Samstag, März 30, 2013

vom Gebrauch des Handys auf dem Flugzeug...

... oder über das Alter.

Ein Handy ist praktisch, das gebe ich zu. Das kleine Ding sagt mir, wenn ich aufstehen muss, es weiss die aktuelle Zeit nach Sommer- und Winterzeitumstellungen und es macht sogar Bilder. Der ursprüngliche Zweck dieses Teils ist aber ein anderer, man möchte Nachrichten – wichtiges und unwichtiges – übermitteln. Dafür muss das Gerät erstens eingeschaltet und zweitens auffindbar sein. Nicht so einfach im Alter, glauben sie mir!

Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – alle um Jahrgang 1990 und jünger – verstehen in keiner Weise, wenn man dieses Gerät drei und mehr Tage nicht einschaltet. Dabei wissen die gar nicht, wie schön es einst ohne dieses Kistchen war. Nicht erreichbar und nicht ortbar zu sein war früher normal und paradiesischer als heute angenommen.

So zum Beispiel der Reservedienst. Entweder sass Reservetuender oder -tuende die ganze Zeit zu Hause ab, oder man begab sich an schönen Sommertagen in die Badeanstalt Kloten, wo man über den Lautsprecher ausgerufen wurde, falls einem die Swissair brauchte.
Das war so schlecht gar nicht, stelle man sich doch vor, wie viele weibliche Reserven die Swissair damals geplant hatte. So lagen auf der kurzgeschorenen Wiese Tuch an Tuch gereiht die schönsten Körper und warteten gespannt auf einen Copiloten, der ihnen den Rücken eincrèmte oder einen Aufruf aus dem Lautsprecher.

"Nummer 15 kann seine Bratwurst abholen und Fräulein Gantenbein soll doch bitte so gut sein, die Crewdispo der Swissair anzurufen."

Der Bademeister widmete sich wieder der Bratwurst und Fräulein Gantenbein machte sich mit leichtem Sonnenbrand auf, über den Wolken Gäste zu verwöhnen.

Gut geölte Körper schauten derweil mitleidig der Davonziehenden nach und hielten einen kurzen Augenblick inne. Wie brutal konnte doch so ein Reservetag sein, wenn einem die Dispo mitten im Flirt von der Badematte holt.
Mit dem Aufkommen der Handys fand dieses sommerliche Spektakel ein jähes Ende. Jetzt nennt es sich Parship und ist als App downloadbar.

"Downloadbar", auch so ein neuartiger Ausdruck. Heute ist alles downloadbar. Die Liebe, das Horoskop und sogar Kalender, die den Eisprung anzeigen. Brauchten wir das früher? Nein, natürlich nicht, wir hatten ja Reservedienst!

Heute hatte ich mein Handy auch dabei. Eingeschaltet hatte ich es letztmals am Mittwoch. Im Flugmodus knipste ich das Deicing und tippte artig meine Flugstunden in das Flugbuch-App. In London angekommen wurde der Flugmodus deaktiviert, damit der alte Mann die Zeitverschiebung zwischen dem Königinnenreich und dem Festland nicht berechnen musste.  Kurz darauf begann es zu hornen und pipsen, zu vibrieren und wackeln.

Ein SMS! Wer schreibt mir denn ein SMS? Sie war es, wollte mir am Morgen in der Früh einen Kaffee ans Flugzeug bringen, was mich sicherlich vor der harten Landung in Paris bewahrt hätte...
Das nächste Mal schalte ich mein Handy wieder ein – nicht nur zum Knipsen – die Passagiere werden es mir danken!

Karsamstag in Zürich...






1 Kommentar:

  1. Jahrgang 1988 soeben 4 Tage auf der Bannalp in Nidwalden verbracht. Sicht 0, Schnee gut, Empfang 0. Natel verhüenert... Natel vermisst: negativ. Und heute schien sogar noch die Sonne und der Pulver war gut!

    Und dann kommt man nach Hause und es knallt 90 Whatsup Nachrichten aufs Natel. W-Lan sei Dank. Freunde die Ferien nicht in der Stille geniessen können sondern pro geschätzter Viertelstunde ein Statusupdate samt Foto schicken müssen.

    Aber eben, manchmal sind die Dinger auch prakisch.

    Gruss, S.

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