Sprechend und gehöre damit einer stolzen Mehrheit an.

Auch wenn ich den Streik in Französisch durchaus hätte verkünden können, habe ich zu einem Trick gegriffen. Ein Klopfen an die Bürotüre der charmanten Sekretärin in Genf bescherte mir nicht nur einen leckeren Espresso, ich bekam auch eine eiligst verfasste Ansage in bestem «Française Léman». Ohne einen Blick auf das Papier zu werfen bestieg ich den Bus und liess mich zum noch leeren A319 chauffieren.
Die Leute kamen, die Türen wurden geschlossen und die Fluggemeinde wartete gespannt auf die Worte des grossen Kapitäns. Locker nahm ich das Mikrofon in die eine und das Blatt in die andere Hand. Nebenbei unterschrieb ich noch einen Flugplan und hörte mit einem Ohr den Funk mit.

«Bienvenue à bord chers passagers à destination de Nice...» rief ich aus meinem Gedächnis ab und wechselte dann gekonnt auf die Notizen der Kollegin mit der lebensrettenden Nespresso-Maschine.

«En raison de la grève des contrôleurs aérien en France, nous avon un créneau de décollage prévue  à ... »
Hätte ich auch so formuliert...

«Nous avons anticipé l’embarquement afin d’être prêt en cas d’amélioration du créneau.»
Amélioration du créneau – ja hergottsternensiech, wer hat denn so einen Zungenbrecher formuliert!
Das Flight Attendant in der Business-Class grinste, die weiteren 120 Personen im Flugzeug auch.

«Das Wort zum Flugtag» darf auch einmal humorvoll sein, wenn das auch weder Marketingstrategen, noch Psychologen sehr schätzen!



