Donnerstag, Februar 28, 2013

back to the roots


Aus der Not heraus entstehen die grössten Trends! Andere würden es eine Alterserscheinung nennen, ich spreche lieber von der Wiedergeburt eines Klassikers.

Einst, es war so um das Jahr 1983, wurden Teenager wie ich im Engadin von den Traditionalisten gehasst. Wir wollten es so machen wie die grossen Vorbilder, bügelten Abfahrtswachs auf unsere Langlauflatten und bewegten uns vorwärts, wie Pauli Siitonen es am Farbfernsehen vormachte. Ein Ski in der Spur und mit dem anderen stiessen wir seitlich ab und beschleunigten so schneller, als es die alten Mannen im Doppelstock schafften.

Zwei gehörige Nachteile hatte die Technik. Erstens walzten wir mit einem Ski die liebevoll präparierte Loipe nieder und andererseits war es schlicht ein Platzproblem.

Wir wurden von den Mannen in den Knickerbockers so richtig gehasst. Kurz stand sogar zur Diskussion, Teilnehmer, die diesen neuen Schritt ausführten, mit sofortiger Wirkung zu disqualifizieren.

Soweit kam es nicht. Man musste sich dem Trend beugen und baute voll auf die neue Skatingtechnik. Mit Erfolg, wie man heute sieht.

Doch eben, heute bin ich ein alter Mann und schaue respektvoll den Jungen zu, wie sie scheinbar ohne Krafteinsatz mit über 30 Stundenkilometern über den gefrorenen Schnee skaten. Als alter Mann kann man zweierlei reagieren. Entweder trainiert man wie ein Ochse und erzählt bei jeder Gelegenheit, dass man jeden Tag um vier Uhr aufstehe und 10 Kilometer jogge, oder man bleibt so faul wie bis anhin, lässt den Jungen mit Würde den Vortritt und besinnt sich alten Techniken.

Und genau das habe ich gemacht. Anfangs Winter kaufte ich bei Roger ein paar Klassikskis und erfreute mich an der neu entdeckten Langsamkeit und dem Muskelkater in Fasern, die ich offensichtlich seit 1983 nie mehr gebraucht habe.

Es macht Spass und wenn ich auf nächste Saison einen Nabholz-Knickerbocker-Langlaufanzug erstehen kann, ist das Glück perfekt!


Dienstag, Februar 26, 2013

der Chef kann mich mal!

Macht mal Pause im Büro!
Popcorn holen, Papierstapel liegen lassen, Beine hochlegen und das Telefon umleiten.
Vorhang auf für die drei Buben Jörn Kühler, Hans Interbitzin und Ernst Holzer an ihrem schönsten Tag im ihrem Leben! Lasst uns zusammen DC-3 fliegen!


Montag, Februar 25, 2013

zum blauen Bock


Heute sind die Hundebisquits ausgegangen! Eine Tragödie wenn man bedenkt, dass die nächste Fressnapf Filiale sechs Langlaufstunden entfernt ist und unser Hund kaum einen Schritt ohne Leckereien aus dem Hause Lecky macht.

Verzogen sagen Sie? Dann schauen Sie sich doch einmal um. Kaum ein Knirps geht heute mehr aus dem Haus ohne seine Kuscheldecke, sein Nitendo, das Malset und die Feuchttücher, mit denen man die Hände und Arsch gut und sauber reinigen kann.
Da ist mir mein Hund lieber – ehrlich! Zur Not frisst der sogar gefrorene Pferdeäpfel! Warum ich das hier in einem Aviatik-Blog erzähle? Ganz einfach, weil mich Aviatik in meinem freien Monat nicht die Bohne interessiert. Ich bin im Paradies und das wäre so perfekt, wenn nur die Hundebisquits nicht ausgegangen wären.

