Donnerstag, April 18, 2013

Heathrow

Das effizienteste Höhlensystem der Welt ist definitiv Heathrow. Wer als Crew schon einmal den Ameisenhaufen per Crewbus verlassen hat weiss, warum ich einen der grössten Flughäfen Europas Höhlensystem nenne...

Der Wind blässt englisch daher und lässt die Piloten und ihre Maschinen hin und her tanzen. Wind aus 230° macht nicht nur in Zürich Mühe. Mit etwas Erfahrung weiss man, wo genau der Flügel taucht und mit welcher Klappenstellung man landen sollte.
Alle 2.5 NM ein Flugzeug. Es rüttelt und schüttelt – England heisst uns willkommen! Wehe, man hält die 160 Knoten nicht genau bis sieben Kilometer vor der Piste ein und wehe man verlässt die Landebahn nicht subito mit rauchenden Bremsen über den ersten Rollweg.

Angekommen, geschafft. 247R heisst der Standplatz wie so oft bei Londonflügen. Bleiche Passagiere raus, solche mit Farbe im Gesicht rein.

Pushback und weiter geht's. "Hold short Titan", meint der Controller. Widerstand zwecklos, vor uns steht ein Jumbo. Wir starten im Moment auf der 27R – gelandet wird auf der 27L – im 2.5NM Takt versteht sich, schliesslich sind wir in London.

Der Mann hinter dem Mike redet ruhig, dennoch hoch getaktet. Er lässt eine A319 raus, dann die 737 der Easy. Es folgt eine 777 der WeissGottnichtwasAirline und danach der Jumbo. Jumbo ist als Flugzeug gut, wenn man drin sitzt, wartet man aber dahinter, heisst das eine Zwangspause von zwei Minuten. Wegen der Wirbelschleppen übrigens, aber das ist kompliziert.

Zwei Minuten Pause in Heathrow – undenkbar. Der Tower-Boy hat das vorausgesehen und nahm eine Maschine der Iren auf die ILS 27R. Es passt genau! Kurz nachdem die 747 Richtung Amerika abhebt, setzt die grüne Maschine auf der Landebahn auf und wir dürfen danach die Piste für uns in Anspruch nehmen. Zwei Minuten und zehn Sekunden nach dem Start der schönen alten Dame geben wir Vollgas. Zeit wurde keine verschwendet, in Heathrow wäre das undenkbar.

Well done Tower-Boy! See you tomorrow!