Sonntag, Dezember 29, 2013

grosse Zahlen und ein doofer Pilot


Ich gebe es zu, ich träume auch gerne von grossen Zahlen. Gerade wenn es um Geld geht, unterscheide ich mich in keiner Weise von anderen menschlichen Geschöpfen auf diesem Planeten. 
Geld ist ja eigentlich das Unwichtigste der Welt. Die die es haben sind in der Regel wenig spannende Zeitgenossen und die die es nicht haben dafür umso mehr. Auch wieder so eine Verallgemeinerung, die gerade in diesen Tagen im Engadin wenig Anhänger findet. 

Doch zurück zu den grossen Zahlen: Die kürzeste Distanz von Zürich nach New York beträgt so ungefähr 6370 Kilometer. Nachgemessen habe ich das nicht, aber dafür im Internet erfolgreich danach gesucht. Und glauben sie mir, ich weiss, dass 6370 Kilometer eine verdammt lange Distanz sind, schliesslich habe ich die Strecke mit der B747, der MD11 und den Airbusmodellen A330 und A340 fast einhundert Mal in beide Richtungen abgeflogen.
Dabei haben wir stets den kürzesten Weg genommen und sind kurz nach dem Start in Zürich Richtung Westen abgedreht. Wir hätten es aber auch andersrum machen können, nämlich nach dem Start auf der 16 über dem Tennisplatz von Opfikon auf östlichem Kurs bleiben. So abwegig wie das auf den ersten Blick erscheint, ist es gar nicht. Schliesslich wollte Columbus Indien auch auf westlichem Kurs entdecken und machte so die Metapher mit New York in dieser Kolumne überhaupt möglich.

Heute wissen wir dank ein paar hellen Köpfen, dass die Reise zwischen Zürich und New York auf der längeren Punkt-Punkt-Verbindung so gegen 33’700 Kilometer misst (ich hoffe, dass diese Beschreibung den Lesern mit einer höheren mathematischen Ausbildung gerecht wird). Wem das nicht lange genug erscheint, kann auch von 33’700’000 Metern sprechen oder von 3’370’000’000 Zentimetern. Ohalätz, jetzt haben wir wirklich grosse Zahlen. Würde man auf dieser 33’700 Kilometern langen Strecke alle 30 Zentimeter einen Pfosten einschlagen, dann bräuchte es ungefähr 116’531’800 von diesen Holzdingern. Stellen sie sich einmal die Arbeit vor, wenn all diese Pfosten von Menschenhand eingeschlagen würden. Es würde sich zweifellos um die grösste Arbeitsbeschaffungsmassnahme aller Zeiten handeln!

Diese  Zahl von 116’531’800 habe ich natürlich nicht ungefähr gewählt. Es handelt sich dabei ziemlich genau um die Gewinnchance (1:116’531’800) für den Hauptpreis bei Euro Millions. Auch diese Zahl wurde nicht von mir berechnet, sondern wie heute üblich kritiklos vom Internet abgeschrieben. 

Doof wie ich bin, habe ich trotz meines Wissens um die uhuren lange Distanz zwischen Zürich und New York andersherum auf einen dieser zahlreichen Pfosten gesetzt. Einfach halber und weil ich es von oben so gut kenne, pflanzte ich meine Markierung mitten auf den Tennisplatz von Opfikon. Ich war mir zu erst nicht ganz schlüssig, ob ich ihn auf dem Platz 4 oder dem Platz 3 setzen soll – oder gar auf die Herrengarderobe? Ich habe mich letztendlich entschieden: Die Kreuze sind gesetzt, les jeux sont faits (schreibt man das so?)!

Auf jeden Fall ist eines sicher: Pilot sein schützt vor Doofheit nicht und wer 119 Millionen kassiert, hat diese redlich verdient! Drückt mir die Daumen, hoffentlich macht der Pfosten auf dem Tennisplatz in Opfikon das Rennen! Wenn nächstes Jahr in meiner Gemeinde der Steuerfuss um 25 % fällt, dann hat mein Pfosten auf dem Tennisplatz Opfikon alle anderen 116'531'799 anderen ausgestochen! 