Doch heute ist das ganz einfach. Man(n) startet eines der vielen Produkte aus dem Hause mit dem Früchte-Logo, verbindet es mit dem mobilen Highspeed-Netz, logt sich mit seinem Account beim Fressnapf.ch ein, bestellt die dringenst benötigten Hundebisquits, legt noch ein paar getrocknete Lammohren dazu, investiert ein paar Fränkli in die superdupperschnelle Lieferung und der Hund kann ab übermorgen die Pferdeäpfel wieder liegen links lassen.

Das wäre geschafft. Doch wenn das Produkt aus dem Hause Apfel schon läuft, kann man auch hurtig die Runde im Internet machen. Alles via Handy, das unlimitiert Daten liefert in einer Schnelligkeit, die mit dem Anschluss zuhause duellieren kann. Auch fernsehen kann man und das in High-Definition.

Ja ohalätz, wir leben in einer schnellen und informierten Welt. Ohne mein unlimitierter Datenzugang wüsste ich nicht, dass Kari A. jetzt mit Fredi B. befreundet ist und Anneliese C. dies gefällt. Ich bringe es doch tatsächlich fertig, eine Satiresendung, die vergangenen Sonntag ausgestrahlt wurde, an einem Gerät zu schauen, während am anderen die Aufzeichnung der Tagesschau läuft. Tagesschau von welchem Tag? Spielt doch keine Rolle, Hauptsache es läuft und zwar unlimitiert und uhurenschnell!

Gottseidank muss der Hund raus. Er stupft mich mit seiner pferdescheissekontaminierten Nase und zwingt mich dazu, die vielen Geräte in den Leerlauf zu schalten. Dicke Schuhe an, Handschuhe nicht vergessen und Mütze auf. Draussen ist es empfindlich kalt und der fast volle Mond erleuchtet die weissen Berggipfel. In was für einer wunderschönen Gegend darf ich vier Monate im Jahr verbringen! Das Knirschen des Schnees unter den gepolsterten Sohlen ist schöner als jedes Lied, das irgend eine Voice of Weissgottauchimmer von sich gibt.

Ich träume von den guten alten Zeiten, wo man am Samstagabend mit den Eltern den blauen Bock sehen musste während der Hund nun auch Rehscheisse frisst.

Tja, so klingt ein Aviatikblog wenn der Aviatiker eine aviatische Pause macht...

Samstag, Februar 23, 2013

alles über Geschenke


Das Beste vorweg, ich mag Geschenke in Form von Backgut, entweder handgemacht oder aus einer Bäckerei, die Mehl noch vom sehen her kennt. Ich bedanke mich schon jetzt für zugesandte Brownies, selber gegossene Osterhasen und Weihnachtsguetzli in Form von Spitzbuben und anderen Klassikern!

Früher, so wusste ein schreibbegabter Kapitän in DER aviatischen Zeitschrift zu wissen, landeten noch oft Geschenke aus dorfeigenen Bäckereien im Firmenpostfach mit dem Zweck, dass der Absender eventuell und vielleicht einen Jumpest-Platz auf einem der rot-weissen Flugzeuge ergattern könne.

Heute kennen die jungen Dinger diese Traditionen kaum mehr und verstopfen dafür das Postfach mit Nachrichten, die mit seltsamen Botschaften wie @-<-<-, <3 oder wdk gespickt sind. Ich meine ich kriege schon die Airbus-Abkürzungen nicht auf die Reihe, wie soll ich denn solche Botschaften entziffern?

Doch zurück zu den Geschenken. Schon im richtigen Leben ist das eine Wissenschaft – noch komplizierter ist es in der Fliegerei. Man kann den Aviatikern geben was man will, zufrieden sind sie kaum. Man erinnere sich an das Käsebrettli, das in Tat und Wahrheit ein Schoggi-Brett war. Es war laut unbestätigten Angaben aus chinesischem Holz gefertigt und ist angeblich Hauptschuldiger dafür, dass in Winterthur der Laubbockkäfer die Eulachufer leerfrisst. Nämlich – so unbestätigte Angaben, soll ein frustrierter Mitarbeiter sein Brettli in hohem Bogen in das eulachsche Rinnsal geworfen haben, die Larven sind auf dem Jetleg erwacht und genau so soll das Übel seinen Anfang genommen haben.

