Sonntag, Februar 17, 2013

Expertenstreit



Wenn sich zwei streiten, so freut sich der Dritte. Das behauptet zumindest eine alte Weisheit, die den meisten geläufig ist.
Streiten ist eine Kunst und wer diese Kunst beherrscht, der kann an der Auseinandersetzung durchaus Freude haben und auch Nutzen daraus ziehen.
Wenn eine Gruppe den Streit beherrscht, dann spricht man auch von guter Streitkultur. Ein hin und her von Argumenten, Worten, auch mal Vorwürfen, bringt nicht selten einen Nutzen für alle Beteiligten.

Wie vieles andere hat sich auch die Streit- und Diskussionskultur verändert. Ob zum Guten oder Schlechten, lasse ich an dieser Stelle bewusst offen.
Relativ neu sind Streitigkeiten in Internetforen. Man schreibt anonym – oder auch halbanonym, und kann so austeilen wie man will. Konsequenzen sind keine zu befürchten, der eigene Ruf bleibt unangetastet.

Solche Foren zu verteufeln ist falsch. Sie haben durchaus einen grossen Nutzen, wenn sich unwissende Informationen beschaffen wollen oder Journalisten unter Zeitdruck recherchieren.
In einem dieser Foren läuft im Moment eine emotional geladene Diskussion zum Thema "Müdigkeit im Cockpit".
Erstaunlicherweise bekriegen sich Kapitäne verbal und werfen sich gegenseitig vor, vom Thema keine Ahnung zu haben. Doch kann man von Müdigkeit keine Ahnung haben? Kann man mit gutem Gewissen behaupten, dass Müdigkeit per se kein Problem ist? Mutig, wage ich einmal zu behaupten, egal in welchem Zusammenhang man das Problem betrachtet.

Doch ich will an dieser Stelle nicht auf die Problematik eingehen, sondern zum Thema Streitkultur zurückkommen. In einem Streit hat jede Seite seine berechtigten Anliegen und soll auch das Recht bekommen, diese zu vertreten. Nachgeben hat für beide Seiten einen Preis und dieser Preis muss bekannt sein. Ein Nachgeben darf nicht als Schwäche taxiert werden und Terraingewinn nicht als persönlicher Sieg. Ein Kompromiss ist in der Regel keine schlechte Lösung, ausser er ist unter Druck zu Stande gekommen.

Piloten können sehr wohl 20 Stunden am Stück oder 60 Stunden pro Woche arbeiten. Man muss sich einfach des Preises bewusst sein. In den letzten Jahren der Swissair hat ein neu aus Amerika eingeflogener Manager an einem Meeting gesagt, dass sich eine Airline ökonomisch gesehen alle sieben Jahre einen Absturz leisten könne. Ich habe geschluckt, andere auch. Dann kam Halifax. Diesen Preis bin ich nicht bereit zu zahlen, darum bin ich als Pilot in dieser Beziehung wenig kompromissbereit.

Streiten will geübt sein! Darum übt gleich heute. Kämpft, argumentiert, analysiert und schliesst auch Kompromisse. Wem das zu anstrengend ist, der lese im oben erwähnten Forum den Streit zwischen Experten. Es ist unterhaltsam, aber nicht wirklich Ernst zu nehmen.



Kommentare:

  1. Traurig... Ich habe nur die ersten 2 Seiten gelesen und es murmelte gewaltig das ewige Murmeltier.... Zum einen ist es einfach nur peinlich wie gewisse User das eigene Nest beschmutzen, wohl sehr zum ergötzen der Medien. Zum anderen hat es ein User wohl immer noch nicht verkraftet, dass Herr MS mit seinem Modell Phoenix baden ging und er das gleich 2x erleben durfte... Manch einer lernt es nie und Hochmut kommt bekanntlicherweise immer vor dem Fall.... Wäre er doch bloss in Asien geblieben :-)

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  2. @Tabaluga
    Na ja, wer im erwähnten Forum hin und wieder mitliest, kennt den User (es kann nur EINER gemeint sein)
    Er glänzt dort -und übrigens auch anderswo- seit Jahren durch Un- und Halbwissen. Und wenn Un- und Halbwissen nicht mehr reichen greift man halt zu persönlichen Angriffen.
    Aber was soll's, in der heutigen Politik lernt man's halt so....

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