Dienstag, März 25, 2014

Protokoll eines Arbeitstags



04:30 Uhr, der Wecker klingelt. Frau stöhnt, Hund auch.
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04:45 Uhr Frühstück und Essenszubereitung. Crewessen schmeckt grauenhaft, selbst gebackenes Brot nicht. Je ein Käse und Fleischbrot sollen es bis am Abend richten.
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Die Autos am Strassenrand haben Frost auf den Scheiben. Ob wir heute enteisen müssen?
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Gubrist ohne Verkehr.
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Copilot in Ausbildung hat bereits alle Papiere bereit, Ausbildner braucht zuerst Kaffee.
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Fast falsche, hübsche Blondine geküsst. Die die ich meinte und deren Mutter im Schwabenland mitliest (Hallo!!!!), wäre nicht rot angelaufen.
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6.7 Tonnen Kerosin bestellt – auf zum Kabinenbriefing.
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Saukalt, und das im Frühling. Der Flügel ist trocken, die Elefanten (à Enteiserfahrzeuge) bleiben heute arbeitslos.
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Startfreigabe – mit Vollgas Richtung Rümlang.
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Der Vogel steigt, die Häuser werden kleiner, die Fluglotsen machen einen super Job. Schon nach 3000 Höhenmetern zwei Minuten eingespart. Danke!
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Der Kaffee ist dünn, erheitert trotzdem sie Sinne.
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Hallo Stuttgart – ja, ja, wir steigen ja so schnell wie möglich.
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Kontrollübergabe an den Copiloten. In Hamburg hat sich der Nebel verzogen, da kann auch der Copilot landen, schliesslich braucht er Training.
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Abkürzung – zu hoch – zu schnell – dennoch alles im Griff.
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Schöne Landung und das fünf Minuten zu früh.
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Standplatz gleich neben dem Sushi-Geschäft – leider hat der Japaner geschlossen.
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Fünf Donuts und zwei Cappuccino sollen die Kabinenbesatzung aufheitern. Es funktioniert!
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Sechs Tonnen Fuel gebunkert, weiter geht’s.
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Eine Mutter stellt mich ihrem dreijährigen Sohn vor. «Das ist der Herr Kapitän!». Der Kleine beginnt zu weinen.
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Eine junge Dame kotzt fast in die Passagierbrücke. Ihr ist schlecht vor Stress.
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Wegen der Ju-52 52 Sekunden Verspätung beim Start. Ob wir das aufholen?
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Geschätzte dreihundert Frequenzwechsel später endlich die Berge in Sicht. Die Heimat naht.
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Effizient aufgereiht und knapp gestaffelt geht’s gegen die Piste14 in Zürich.
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Wieder zu früh, doch wo ist unser nächstes Flugzeug?
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Dieses landet erst 30 Minuten vor unserem geplanten Abflug.
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Starbucks statt Cockpit Präparation.
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«Wenn es pressiert, dann muss man langsam machen!» Wieder einmal funktioniert die Weisheit ausgezeichnet und schont sowohl Nerven als auch Geldbeutel.
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Ein paar Minuten verspätet heben wir ab. Wieder heisst das Reiseziel Hansestadt Hamburg und wieder holen wir wertvolle Minuten auf.
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Das Käsebrot verschwindet in meinem Schlund, einen Banane rutsch hinterher.
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Wieder die Piste 05 in HAM, wieder überpünktlich.
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Der Sushi-Shop wäre jetzt geöffnet, ist aber 23 Gates entfernt.
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6500 Kilogramm Kerosin rein, leere Frachträume, volle Headtracks...
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Moin Moin, wir gehen.
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Geschätzte dreihundert Frequenzwechsel später endlich die Berge in Sicht. Die Heimat naht. Das RILAX Holding auch.
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Ringelreihe über Donaueschingen. Das Fleischbrot verschwindet in meinem Schlund.
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Noch 38 Meilen bis zum Feierabend, meldet der Controller, und bringt uns sicher zum Anflugpunkt.
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Eine Minute vor der geplanten Ankunft am Reiseziel. Vor 12 Stunden bin ich aufgestanden.
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Adieu ihr lieben Gäste, und danke für das Mitreisen.
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Wo ist der Crewbus?
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Warum geht das Auschecken so lange?
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Debriefing mit dem Copiloten.
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Qualifikation eröffnen und Schwerpunkte diskutieren.
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Handschlag, Gratulation, Verabschiedung.
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Unbedingt vor dem Gubrist noch aufs Klo.
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Im Stehen urinieren entschädigt für die zahlreichen Toilettengänge in der männerverachtenden Bordtoilette.
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Niemand da? Nein! Sicher nicht? Ein kleines Fürzchen verlässt meinen Allerwertesten J
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Stau am Gubrist.
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Feierabend!






Freitag, März 21, 2014

Dienstleistungskosten

Dieser Beitrag erschien in der letzten AEROPERS Rundschau

Jüngst, als sich in meiner Küche der Turm aus schmutzigen Tellern bedrohlich zur Seite neigte, meldete der kleine Bildschirm des Geschirrspülers eine Fehlermeldung. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte die Dringlichkeit einer baldigen Reparatur, und so wählte ich die Servicenummer der Herstellerfirma, deren Hauptsitz genauso weit von meinem Wohnort entfernt liegt, wie die Piste 16 in Zürich lang ist.
Die Angestellte am anderen Ende des Telefons war freundlich und fütterte ihren elektronischen Assistenten mit meinen Geschirrspül-Maschinen-Sorgen.
«Ob ich nächsten Dienstag Zeit hätte und den Servicemonteur empfangen könne?», fragte mich das sympathische Gegenüber. «Wann der Techniker denn eintreffen würde?», meine scheue Gegenfrage. «Zwischen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr am Dienstagmorgen», die bestimmte Antwort. Das «Nein» auf meine Gegenfrage, ob es nicht auch etwas genauer ginge, konnte deutlicher nicht ausgesprochen werden. Die Arbeit wurde übrigens tadellos aufgeführt. Dass für die Strecke in der Länge der Piste 16 in Zürich ganze 89 Franken Wegpauschale verrechnet wurden, sei am Rande erwähnt.