Donnerstag, Dezember 26, 2013

Schwarzeis


Was wie ein neuer Krimi von Jo Nesbø klingt, ist in Tat und Wahrheit etwas vom beruhigendsten, was man im winterlichen Engadin erleben darf. Mitten in der kalten Jahreszeit auf einem See zu stehen, die Zeichnung der Risse im Eis deuten und dem Grollen des gefrorenen Wassers zu lauschen, ist schlicht weg einmalig.

Wie alles Schöne, ist auch das Schwarzeis endlich und den Launen der Natur ausgesetzt. Ein paar Schneeflocken genügen und dann sind die Risse bedeckt und die Musik, hervorgerufen durch die Spannungen im Eis, bis zur Unhörbarkeit gedämpft.
So zog ich vorgestern meine letzten Runden auf dem Champfèrersee und erfreute mich seit gestern der weissen Pracht, die reichlich vom Himmel fällt.

Faszinierend, wie beruhigend Schnee sein kann, selbst wenn er einem mit mehr als fünfzig Stundenkilometern ins Gesicht geschossen wird. Die Gehwege versinken im Weiss, die Spaziergänger, erstaunlich viel in der Zahl, ziehen die Mützen über die Ohren und lachen mehr als sonst im Tal üblich. 

Endlich brennt Licht in Wohnungen, die den ganzen Rest des Jahres kalt und dunkel bleiben. Die sonst leeren Geschäfte sind zum Brechen voll und es scheint, als ob der Gubriststau über die Festtage nach St. Moritz gezügelt wurde. 

Das Engadin ist in diesen Tagen fest in italienischer Hand. Grosse Autos mit Nummernschildern verziert mit einem kleinen I stehen an allen möglichen und unmöglichen Orten herum und Damen in modische Watte verpackt verkünden lauft und mit hoher Stimme, dass ihnen das Leben gefällt und das Engadin sowieso. Wer sich darüber aufregt ist in der Minderheit und mit Bestimmtheit Deutschschweizer Abstammung. Man wünscht sich über weite Distanzen schöne Festtage und verteilt Küsschen auf gut grundierte Wangen. Lebensfreude pur und das im stürmischen Schneefall. Unser Hund freut sich mit, springt, schwänzelt, bellt und klaut so ganz nebenbei dem Mailänder Nachwuchs den Butterkeks aus dem Kinderwagen. Was auf Zürcher Hundewegen zu tierpsychologischen Abklärungen führen würde, provozierte bei allen Beteiligten – ausser dem direktbetroffenen Baby – Heiterkeit. „Man muss die Löwen auch Mal brüllen lassen“, meinte der Babyvater und tätschelte meinem Hund liebevoll den Kopf.

Die Schneehöhe nahm für unseren 4x4 im Pelz langsam bedrohliche Ausmasse an uns so machten wir uns auf den Heimweg. In unserem vier mal fünf Meter grossen Refugium roch es nach Weihnachtsgebäck und Hundebisquits. Während erstere einen süssen Duft verströmten, die jedem vernünftigen Menschen ein Knurren im Bauch verursachen, stanken zweitere nach einer Garderobe in einer Armeeunterkunft nach der Überlebenswoche. Die Geruchsmischung sorgte dafür, dass unser Gewicht stabil blieb und der 4x4 im Pelz seine Kalorienbilanz ausglich. Doch keine Angst, wir Menschen kamen kulinarisch auch auf unsere Rechnung. Unsere schwäbischen Nachbarn in der Dachwohnung luden zum Abendessen ein und das liessen wir uns nicht entgehen. Gemütliche Gesprächspartner und exquisites Essen. Zur Vorspeise gab es Austern an Vinaigrette und als Sättigungsbeilage (Zitat Gastgeber) Baliklachs und andere Leckereien. Dazu wurde „Untertürkheimer Gips“, ein edler Weisswein aus Baden Württemberg, gereicht. 

