Sonntag, Februar 10, 2013

Houptsach es rouchnet, Housi


Houptsach es rouchnet, Housi
nüt isch ganz vergäbe
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Houptsach es, Houptsach es rouchnet, Housi
nüt isch ganz vergäbe
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Hou-Hou-Hou-Hou-Hou-o-Hou-Hou
Houptsach es rouchnet, Houseli-Housi-Housi
Houptsach es rouchnet, Housi
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Refrain aus dem Lied "Rouch" von Stiller Has

Ein Blitzschlag, ein Kurzschluss und da ist er der Rauch. Aus allen Löchern kommt er und die Piloten schützen sich mit den Sauerstoffmasken. Unweigerlich beginn ein Countdown zu laufen, dem sich die Piloten bewusst sind. Lange bleibt den Flugzeugführern keine Zeit, Entscheidungen zu treffen: 
Dr. Barbara Burian, a researcher from the NASA Ames Research Center, noted that, in a study of 15 in-flight fires that occurred between January 1967 and September 1998, the Transportation Safety Board of Canada found that the average amount of time between the detection of an onboard fire and when the aircraft ditched, made a forced landing, or crashed was 17 minutes.
Ein MAYDAY geht raus und der ATC-Controller hilft so gut er kann. Keine leichte Aufgabe, befindet sich das Flugzeug doch über Salzburg und ist umgeben von hohen Bergen, zwischen denen die Schweizer Abfahrer ihren österreichischen Kollegen gerade um die Nase fahren.
Der Rauch ist mittlerweile so dicht, dass der Copilot die Taschenlampe zur Hilfe nehmen muss, um die Buchstaben auf der Checkliste zu entziffern. Es braucht jetzt eine Entscheidung, welche Checkliste gemacht werden soll. Kommt der Rauch aus der Airconditioning, dem elektrischen Compartment oder gar auch der Bordküche? Ein kurzer Abgleich mit der Kabinenchefin bringt Klarheit. Hinten riecht man noch nichts, also kann das Küchenproblem und die Airconditioning als Ursache praktisch ausgeschlossen werden. Der Flugkapitän verlangt am Funk höchste Priorität. Mit einem schweren Flugzeug nahe am maximalen Landegewicht rast er auf eine kurze Piste zu, die von hohen Bergen umgeben ist. Um Salzburg legal anzufliegen, ist die Kiste rund fünf Tonnen zu schwer und ein möglicher Durchstart praktisch unmöglich. 
Im Leerlauf und mit ausgefahrenen Speedbrakes sinkt das Flugzeug schnell. Der Kapitän versucht mit der Checkliste den Rauch aus seinem Sichtfeld zu verjagen. Zwischendurch gelingt das recht gut, man sieht die Geschwindigkeitsanzeige bei 330 Knoten stehen.
Noch während der Copilot versucht die richtigen Schalter im dichten Rauch zu finden, um das Flugzeug praktisch stromlos zu machen, brennt im elektronischen Compartment eine Leitung durch, die das Steuergerät des linken Triebwerks mit Strom versorgt. In der Folge stellt das linke Triebwerk ab. 
Der Kapitän merkt davon nichts, denn er befindet sich im Leerlauf. Nach einer kurzen Vorwarnung des Copiloten wird es dunkel im Cockpit und der Autopilot verabschiedet sich. Jetzt laufen nur noch die Notinstrumente und der Kapitän navigiert mit Hilfe diesen und der Hilfe der ATC Richtung Anflug auf die Piste 15.
Die Aktion hat Linderung verschafft, der Rauch verzieht sich etwas. Endlich hat man eine einigermassen klare Sicht auf die Instrumente und die zahlreichen Warnungen, die am entsprechenden Bildschirm angezeigt werden. Alle Checklisten kann man unmöglich abhandeln, es müssen Prioritäten gesetzt werden.
Jetzt erkennt der Kapitän, dass das Triebwerk 1 sich verabschiedet hat. Gerade noch rechtzeitig, um sich auf den koordinierten Einsatz des Fusses beim kommenden Geradeausflug vorzubereiten. 
Mit recht guter Sicht drehen die Piloten auf den Endanflug ein. Zeit um den Anflug zu besprechen bleibt kaum. Nur die wichtigsten Sachen werden besprochen, die grössten Gefahren memorisiert. Ein Checklistenpunkt ist noch offen, man soll kurz vor der Landung wieder alle elektrischen Systeme zuschalten, meint das Quick Reference Handbook. Die Versuchung ist gross, dies nicht zum machen, denn der Rauch wird mit Bestimmtheit wieder kommen und damit die Sicht dermassen einschränken, dass die Piste trotz bestem Wetter kaum erkennbar ist.
Knapp eine Minute vor der Landung drückt der Copilot die von der Checkliste verlangten Knöpfe. Sofort beginnt es wieder zu qualmen und der Kapitän steuert mit der einen Hand und mit der anderen wedelt er abwechslungsweise den Rauch aus dem Sichtfeld und justiert die Leistung des verbliebenen Triebwerks. FIFTY - FOURTY - THIRTY - TWENTY - TEN - RETARD! Das Flugzeug ist am Boden, die Sicht praktisch Null. Mit maximalem Bremseinsatz bringt der Kapitän das Flugzeug kurz vor Pistenende zum stehen. Wäre er der Versuchung erlegen und hätte der Strom vor der Landung nicht wieder eingeschaltet, das Flugzeug wäre wegen schlechterer Bremsleistung über die Piste hinausgeschossen. Das wiederum steht auf einer anderen Checkliste...
Ganze 14 Minuten nach dem Entdecken des Rauchs steht das Flugzeug auf der Piste15 in Salzburg. Ich sage MY CONTROLS und versuche vom Instruktorensitz aus das Gebläse in Gang zu bringen, das uns vom lästigen Rauch befreit.
Well done colleagues!

Kommentare:

  1. Wunderschön, vielen Dank. :)

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  2. Toller Bericht! Hoffe der Geruch wurde nicht simuliert. ;-) Danke und gern weiter so. Mario

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  3. erinnert an Halifax, nur gabs da kein Happy end und es war nicht simuliert. Der Dok fährt jedesmal unter die Haut.

    Bist du jetzt auch in der Gilde der Instruktoren? Ging aber zackig!

    Gruss aus Tokyo, der Stadt der grenzenlosen ÖV-Verbindungen und Takte (bis Mitternacht) und dem besten Sushi weltweit!

    Severi

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  4. Sehr interessant!

    Was ich nicht verstehe ist, warum man ob der Kritikalität von Rauch im Cockpit keine Hochleistungsentlüftung / Luftabsaugung installiert. Sicher würde diese einem eventuellen Brandherd zwar auch Frischluft zuführen, aber man würde andererseits in kritischen Flugphasen auch wieder etwas sehen können...

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  5. Zu vorigem Kommentar hier noch die fehlende "Unterschrift"...

    Viele Grüße
    Stefan

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  6. Hou hou hou, Housi:

    Thriller!

    Ist interessant, den Eingangs-Refrain von "Houptsach es rouchnet" nochmal zu lesen, nachdem man die Story hier gelesen hat. Der Refrain geht dann noch knüppelhaerter unter die Haut.

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