Obwohl ich glaube, dass die Einführung flexibler Ankunftszeiten «zwischen 08.00 Uhr und 12.00 Uhr» in der Fliegerei auf wenig Akzeptanz stiesse, sähe ich bei der Wegpauschale grösseres Potenzial. Wenn der Weg vom Gate bis zum Pistenanfang mit erwähnter Wegpauschale verrechnet würde, könnten die Flüge weiterhin ohne Konsequenzen für Geschäftsbericht und Personalgesundheit zum Schnäppchenpreis angeboten werden. Weiter brächte das etwas Ruhe in unseren Personalkörper, was aber im Widerspruch zum Management-Motto höherer Etagen stünde. Doch das ist ein anderes Thema.

Lächerlich tiefe Flugpreise werden unsere Branche vermutlich noch lange beschäftigen. Jüngst hat mich eine Jungunternehmerin aus dem Gesundheitswesen im Engadin mit dem Vorwurf konfrontiert, dass unsere Firma viel zu teure Tickets verkaufe. Das liess ich natürlich nicht auf mir sitzen und fragte im Gegenzug, was denn ein adäquater Preis für einen Flug von A nach B sei? Das Schweigen auf der Gegenseite dauerte lange an. Da sind wir bereits am Kern des Problems angelangt. Die Fluggäste wissen gar nicht mehr, was sie alles für die paar Fränkli bekommen. Nehmen wir die Physiotherapeutin aus dem Engadin als Beispiel. Mit Sicherheit versteht sie die Tabelle mit den Taxpunkten der kantonalen Tarifverträge aus dem Gesundheitswesen. Ein Flug ist schliesslich auch immer eine Therapie. Manchmal schmerzhaft, aber immer gut für Körper und Geist. Machen wir eine Kostenaufstellung: Bei Flugantritt kann die Erstbehandlung (24 Taxpunkte) in Rechnung gestellt werden. Dazu addieren wir die Sitzungspauschale für eine aufwändige Behandlung (77 Taxpunkte). Dank Strahlenexposition und gesundheitsschädigendem Elektrofeld dürfen wir getrost die Elektrotherapie berechnen (10 Taxpunkte). Bei leichten und mittleren Turbulenzen kommt da noch die Lymphdrainage dazu (77 Taxpunkte), und da die Muskeln während des Ritts durch die Elemente stabilisiert und trainiert werden, müssen sowohl Hippotherapie (77 Taxpunkte) und die Benutzung der Infrastruktur für Hippotherapie (67 Taxpunkte) auf die Rechnung gesetzt werden. Wird während den Turbulenzen aus Versehen ein heisser Kaffee über den Fluggast verschüttet, kann je nach Ermessen des Flight Attendants auch noch eine Fangopackung (10 Taxpunkte) aufgelistet werden. Das sind summa summarum 342 Taxpunkte pro Leg, was nach dem Ansatz der Zürcher Physiotherapeuten genau 352,25 Schweizer Geldeinheiten macht.
Dass man nicht alle Passagiere ohne Vorbereitung mit Beispielen aus ihrem Betätigungsfeld konfrontieren kann, liegt auf der Hand. Ganz preiskritische Passagiere dürfen aber getrost gefragt werden, welche Dienstleistungen man für den Preis ihres Flugtickets in ihrer Firma erhält.

Dass bei soviel Verständnislosigkeit gegenüber einem kostendeckenden Wettbewerb der Ruf nach Bundeshilfe laut wurde, erstaunt nicht. Ich hätte da gute Beziehungen zu hohen Tieren in Bundesbern, die selbst auch gerne Swiss fliegen würden. Doch dank Kosteneffizienzprogrammen fliegen die jetzt auch mit den Wüstensöhnen.


Da bleibt nur die Wegpauschale – ziehen wir das durch! 