Ohalätz!

Dass eingeschleppte Überraschungen vernichtende Käfer beinhalten können, wissen Computernutzer mit dem Chromosomen aus dem Hause Ypsilon. Wenn sich leicht bekleidete Frauen auf dem Bildschirm zeigen, sind die Käfer nicht weit weg. So manch ein Mann hat sich fluchend bei seiner Frau erklärt und davon gejammert, dass sich die Festplatte wie von selber formatiert hat und nun leider alle Familienfotos im Nirvana der Datenwelt verschollen sind. Nein, er können nichts dafür, dieser Computer sei einfach zu alt und…

Apropos Computer. Es schneit neuerlich ein Brettli ins Haus. Leider wieder nichts gesundes und erfrischendes wie ein Apfel, sondern etwas aus dem Hause Scheibe – oder wie es angelsässisch korrekt heisst – Windows.
Ich meine ich freue mich über jedes Geschenk – ehrlich. Nur dass ich am Ende meiner Ferien ins Firmenhauptquartier muss um das Geschenk abzuholen, finde ich eher speziell. Dass dies gar nicht so speziell sei, liess ich mir von einem Scheiben-Computer-Nutzer erklären.
Schliesslich müsse noch das Proxi eingestellt, die Registry benannt, der Memory-Bereich individualisiert – oder so ähnlich.

Ich als Apfel-Benutzer verstehe da nur Bahnhof, weil ich ausser dem Stecker einstecken an einem neuen Gerät nichts anderes machen muss.

So bin ich gespannt auf den Termin in zwei Wochen, bei dem mir 30 Minuten Zeit bleibt, dem langhaarigen Scheiben-Experten ansatzweise zu folgen.

Wenn mir jemand vielleicht heute schon sagen könnte, wo man einen Windows-Computer einschaltet, könnten wir das Eulach-Debakel am Limmatufer vielleicht verhindern!

Donnerstag, Februar 21, 2013

Flugkapitän Hans Jenny zeigt:

Bier kühl stellen, Chips bereit machen und einfach geniessen:


von Waschmaschinen und Airline-Tickets



Neulich stieg doch tatsächlich unsere Waschmaschine aus. Nichts Ernstes, aber dennoch beunruhigend. Ich griff zum Telefon und rief die Hotline an.
Eine Sirene namens Rihanna malträtierte mein sonst schon geschädigtes Gehör und sang von Problemen, die mir ehrlich gesagt so richtig am Arsch vorbei gingen.
Drei Lieder später ein Knacken in der Leitung. Es ging weiter mit Problemen, allerdings ohne Melodie und in einer Sprache, die mir geläufiger ist.
Nach den Schildern des Problems und dem Herunterbeten der dreihundertzwanzigstelligen Typennummer meiner Waschmaschine kam es zum Geschäftsabschluss. Wir vereinbarten einen Termin für die Reparatur.
"Ist Ihnen der Vormittag oder der Nachmittag lieber?", erkundigte sich die Sachbearbeiterin freundlich. "Der Vormittag", meine knappe Antwort.
"Ihr Kundendienstmitarbeiter wird am vereinbarten Datum zwischen 07:00 Uhr und 13:00 Uhr bei Ihnen eintreffen!"
"Geht es nicht etwas genauer?"
"Nein, das ist bei uns so üblich... Adieu."

Am besagten Datum – mein freier Tag übrigens –, stellte ich um 06:45 Uhr den Wecker. Der freundliche und sehr kompetente Kundendienstmitarbeiter kam um 10:54 Uhr, flickte die Maschine und verliess mein Heim um 11:20 Uhr wieder, nachdem ich einen Stapel Rapporte unterschrieb.