Mittlerweile schreiben wir den 26. Dezember und im Engadin wartet man auf den grossen Ansturm derer Gäste, die Weihnachten zu Hause in den eigenen vier Wänden feierten. Frau Holle hatte aber andere Pläne und betonierte die Zufahrten ins Tal mit dem ach so wichtigen Weiss zu. Einige der Passstrassen sind gesperrt, andere nur mit dem Leopard-Panzer passierbar. Die Skipisten sind ganz gesperrt, was uns Langläufer wenig kümmert.

Was bleibt sind die Wanderungen durch tiefverschneite Wälder und zufriedene Zeitgenossen die realisieren, wie schön und erholsam die schneebedingte Verlangsamung des Lebens ist. Was für ein Motto für das neue Jahr! Oder frei nach dem Mailänder Babyvater: „Man muss die Löwen auch 2014 mal brüllen lassen…“ 



Ich wünsche allen Lesern Gelassenheit im Umgang mit Vorgesetzten, Flugverspätungen und Treibstoffzuschlägen. Ich wünsche allen Passagieren einen vernünftigen Umgang mit dem Handgepäck und ein erhöhtes Bewusstsein für den grossen Einsatz der Besatzungen. Ich wünsche mir bei Arbeitszeiten von mehr als elf Stunden wenigstens eine kleine Mittagspause und ich wünsche mir Arbeitnehmer, die vermehrt wieder den Mut haben Nein zu sagen. Ich wünsche mir wieder mehr Zeit für das Schreiben und weniger Frust mit Computern von Herstellern, die ich privat nie erwerben würde. Ich wünsche allen Lesern ein schönes 2014 und dem Engadin einen neuerlichen Schwarzeis-Start in den Winter 2014/15!

Freitag, August 16, 2013

the world is not enough


© Manuel S.

Endlich sind die Temperaturen wieder in einem Bereich, wo man am Abend genüsslich einen Faserpelz anziehen und dazu ein wärmendes Getränk geniessen kann. Genau der richtige Zeitpunkt, die Blog-Sommerpause aufzuheben.

Dieser Wechsel von Sauna- zu Wohlfühltemperaturen erlebte ich im östlichen Teil Europas. Genauer in einem Cockpit gut 1500 Fuss über einem wenig frequentierten Flugplatz.
Flugtraining stand an und es wurde bewiesen, dass Linienpiloten entgegen der vorherrschenden Meinung in den Medien und der Aviatikgemeinde sehr wohl eine A320 bei schwierigem Wetter und ohne Automatik und ILS komfortabel und stabilisiert auf den Boden bringen.

YOU ARE CLEARED FOR TOUCH & GO, NO BRAKES, NO REVERSE hiess es meinerseits mehr als zwei Dutzend Mal und die Kandidaten legten Landungen und Anflüge hin, die in ihrer Qualität seinesgleichen suchen. Dass ich dabei an einem Tag auf dem rechten Sitz und an zwei Tagen auf dem linken sass, hatte mit den Kandidaten zu tun. Wir bildeten sowohl Kapitäne, als auch Copiloten aus.

So ein Training ist intensiv und sehr eindrücklich, sowohl für Instruktoren, als auch für die Kandidaten. Umso schöner zu beobachten, mit wie viel Engagement und Enthusiasmus (schreibt man das so?) an die Arbeit gegangen wird. Dass auch angehende Kapitäne mit weit über 10'000 Flugstunden bei jeder Gelegenheit ihr Flugzeug ablichten zeigt, wie die Freude am Beruf ungebrochen ist.

Viel Spass und Erfolg auf der Strecke!

Montag, Mai 20, 2013

Tabubücher



Ich lese gerne Texte aller Art. Die geistreichen, spitzformulierten und zuweilen auch bissigen, haben es mir besonders angetan. Es gibt ein paar Publikationen, die ich richtiggehend verschlinge, ich mich auf die Veröffentlichung der neuen Nummer freue. Nein, Werbung werde ich an dieser Stelle keine machen, denn wer Werbung für Lesestoff macht, tut das in erster Linie um sein eigenes Image zu pflegen – und das, liebe Leserinnen und Leser, sollten mittelalterliche Herren so um die 47 wirklich nicht nötig haben.