Donnerstag, März 20, 2014

wake up call

... der Winter im Engadin war traumhaft!


Der «wake up call», wie der Weckruf unter uns Aviatikern heisst, kommt regelmässig in bissigen, höflichen oder auch bestimmten Wortmeldungen. Am charmantesten und hartnäckigsten macht dies zweifellos das TWRMädel, aber auch die anderen Kommentare und Bemerkungen führen dazu, dass ich wieder einmal zu den Tasten greife.
Ohne mein Wissen, hat die Besucherzahl meines Blogs die Millionenmarke geknackt. Hoppla, würde mir das bei meinem Bankkonto passieren, hätte ich das schneller realisiert. Doch seit beruhigt, der Flugschreiber ist in der Vergangenheit nicht weniger geflogen und hat viel geschrieben. Wenn auch nicht an dieser Stelle, aber dafür in Magazinen und auf Qualifikationsformularen.
Qualifikationen darum, weil ich seit rund einem Jahr als Fluglehrer auf der A320-Familie tätig bin und jungen Talenten das Fliegen, Landen und die Organisation des Arbeitsplatzes beibringe. Eine Aufgabe mit grossem Zufriedenheitspotential! Landetrainings an einem wenig frequentierten Flughafen innerhalb Europa gehören genauso dazu, wie das Erstellen und Ausführen von Simulatorsessions für angehende Kapitäne.
Die fordert und befriedigt mich gleich doppelt. Zum einen arbeite ich sehr gerne mit Menschen und bringe diese (hoffentlich) mit meiner Erfahrung näher an ihr Ziel und zum anderen bin ich als Check-Pilot auch im Simulator gefordert.
Stellt man eine Simulatorsession zusammen muss man sich ganz genau im Klaren sein, was mit den gedrückten Knöpfen und den dazugehörigen Fehlern ausgelöst wird. Denn selbst für technische Cracks sind die Zusammenhänge bei Doppel- und Dreifachfehlern nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Doch es ist gar nicht notwendig, bei den schwierigen Übungen stets an die Grenze zu gehen. Bereits mit kleinen Fehlern und Ablenkungen beobachtet der Instruktor sehr gut, wie ein Kandidat sich organisiert und wie er tickt.
Doch nicht nur der Simulator bereichert den Arbeitsalltag des Instruktor, sondern auch die Streckentrainings auf der Strecke. Sei es mit angehenden Kapitänen, bei denen ich entweder auf dem Copilotensitz oder als Beobachter auf dem dritten Schemmel (Sitz klingt für dieses „Holzbrett“ zu komfortabel) Platz nehme, oder bei jungen Copiloten –, die Flüge werde durch die besondere Konstellation intensiver, lehrreicher und spannender.
Dies erklärt auch, warum das klimpern der Tastatur in meinem Haushalt in den letzten Monaten seltener wurde. Erlebt habe ich nicht weniger. Zum Aufschreiben fehlte mir die Zeit, und manchmal ganz ehrlich auch die Lust.
Trotzdem bin ich je länger und je mehr davon überzeugt, dass wir Piloten uns mehr zu Wort melden müssen. Es gibt Strömungen in der Luftfahrt, die viel Energie darauf verwenden, Unsinn über den Pilotenberuf und das Umfeld zu verbreiten. Man bedient sich Vorurteilen, die schon in den 90er-Jahren überholt waren und bringt so den anspruchsvollen und fordernden Beruf in Verruf. Gewollt oder nicht, das lasse ich einmal so stehen.
Darum liebe Leserinnen und Leser, versuche ich (versuche!) diesen Blog mit weiteren Geschichten zu füttern, die vom Leben als Kapitän, aber auch vom Leben der vielen Kolleginnen und Kollegen handelt, die jeden Tag einen super Job in der dritten Dimension vollbringen und trotz der harten Arbeitsbedingungen sehr oft über sich und das ganze «wir-haben-das-billigste-Flugangebot-Business» lachen.