Eine Stunde(!) Arbeit plus die Wegpauschale in der Höhe des Preises eines Tickets von Zürich nach Wien, ergaben summa sumarum eine dreistellige Summe, mit dem ich, wenn ich der Werbung glaube, mit meinem Arbeitgeber von Zürich nach New York fliegen kann.

Nach weiteren drei Liedern Rihanna wurde ich mit der Buchhaltung verbunden. Ob die Höhe der Wegpauschale für eine Strecke von 3.4 Kilometern nicht leicht übertrieben sei, meine höfliche Anfrage. "Nein!", ihre knappe Antwort.

Tja, das frage ich mich natürlich, in was für einer Branche ich arbeite?

Neulich stieg ein gut gekleideter Herr mit Aktenkoffer und geschmackvoll ausgesuchter Krawatte in unser Flugzeug und benutzte Wörter, die so gar nicht zu seinem Outfit passten. Er wetterte über die Fliegerei im Allgemeinen und unsere Firma im Speziellen. Ich machte das, was in solchen Situationen sehr hilfreich ist, ich hörte zu.
Nach ein paar Minuten war der Dampf abgelassen und eine kurze Diskussion war möglich. Ich erklärte ihm, dass die von ihm geschilderten Unannehmlichkeiten rein gar nichts mit unserer Firma zu tun haben und ging auf sein Argument ein, dass die Fliegerei viel zu teuer sei.

Ich forderte ihn auf kurz auf, die Kosten seines Tickets zu begutachten und sich zu fragen, was ich als Kunde in seiner Firma für diesen Preis bekäme. Er schmunzelte kurz und meinte: " Sie haben recht!"

Sonntag, Februar 17, 2013

Expertenstreit



Wenn sich zwei streiten, so freut sich der Dritte. Das behauptet zumindest eine alte Weisheit, die den meisten geläufig ist.
Streiten ist eine Kunst und wer diese Kunst beherrscht, der kann an der Auseinandersetzung durchaus Freude haben und auch Nutzen daraus ziehen.
Wenn eine Gruppe den Streit beherrscht, dann spricht man auch von guter Streitkultur. Ein hin und her von Argumenten, Worten, auch mal Vorwürfen, bringt nicht selten einen Nutzen für alle Beteiligten.

Wie vieles andere hat sich auch die Streit- und Diskussionskultur verändert. Ob zum Guten oder Schlechten, lasse ich an dieser Stelle bewusst offen.
Relativ neu sind Streitigkeiten in Internetforen. Man schreibt anonym – oder auch halbanonym, und kann so austeilen wie man will. Konsequenzen sind keine zu befürchten, der eigene Ruf bleibt unangetastet.

Solche Foren zu verteufeln ist falsch. Sie haben durchaus einen grossen Nutzen, wenn sich unwissende Informationen beschaffen wollen oder Journalisten unter Zeitdruck recherchieren.
In einem dieser Foren läuft im Moment eine emotional geladene Diskussion zum Thema "Müdigkeit im Cockpit".
Erstaunlicherweise bekriegen sich Kapitäne verbal und werfen sich gegenseitig vor, vom Thema keine Ahnung zu haben. Doch kann man von Müdigkeit keine Ahnung haben? Kann man mit gutem Gewissen behaupten, dass Müdigkeit per se kein Problem ist? Mutig, wage ich einmal zu behaupten, egal in welchem Zusammenhang man das Problem betrachtet.

Doch ich will an dieser Stelle nicht auf die Problematik eingehen, sondern zum Thema Streitkultur zurückkommen. In einem Streit hat jede Seite seine berechtigten Anliegen und soll auch das Recht bekommen, diese zu vertreten. Nachgeben hat für beide Seiten einen Preis und dieser Preis muss bekannt sein. Ein Nachgeben darf nicht als Schwäche taxiert werden und Terraingewinn nicht als persönlicher Sieg. Ein Kompromiss ist in der Regel keine schlechte Lösung, ausser er ist unter Druck zu Stande gekommen.