Wer einmal bei mir zu Besuch war, der vermutet hinter dem Bewohner der Zürcher Vorstadtwohnung keine Leseratte. Bücher findet man, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, in meiner Wohnung keine. Kaum gelesen, gebe ich die Werke weiter oder lösche sie von meinem iPad. Weg sind sie dadurch nicht, ich versuche die Geschichten so lange wie möglich in meinem Kopf drehen zu lassen und träume nicht selten auch davon. Denn nur in meinem Kopf treffen sich Herr Wolkenbruch und Kommissar Hole zum Bier in irgendeiner Kneipe und tauschen Boshaftigkeiten mit viel Witz aus.
Doch leider macht die träumerisch freie Auslegung von Büchern und Geschichten nicht immer Sinn. Mit der Bibel soll man nicht spassen, mit dem Koran schon gar nicht und auch das rote Abstimmungsheft ist Tabu.

Wehe dem, der im Gedankenrausch zwei Religionen durcheinander bringt oder den eidgenössischen Abstimmungstext umformuliert. Im besten Fall droht die Kreuzigung, vom schlechtesten wollen wir an dieser Stelle gar nicht schreiben. Doch das schlimmste, das gefährlichste und das tabureichste Buch der zivilisierten Welt ist das Operational Manual von Flugzeugen. Auf tausenden von Seiten werden Systeme, Prozeduren und Farbcodes erklärt in einer Sprache, die hunderte von Anwälten absegnen mussten. Der Unterschied von «should» und «shall» kann einem die Lizenz kosten, ein Nichtbeachten von einer «Note» führt unweigerlich zu Kaffee und Kuchen beim Chefpiloten.

In regelmässigen Abständen werden von Heerscharen von Spezialisten Revisionen durchgeführt, die dem Benutzer, also dem Piloten, in kleinen und gut versteckten Häppchen serviert wird. Kommissar Hole hätte die Verursacher dieser Tragödie durch Oslos Vorstädte gejagt und Wolkenbruch hätte Mottele auf die Bösewichte angesetzt.

Uns Piloten fehlt die Portion Abgeklärtheit, die Boshaftigkeit oder vielleicht auch die Coolness, solche Revisionen Revisionen sein zu lassen und unbeschwert, wie es Oskar Bider vor hundert Jahren machte, ein Flugzeug zu besteigen und den Alpenkamm zu überfliegen. Ganz ohne Papier, ganz ohne Juristen und weder mit «shall», noch mit «should». 

Sonntag, Mai 19, 2013

der Kugelschreiber-Räuber

Kennt ihr ihn auch, den Kugelschreiber-Räuber? Kein Schreibgerät ist vor ihm sicher, er packt sich alles, womit er Papier zutexten kann.
Ich oute mich hier und jetzt, ich gehöre zu dieser Spezies.

Könnten sie hier unterschreiben? Der Fragesteller ist sich des Verlust seines Schreibgeräts sicher!
Würden sie bitte ihren Namen und ihre Adresse notieren? Pech gehabt, ihr Caran d'Ache ist jetzt mein!
Hat jemand meinen Füller gesehen? Äh, ja, Entschuldigung...

Dabei mache ich das gar nicht bösartig. Es ist ein Reflex, eine antrainierte Unsitte. Was soll man von einem Buchstabensüchtigen auch erwarten?

Das nervt nicht nur meinen Arbeitgeber, sondern auch meine Mitstreiter im Cockpit und meine Frau zu Hause, wenn sie in allen möglichen und unmöglichen Taschen meiner Jeans vor und nach dem 40° Waschgang Schreibzeug aus chinesischer Manufaktur findet. Die blauen Flecken harmonieren in den seltensten Fällen mit dem Muster oder der Farbe der Jeans, was zu langen Putzeinlagen mit ätzender Chemie führt.

Meine Schwester hat mir nach fast 47 Lebensjahren ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk gemacht. Eine geschätzte Million Schreibstifte mit einem wichtigen Aufdruck fanden mit Geschenkpapier umwickelt den Weg in mein Heim. Das ist besser als jede Visitenkarte, origineller als Vitaminpillen für Personen jenseits der 45 und stärkt zudem mein Selbstvertrauen.


