Samstag, Februar 02, 2013

Piloten-Yoga Essentials Part 2

Man kann es drehen und wenden wie man will, Pilot sein ist ein knüppelharter Job. Gerade auf der Kurzstrecke, wo der Wecker nicht selten klingelt, bevor Nachbars Hahn zum Appell kräht. Da spielt der regelmässige Konsum von Koffein in allen möglichen Formen eine wichtige und sicherheitsrelevante Rolle.
Der erste Kaffee eines typischen Swiss-Kurzstrecken-Piloten kommt aus einer Maschine Schweizer Manufaktur. Diese steht am Hotspot beim Briefingraum und liefert Kaffee in der Qualität von afrikanischem Brunnenwasser. Das macht allerdings nichts, denn an Bord ist die Brühe noch minderer Qualität. Die grösste Gefahr geht allerdings nicht vom Kaffee selber aus, sondern vom Überreichen desselbigen im Cockpit.
Damit wären wir bei der nächsten Übung unseres Yoga-Programms, beim "Mug-Turner".

Sitzt man stundenlang in der gleichen Position im Pilotensitz, führt dies unweigerlich zu Verspannungen. Doch nicht nur die Sitzposition ist Schuld daran, sondern auch der seelische Zustand. Die Fachliteratur meint dazu:

Die Muskulatur wird durch seelische Prozesse wesentlich beeinflusst. Schnittstelle ist die sogenannte Formatio reticularis, eine Art Wachheitszentrale im Hirnstamm. Sie regelt den Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur und passt den Muskeltonus immer dem momentanen Spannungsbedarf an. Erhält die Wachheitszentrale keine oder nur geringe sensorische Reize (wie z.B. beim Schlafen), wird der Spannungszustand auf ein niedrigeres Niveau herabgesetzt - die Muskulatur ist entspannt.

Kurzstrecken-Kapitäne schlafen nicht bei der Arbeit, benötigen folglich längere Zeitspannen mit geringen sensorischen Reizen, damit sich die vom Sitzen gepeinigte Muskulatur entspannen kann. Am besten setzt man dies um, indem man dem Copiloten die gesamte Arbeit verrichten lässt. Damit die Verspannungen auch seitens der Seele gelöst werden können, braucht es positive Impulse in Form von charmant serviertem Kaffee.
Doch genau hier lautert die Gefahr des Hexenschusses. Wird der alte Herr Flugkapitän mit Kaffee abrupt aus dem meditativen Zustand geholt und zwecks Überreichung der Tasse in eine Rotationsbewegung gezwungen, kann der Blitz in der Lendenwirbelsäule schon einmal einschlagen. Wochenlange Schmerzen und ein ununterbrochenes Gejammer sind die Folgen, welche mit nachfolgender Übung vermieden werden können.

Nun zur Übung:
Herr Kapitän soll bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Rumpf langsam nach links und recht rotieren. Wichtig dabei ist wie immer die richtige Atmung. 

Einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen – Hommmmmmmmmmm.

Gelegenheiten gibt es mehr als man denkt. Der "Mug-Turner" kann auf der Toilette, einem Stuhl, beim Zeitungslesen, ja sogar beim Autofahren ausgeführt werden. Gerade beim Autofahren lässt sich dies mit Angenehmem verbinden. Schauen sie ruhig den jungen, weiblichen Geschöpfen nach, es dient schliesslich ihrer Gesundheit und stärkt die Lendengegend Lendenmuskulatur. Auch bei dieser Übung daran denken: Stets gut einatmen und ausatmen, wobei das Ausatmen durchaus auch in Form eines Pfiffes ausgeführt werden darf und kann.
Eine regelmässige Anwendung bringt bereits nach wenigen Wochen Linderung und Erfolg. Dass Herr Gemahl im Dienste der Gesundheit jedem jungen Ding nachpfeift wird Frau Gattin ihm verzeihen, wenn sie das erste Mal Herrn Kapitäns gestärkte Rückenmuskulatur zärtlich mit Rheuma-Salben eincremt.