Piloten können sehr wohl 20 Stunden am Stück oder 60 Stunden pro Woche arbeiten. Man muss sich einfach des Preises bewusst sein. In den letzten Jahren der Swissair hat ein neu aus Amerika eingeflogener Manager an einem Meeting gesagt, dass sich eine Airline ökonomisch gesehen alle sieben Jahre einen Absturz leisten könne. Ich habe geschluckt, andere auch. Dann kam Halifax. Diesen Preis bin ich nicht bereit zu zahlen, darum bin ich als Pilot in dieser Beziehung wenig kompromissbereit.

Streiten will geübt sein! Darum übt gleich heute. Kämpft, argumentiert, analysiert und schliesst auch Kompromisse. Wem das zu anstrengend ist, der lese im oben erwähnten Forum den Streit zwischen Experten. Es ist unterhaltsam, aber nicht wirklich Ernst zu nehmen.



Donnerstag, Februar 14, 2013

alte Piloten


Männer sind wie Wein, sie werden im Alter besser, sofern frau sie regelmässig wendet, für konstante Temperatur sorgt und sie nicht allzusehr schüttelt und rüttelt.
Nimmt man den  Mann Wein nach etwas Lagerdauer aus dem Keller und entkleidet ihn, bis der Zapfen nackt vor einem liegt, kann man sich auf etwas gefasst machen!
Ein Feuerwerk wird gezündet und die Sinne spielen verrückt. Gerade bei alten Gewächsen lohnt es sich, nicht sofort zum Höhepunkt zu kommen, sondern die Flasche langsam zu dekantieren. Ich möchte hier betonen, dass ich mit Flasche nicht den Mann, sondern den Wein meine.

Doch zurück zum Titel "alte Piloten". 
Gerade alte Piloten neigen dazu, sich in Freiheit so zu benehmen wie ein Beaujolais nouveau: wild, ungestüm, launig und pelzig. Ihre eigene Kraft überschätzen sie komplett, ihre Kondition sowieso. So auch ein Vertreter der Zunft vergangenen Montag im Engadin.
Die Sonne verabschiedete sich langsam, tauchte die verschneiten Bergspitzen purpurrot ein und liess das Thermometer jenseits der - 20°C Marke verharren. Ein leichter Wind aus Süd wirbelte den Pulverschnee auf. Der Silvaplanersee lag unter einer dicken Eissicht verborgen und trug eine Loipe auf sich, die schöner nicht sein könnte.
Ein alter Pilot liess sich nicht beirren und schnallte die Langlaufskis an. Mit kräftigen Doppelstockstössen beschleunigte er und wünschte sich Sekunden später, dass obiger Penisköcher als Schutz dabei wäre. Die Wangen wurden weiss und die Finger klamm. Auch der Ski lief nicht so wie gewünscht, hatte er doch noch die Wachsmischung vom November drauf, die bei leichten Plustemperaturen für einen schnellen Ski sorgte.  
Nach ein paar Skatingstössen – wie aus dem Lehrbuch übrigens! – wurde das kurze Training abgebrochen und die Spitzen wieder Richtung Heimat gedreht. Doch öhalätz, da war er der Gegenwind. Aus dem lockeren Training wurde eine Expedition. Nach gut 25 Minuten stand ich schlotternd in der Stube und sah meine Frau, die ratlos den Kopf schüttelte.

Der alte Pilot trinkt jetzt Tee gegen die Halsschmerzen... 





Dienstag, Februar 12, 2013

Pferde im Flugzeug

Ein weiterer Verpflegungsskandal macht die Runde. Pferdefleisch aus Rumänien soll angeblich in in italienischer Lasagne gefunden worden sein, die ein französischer Konzern bei einem Subunternehmer in Rumänien herstellen liess und nach England verkauft hat.
Da lacht der Kurzstreckenmagen laut auf!