Ich werde bei Gelegenheit die Dinger unter die Leute bringen, um mich für all die Diebstähle in den vergangenen 47 Jahren zu entschuldigen. Geburtstag habe ich übrigens am 22. – es muss diese Jahr kein Füller sein :-)

Machets guet, ich gehe jetzt an den Beach Club in die Sommerferien. Soll ich Euch ein bisschen Eifersüchtig machen? Im nächsten Bild seht ihr einen Screenshot der Web-Cam von heute Morgen...

Adieu



Donnerstag, Mai 16, 2013

Schuld ist am Schluss immer das Shampoo!


Neulich war ich in Nizza. Das ist die Stadt am Mittelmeer ohne Sand, dafür mit einem lustigen Flughafen und einer Standpromenade, die den Engländern gewidmet ist. Man liess mich am Flughafen aussteigen und etwas französische Luft schnuppern. Ein deutsches Automobil brachte mich in die Nähe der grossen Hotels, wo ausser Russisch fast nichts anderes gesprochen wurde. Russen mögen das Opulente, das Luxuriöse, ich das Einfache und das Traditionelle.
So liess ich Meer Meer sein und bummelte durch die engen Gassen der Altstadt. An der ersten Boulangerie gönnte ich mir ein Éclaire, in der zweiten ein oder vielleicht auch zwei der köstlichen Macarons.
Ein Bistro weiter nahm ich Platz und liess mir vom Garçon einen Pastis und etwas ofenwarmes Baguette an den Tisch bringen. Mit dem Messer strich ich zentimeterdick Tabenade auf das Weissbrot und verlangte nach einem zweiten Anisgetränk. Ob ich noch etwas Hunger hätte?, fragte mich der Garçon freundlich, was ich mit leichtem Akzent bejahte. Er hätte ein ausgezeichnetes Filet de Rougets, serviert auf einem Ratattouile, meinte er mit einem spitzen Lächeln auf der Lippe. Ich bestellte das Empfohlene und verlangte nach einem Glas Hauswein.
Der Tagesteller mundete herrlich und der abschliessende Käseteller, serviert mit frischen Feigen, war die Krönung der kleinen Zwischenmahlzeit. Bald versteckte sich die Sonne hinter den Russen-Hotels und die Blumenhändler brachen ihre Zelte ab. Ich bezahlte, bedankte mich, zog den Hosenbund über den Bauch und erkundete die nächste Gasse.

Ein kleines Geschäft, geschmückt mit Malereien aus der Provence, verkaufte Nougatstangen, die mich an meine Kindheit erinnerten. Ich gönnte mir zwei davon – eine für den Heimweg und eine für Heimflug am nächsten Tag. Doch bereits nach ein paar Metern verstaute ich die angeknabberte Köstlichkeit, denn vor mir stand eine Verkaufstheke, die frisch zubereitete Glacé hinter einer meterlangen Scheibe zum Verkauf anbot. Zwei Kugeln wurden es schlussendlich, eine mit Mandeln und eine mit Pistazien. Der Spaziergang fand ein vorläufiges Ende in einem Dépanneur, wo ich mich mit Frischwasser und einem kleinen Sack zuckerüberzogenen Mandeln eindeckte.
Was für ein schöner Abend! Ein Leben wie Gott in Frankreich.

Bei all diesen Köstlichkeiten muss in Zeiten der grossen Diäten die Frage nach dem schlechten Gewissen auftauchen. An dieser Stelle sei ganz deutlich gesagt: Ich hatte und habe auch in Zukunft kein schlechtes Gewissen, sei mein BMI auch noch so hoch. Schuld für den Ranzen ist nicht das Essen, sondern einzig und alleine das Shampoo.
«For extra Body and Volume» steht auf jeder Flasche. Selberschuld, wer das Kleingedruckte nicht studiert!  Wer abnehmen will, benutze für die Haar- und Körperpflege zukünftig Kernseife! Die Éclaire haben nichts, aber auch gar nichts mit dem Übergewicht zu tun!
 Bon Appétit!

