Freitag, April 12, 2013

Verspätung

Gerannt sind wir nicht, aber auch nicht geschlendert. Bei einem Flugzeug erst die Motoren abgestellt, sitzen wir bereits im nächsten. "Können wir die Passagiere bringen?", werde ich von einer charmanten Bodenhostess gefragt.

"In vier Minuten ist die Betankung abgeschlossen, dann von mir aus schon." Sie läuft konsterniert wieder die Passagierbrücke hoch. "Dann gibt es halt Verspätung", höre ich sie noch brummeln. "I couldn't care less", brummle ich zurück.

Die Leute schreiten langsam die Passagierbrücke hinunter. Handgepäck, als würden sie an der Destination ein neues Leben beginnen. "Grüezi, Hallo, Bonjour, Konitschiwaaaaaa". Jeder hat mindestens einen Koffer, einen Sack vom Sprüngli und ein Nackenkissen dabei und das bei einem Flug von 45 Minuten!

"Grüezi, Hallo, Bonjour, Konitschiwaaaaaa"

"Ein Passagier fehlt!", brummelt die Bodenhostess, deren Stimme so ganz und gar nicht zu ihrer Erscheinung passt. "Ohne Gepäck!", ruft sie hinterher.
Was für ein Zufall, der einzige Passagier der Welt, der ohne Gepäck verreisst, wollte mit mir fliegen! Heureka, wenn das kein gutes Omen ist!

So schliessen wir die Türen und warten auf die Startfreigabe. Da sind wir nicht die Einzigen am heutigen Mittag in Zürich. Mit Glück gehen wir in zehn Minuten, mit Pech dauert es etwas länger.
Ich mache eine Passagieransage und informiere die Gäste. Wie immer lobe ich sie leicht sarkstisch für ihr zügiges Einsteigen, vertröste sie und verspreche ihnen, dass wir pünktlich den Anflug an der Destination beginnen werden. Den Anflug beginnen wir in der Regel immer pünktlich, bevor wir dann in die Warteräume einfliegen...

Es geht los, der Traktorfahrer bringt uns in Position und wenige Augenblicke später rollen wir los. Gut koordiniert, liebe Kollegen von der ATC! Wir starten ein paar Minuten später, ohne unnötigen Treibstoff verbrannt zu haben.
Alles läuft wie am Schnürchen. Abkürzungen hier, Abkürzungen da – wir sparen Zeit und Treibstoff. Tatsächlich beginnen wir den Anflug pünktlich und müssen wider Erwarten den Warteraum nicht beglücken.

Nach der Ladung warten wir fünf Minuten auf einen freien Standplatz, mit einer Verspätung von drei Minuten docken wir an.
Noch während die Gäste aussteigen, wird mein Typ verlangt:

"Können wir die Passagiere bringen?", werde ich von einer charmanten Bodenhostess gefragt.

"In zehn Minuten ist die Betankung abgeschlossen, dann von mir aus schon." Sie läuft konsterniert wieder die Passagierbrücke hoch. "Dann gibt es halt Verspätung", höre ich sie noch brummeln. "I couldn't care less", brummle ich zurück.

Das Handgepäck verlässt das Flugzeug, dazwischen erblicke ich einige Gäste. "Ich wünsche Ihnen einen guten Start in Ihre neue Existenz", sage ich zu der Dame mit den drei Handgepackstücken. "Ich bleibe nur zwei Tage", ihre kurze Antwort.

"Adieu, au revoir, Sayonara, Auf Wiedersehen."

"Schon wieder zu spät!", faucht mich ein Landsmann mit bergigem Ursprung an. "Wir sind ämel pünktlicher, als ihre Kuh kalbet! Gället si?!?"Er geht und brummelt wie die Groundhostess in ... – ach wo war das schon wieder?

"Adieu, au revoir, Sayonara, Auf Wiedersehen."

"IT'S GREAT TO BE LATE", hiess vor Jahren ein Aufdruck auf den beliebten Swissair-Schokoladen. Es war ein Werbespruch, kreiert von einem Kommunikationsfröilein, die Werbung machen wollte für den späten Flug nach Newark.
Doch so schlecht war dieser Spruch auch nicht, ich erwähne ernsthaft eine Neuauflage der süssen Rechtecke zu starten!

"IT'S GREAT TO BE LATE!"

Häbet es schöns Wuucheänd!



Kommentare:

  1. >"Ein Passagier fehlt!", brummelt die Bodenhostess, deren >Stimme so ganz und gar nicht zu ihrer Erscheinung passt. >"Ohne Gepäck!", ruft sie hinterher.
    >Was für ein Zufall...

    Und du hast das geglaubt?! ;-)

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  2. ... aber sicher! Erstens bin ich bereits 21 Jahre in der Fliegerei und zweitens noch nie angelogen worden ....

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  3. Verstehe die Handgepäckberge nicht.
    Ich gebe in der Regel alles außer meinem Notebookrucksack auf. Um diesen dann unterbringen zu können, darf man sich mittlerweile in die erste Boardinggruppe kämpfen, damit nicht schon alle Gepäckfächer mit sog. "Bordtrolleys" (kubikmetergroße Rollkoffer, vmtl. je eine Einbauküche enthaltend) voll sind.

    Viele Grüße
    Stefan

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  4. Na spitze, jetzt habe ich für den Rest des Tages einen Ohrwurm, vielen Dank ;-)

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