Verglichen mit dem, was wir täglich als Crewmahlzeit vorgesetzt bekommen, verdient die rumänisch-französische-englisch-italienische Fertigmahlzeit mindestens zwei Kappen vom Gourmet-Label.
Essen, das den Anspruch hat billig zu sein, Hygienevorschriften von x Ländern zu genügen und mindestens zehn Monate haltbar sein soll, kann per se nicht schmackhaft sein.

Im Gegenteil, es bereitet Bauchweh und zwar gleich im doppelten Sinn. Erstens verträgt kaum ein Rossmagen die vielen Konservierungsstoffe, was übrigens zu Blähungen und deftigen Fürzen führen kann, und zweitens ist es grundsätzlich bedenklich, was der Mensch bereit ist in sich hineinzustopfen.

Ich für meinen Teil lasse sei gut zwei Jahren die Finger von den E-stoffverseuchten Crew-Essen und die Copilotinnen und Copiloten danken es mir. Furzen im engen Raum wie z.B. im Cockpit, steigert die Arbeits- und Konzentrationsfähigkeit kaum.

Wenn Sie das nächste Mal beim Aussteigen Pferde-Dung-Geruch wahrnehmen, haben wir nicht etwa Turnierpferde geladen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat das Crewmeal seinen Auftrag erfüllt und einer oder einem der Crew ist ein Lüftchen entwichen. Wünsche guten Appetit!



Sonntag, Februar 10, 2013

Houptsach es rouchnet, Housi


Houptsach es rouchnet, Housi
nüt isch ganz vergäbe
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Houptsach es, Houptsach es rouchnet, Housi
nüt isch ganz vergäbe
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Hou-Hou-Hou-Hou-Hou-o-Hou-Hou
Houptsach es rouchnet, Houseli-Housi-Housi
Houptsach es rouchnet, Housi
Houptsach es rouchnet, Housi
nume die Knüppelherte wärde überläbe
Refrain aus dem Lied "Rouch" von Stiller Has

