Montag, April 08, 2013

Wann? Warum? Wieso?

"Wann kommst Du wieder auf die Langstrecke?", werde ich fast täglich gefragt. "Hoffentlich so schnell nicht wieder!", meine spontane Antwort.

Warum das Langstreckendasein eine so hohe Priorität geniesst unter den Piloten, ist eines der Rätsel, die geheimnisvoll bleiben werden. Fünfzehn Jahre bin ich über die Ozeane geflogen und habe es genossen. Fünfzehn Jahre habe ich mich in Städten breit gemacht, die ich zuweilen besser kannte, als meine Homebase Zürich. Ich habe mit aber auch fünfzehn Jahre den Arsch auf den harten Sitzen flach gesessen und dabei meinem Körper viel Leid zugeführt in Form von Schlafentzug. Schlafentzug ist eine abgeschwächte Form der Folter und kann – das meine ich und die Mediziner – tatsächlich auch zu psychischen Problemen führen.

Also, wieso soll ich mir das antun, auch wenn auch ich dadurch mehr und anstrengender arbeite, als die Kollegen auf den grossen Pötten? Einundfünfzig Stunden habe ich in den letzten sechs Tagen gearbeitet, was mir 77 Stunden FREI beschert. 77 Stunden, in denen ich mich auf die nächsten Einsätze vorbereite, Instruktionsthemen erarbeite und Revisionen nacharbeite, damit ich zum Antritt meines nächsten Dienstes wieder arbeitsfähig bin. Anstrengend, ich weiss, doch ich liebe meine Arbeit, auch wenn ich sie nicht mehr mit einem 100 Prozent Pensum machen kann.

Jede Nacht zu einer vernünftigen Zeit ein paar Stunden in einem Bett zu liegen ist es wert, diese Mehrarbeit in Kauf zu nehmen. Schlaf ist wichtig, Schlafentzug die Hölle.

Warum ich das schreibe? Ganz einfach, der Wert meiner Arbeit wird wieder einmal in Frage gestellt, und das aus den eigenen Reihen. Zu teuer seinen wir, zu ineffizient. Kurzstrecke sei zu unrentabel, auch wenn wir pro Tag mit zwei Piloten und vier Flightattendants bis zu 800 Personen transportieren. Wenn ich die Kosten (Lohn, Sozialleistungen) überschlage und auf die von mir jährlich transportierten Passagiere umwälze, komme ich auf Kosten von nicht einmal fünf Franken pro Passagier und Flug. So gesehen kostet die ganze Crew zwischen 10 und 15 Franken pro Passagier und Reisestrecke. Als ich zuletzt ein Ticket für mich nach Berlin Tegel kaufte, wurden mit 73 Franken an Gebühren in Rechnung gestellt...
Es gibt noch Bereiche in der Luftfahrt die Geld abwerfen.

Sodeli, ich muss wieder. Die Kurzstrecke ruft. Ich freue mich auf die Flüge.


1 Kommentar:

  1. Das Gerücht geht um, dass, das was Du hier schreibst, eines Tages nicht nur eine Minderheit lesen und betreffen möge.
    Dass eines Tages eine Mehrheit nah-dis-nah kapiert was die Hausfrau schon lange kapiert hat:

    "Billig ist teuer!"

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