Donnerstag, Februar 28, 2013

back to the roots


Aus der Not heraus entstehen die grössten Trends! Andere würden es eine Alterserscheinung nennen, ich spreche lieber von der Wiedergeburt eines Klassikers.

Einst, es war so um das Jahr 1983, wurden Teenager wie ich im Engadin von den Traditionalisten gehasst. Wir wollten es so machen wie die grossen Vorbilder, bügelten Abfahrtswachs auf unsere Langlauflatten und bewegten uns vorwärts, wie Pauli Siitonen es am Farbfernsehen vormachte. Ein Ski in der Spur und mit dem anderen stiessen wir seitlich ab und beschleunigten so schneller, als es die alten Mannen im Doppelstock schafften.

Zwei gehörige Nachteile hatte die Technik. Erstens walzten wir mit einem Ski die liebevoll präparierte Loipe nieder und andererseits war es schlicht ein Platzproblem.

Wir wurden von den Mannen in den Knickerbockers so richtig gehasst. Kurz stand sogar zur Diskussion, Teilnehmer, die diesen neuen Schritt ausführten, mit sofortiger Wirkung zu disqualifizieren.

Soweit kam es nicht. Man musste sich dem Trend beugen und baute voll auf die neue Skatingtechnik. Mit Erfolg, wie man heute sieht.

Doch eben, heute bin ich ein alter Mann und schaue respektvoll den Jungen zu, wie sie scheinbar ohne Krafteinsatz mit über 30 Stundenkilometern über den gefrorenen Schnee skaten. Als alter Mann kann man zweierlei reagieren. Entweder trainiert man wie ein Ochse und erzählt bei jeder Gelegenheit, dass man jeden Tag um vier Uhr aufstehe und 10 Kilometer jogge, oder man bleibt so faul wie bis anhin, lässt den Jungen mit Würde den Vortritt und besinnt sich alten Techniken.

Und genau das habe ich gemacht. Anfangs Winter kaufte ich bei Roger ein paar Klassikskis und erfreute mich an der neu entdeckten Langsamkeit und dem Muskelkater in Fasern, die ich offensichtlich seit 1983 nie mehr gebraucht habe.

Es macht Spass und wenn ich auf nächste Saison einen Nabholz-Knickerbocker-Langlaufanzug erstehen kann, ist das Glück perfekt!


Kommentare:

  1. Es ist ein Spass, ja. Umso mehr, als einige der schönsten Loipen im schönsten Hochtal der Welt nur klassisch gespurt werden (Val Roseg, z.B.). Was einfach nervt, ist die doch bedeutend aufwändigere und komplexere Wachserei (Siehe Wachstipp von heute: "Steigzone mit feinem Schleifpapier (100er Körnung) leicht aufrauen und eine dünne Schicht V20 einkorken.
    Anschliessend drei bis vier dünne Schichten V40 (Blau extra) auftragen und ebenfalls gut verkorken. Am nachmittag mit V45 (Violet spezial) oder sogar V50 (Violet) ergänzen.")...

    Christoph (der dann die Ruhe nach dem Marathon geniesst)

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  2. ...NOWAX Skis sind gar nicht solo schlecht.
    Um hurtig ein paar Skater abzutrocknen reichen sie allemal :-)

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