Ein Blitzschlag, ein Kurzschluss und da ist er der Rauch. Aus allen Löchern kommt er und die Piloten schützen sich mit den Sauerstoffmasken. Unweigerlich beginn ein Countdown zu laufen, dem sich die Piloten bewusst sind. Lange bleibt den Flugzeugführern keine Zeit, Entscheidungen zu treffen: 
Dr. Barbara Burian, a researcher from the NASA Ames Research Center, noted that, in a study of 15 in-flight fires that occurred between January 1967 and September 1998, the Transportation Safety Board of Canada found that the average amount of time between the detection of an onboard fire and when the aircraft ditched, made a forced landing, or crashed was 17 minutes.
Ein MAYDAY geht raus und der ATC-Controller hilft so gut er kann. Keine leichte Aufgabe, befindet sich das Flugzeug doch über Salzburg und ist umgeben von hohen Bergen, zwischen denen die Schweizer Abfahrer ihren österreichischen Kollegen gerade um die Nase fahren.
Der Rauch ist mittlerweile so dicht, dass der Copilot die Taschenlampe zur Hilfe nehmen muss, um die Buchstaben auf der Checkliste zu entziffern. Es braucht jetzt eine Entscheidung, welche Checkliste gemacht werden soll. Kommt der Rauch aus der Airconditioning, dem elektrischen Compartment oder gar auch der Bordküche? Ein kurzer Abgleich mit der Kabinenchefin bringt Klarheit. Hinten riecht man noch nichts, also kann das Küchenproblem und die Airconditioning als Ursache praktisch ausgeschlossen werden. Der Flugkapitän verlangt am Funk höchste Priorität. Mit einem schweren Flugzeug nahe am maximalen Landegewicht rast er auf eine kurze Piste zu, die von hohen Bergen umgeben ist. Um Salzburg legal anzufliegen, ist die Kiste rund fünf Tonnen zu schwer und ein möglicher Durchstart praktisch unmöglich. 
Im Leerlauf und mit ausgefahrenen Speedbrakes sinkt das Flugzeug schnell. Der Kapitän versucht mit der Checkliste den Rauch aus seinem Sichtfeld zu verjagen. Zwischendurch gelingt das recht gut, man sieht die Geschwindigkeitsanzeige bei 330 Knoten stehen.
Noch während der Copilot versucht die richtigen Schalter im dichten Rauch zu finden, um das Flugzeug praktisch stromlos zu machen, brennt im elektronischen Compartment eine Leitung durch, die das Steuergerät des linken Triebwerks mit Strom versorgt. In der Folge stellt das linke Triebwerk ab. 
Der Kapitän merkt davon nichts, denn er befindet sich im Leerlauf. Nach einer kurzen Vorwarnung des Copiloten wird es dunkel im Cockpit und der Autopilot verabschiedet sich. Jetzt laufen nur noch die Notinstrumente und der Kapitän navigiert mit Hilfe diesen und der Hilfe der ATC Richtung Anflug auf die Piste 15.
Die Aktion hat Linderung verschafft, der Rauch verzieht sich etwas. Endlich hat man eine einigermassen klare Sicht auf die Instrumente und die zahlreichen Warnungen, die am entsprechenden Bildschirm angezeigt werden. Alle Checklisten kann man unmöglich abhandeln, es müssen Prioritäten gesetzt werden.
Jetzt erkennt der Kapitän, dass das Triebwerk 1 sich verabschiedet hat. Gerade noch rechtzeitig, um sich auf den koordinierten Einsatz des Fusses beim kommenden Geradeausflug vorzubereiten. 
Mit recht guter Sicht drehen die Piloten auf den Endanflug ein. Zeit um den Anflug zu besprechen bleibt kaum. Nur die wichtigsten Sachen werden besprochen, die grössten Gefahren memorisiert. Ein Checklistenpunkt ist noch offen, man soll kurz vor der Landung wieder alle elektrischen Systeme zuschalten, meint das Quick Reference Handbook. Die Versuchung ist gross, dies nicht zum machen, denn der Rauch wird mit Bestimmtheit wieder kommen und damit die Sicht dermassen einschränken, dass die Piste trotz bestem Wetter kaum erkennbar ist.
Knapp eine Minute vor der Landung drückt der Copilot die von der Checkliste verlangten Knöpfe. Sofort beginnt es wieder zu qualmen und der Kapitän steuert mit der einen Hand und mit der anderen wedelt er abwechslungsweise den Rauch aus dem Sichtfeld und justiert die Leistung des verbliebenen Triebwerks. FIFTY - FOURTY - THIRTY - TWENTY - TEN - RETARD! Das Flugzeug ist am Boden, die Sicht praktisch Null. Mit maximalem Bremseinsatz bringt der Kapitän das Flugzeug kurz vor Pistenende zum stehen. Wäre er der Versuchung erlegen und hätte der Strom vor der Landung nicht wieder eingeschaltet, das Flugzeug wäre wegen schlechterer Bremsleistung über die Piste hinausgeschossen. Das wiederum steht auf einer anderen Checkliste...
Ganze 14 Minuten nach dem Entdecken des Rauchs steht das Flugzeug auf der Piste15 in Salzburg. Ich sage MY CONTROLS und versuche vom Instruktorensitz aus das Gebläse in Gang zu bringen, das uns vom lästigen Rauch befreit.
Well done colleagues!

Samstag, Februar 02, 2013

Piloten-Yoga Essentials Part 2

Man kann es drehen und wenden wie man will, Pilot sein ist ein knüppelharter Job. Gerade auf der Kurzstrecke, wo der Wecker nicht selten klingelt, bevor Nachbars Hahn zum Appell kräht. Da spielt der regelmässige Konsum von Koffein in allen möglichen Formen eine wichtige und sicherheitsrelevante Rolle.
Der erste Kaffee eines typischen Swiss-Kurzstrecken-Piloten kommt aus einer Maschine Schweizer Manufaktur. Diese steht am Hotspot beim Briefingraum und liefert Kaffee in der Qualität von afrikanischem Brunnenwasser. Das macht allerdings nichts, denn an Bord ist die Brühe noch minderer Qualität. Die grösste Gefahr geht allerdings nicht vom Kaffee selber aus, sondern vom Überreichen desselbigen im Cockpit.
Damit wären wir bei der nächsten Übung unseres Yoga-Programms, beim "Mug-Turner".

Sitzt man stundenlang in der gleichen Position im Pilotensitz, führt dies unweigerlich zu Verspannungen. Doch nicht nur die Sitzposition ist Schuld daran, sondern auch der seelische Zustand. Die Fachliteratur meint dazu:

Die Muskulatur wird durch seelische Prozesse wesentlich beeinflusst. Schnittstelle ist die sogenannte Formatio reticularis, eine Art Wachheitszentrale im Hirnstamm. Sie regelt den Spannungszustand (Tonus) der Muskulatur und passt den Muskeltonus immer dem momentanen Spannungsbedarf an. Erhält die Wachheitszentrale keine oder nur geringe sensorische Reize (wie z.B. beim Schlafen), wird der Spannungszustand auf ein niedrigeres Niveau herabgesetzt - die Muskulatur ist entspannt.

Kurzstrecken-Kapitäne schlafen nicht bei der Arbeit, benötigen folglich längere Zeitspannen mit geringen sensorischen Reizen, damit sich die vom Sitzen gepeinigte Muskulatur entspannen kann. Am besten setzt man dies um, indem man dem Copiloten die gesamte Arbeit verrichten lässt. Damit die Verspannungen auch seitens der Seele gelöst werden können, braucht es positive Impulse in Form von charmant serviertem Kaffee.
Doch genau hier lautert die Gefahr des Hexenschusses. Wird der alte Herr Flugkapitän mit Kaffee abrupt aus dem meditativen Zustand geholt und zwecks Überreichung der Tasse in eine Rotationsbewegung gezwungen, kann der Blitz in der Lendenwirbelsäule schon einmal einschlagen. Wochenlange Schmerzen und ein ununterbrochenes Gejammer sind die Folgen, welche mit nachfolgender Übung vermieden werden können.

Nun zur Übung:
Herr Kapitän soll bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Rumpf langsam nach links und recht rotieren. Wichtig dabei ist wie immer die richtige Atmung. 

Einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen – Hommmmmmmmmmm.

Gelegenheiten gibt es mehr als man denkt. Der "Mug-Turner" kann auf der Toilette, einem Stuhl, beim Zeitungslesen, ja sogar beim Autofahren ausgeführt werden. Gerade beim Autofahren lässt sich dies mit Angenehmem verbinden. Schauen sie ruhig den jungen, weiblichen Geschöpfen nach, es dient schliesslich ihrer Gesundheit und stärkt die Lendengegend Lendenmuskulatur. Auch bei dieser Übung daran denken: Stets gut einatmen und ausatmen, wobei das Ausatmen durchaus auch in Form eines Pfiffes ausgeführt werden darf und kann.
Eine regelmässige Anwendung bringt bereits nach wenigen Wochen Linderung und Erfolg. Dass Herr Gemahl im Dienste der Gesundheit jedem jungen Ding nachpfeift wird Frau Gattin ihm verzeihen, wenn sie das erste Mal Herrn Kapitäns gestärkte Rückenmuskulatur zärtlich mit Rheuma-Salben eincremt.