Sonntag, Mai 05, 2013

Sportflugzeug

Letzte Woche habe ich gelb-schwarze nach Madrid gebracht und heute rot-weisse nach Stockholm. Offensichtlich bringe ich Glück und das nicht zu wenig!
Liebe Sportlerinnen und Sportler, liebe Funktionärinnen und Funktionäre: Wenn Sie die Medaille auf sicher haben wollen, dann braucht es Training, in gewissen Sportarten einen guten Frauenarzt spanischer Herkunft und eben mich als Piloten.

Über meinen Arbeitgeber kann ich gebucht werden. Folgende Sportanlässe würden mich interessieren:

Internationale Kanurennen Muotathal 17.-20. Mai 2013
Champions League Final Wembley
Tour de France Alpe d'Huez Etappe oder die auf den Tourmalet
Fussball-WM Rio 2014
Olympische Winterspiele Sochi 2014 – oder wie man das schreibt.
... und weitere Sportanlässe ausser Tennis.

Donnerstag, Mai 02, 2013

Smoke on the Balkon


Jetzt rauchen sie wieder, die Weber's, die Grillrangers, die Kohlenpötte und die Freiluftfeuer. Landauf und landab stehen Männer vor Ungetümen und machen das, was sie sonst tunlichst vermeiden: Küchenarbeit.

Mit frivoler Schürze ausgestattet stehen sie vor dem gasgeheizten Berg Metall und machen ein Gesicht, als ob sie staatsmännische Pflichten zu verrichten hätten. Der Gashahn wird voll aufgedreht, Rekordwerte an Temperatur angestrebt.

Hier grillt der Chef, die Frau spielt höchstens die Neben-Neben-Rolle. Neben-Neben-Rolle heisst, dass sie den Tisch deckt, für Biernachschub sorgt, den Salat wäscht, die Beilagen zubereitet, den Wein aus dem Keller holt und das Brot in kleine Stücke schneidet.
Während dessen steht der Mann am Grill und malträtiert das Fleisch mit einer BBQ-Sauce, von deren Wirkung auf die Geschmacksnerven er seit Jahren überzeugt ist.

Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um das Fleisch auf den Grill zu werfen, entscheidet der Mann und ausschliesslich er.
Unabhängig von den Vorarbeiten der Neben-Neben-Darstellerin, wird das Stück Rind auf den Grill geworfen, wo die ach so gute BBQ-Sauce sofort Feuer fängt und umliegende Liegenschaften mit einer dicken Rauchschwade umhüllt.
Es zischt, funkt, stinkt und brodelt, als sässe man am Schlund des Ätna kurz vor einer Eruption. Der GroGriMe (grosse Grillmeister) behauptet, dass so – und nur so der unvergessliche Geschmack entstehe, für den seine Grilladen bekannt seinen. Abwechslungsweise kratzt sich der GroGriMe am Arsch und drückt danach mit dem Daumen im Fleisch herum, damit der Garpunkt auch nicht verpasst wird.

In der Küche rotiert die Neben-Neben-Darstellerin wie wild herum. Ohne Absprache wurde das ännet der Grenze gekaufte Rindsfilet auf den Grill geworfen, obwohl die Beilagen noch weit von der optimalen Betriebstemperatur entfernt sind. Es wird hektisch – sowohl am Grill, als auch in der Küche. Die Frau Gemahlin schneidet, rennt richtet an und deckt den Tisch. Der Herr Gemahl verbrennt sich seinen Daumen, flucht, nimmt ihn zur Kühlung in den Mund und kratzt sich danach noch einmal am Arsch, bevor er den Filet-Druckpunkt fasst und das Teil elegant wendet.
Aus der braunen BBQ-Sauce wurde eine schwarze Kraterlandschaft. "Ideal" vermeldet der Arschkratzer und lässt Richtung Küche verlauten, dass man in drei Minuten speisen könne.

Besucher werden an den Tisch gebeten, der genauso aus weissem Plastik ist, wie die Stühle und der Sonnenschirmhalter. Das Bier ist warm doch niemand getraut sich etwas zu sagen.
"Perfekt!", verkündet der GroGriMe stolz und bestellt in der Küche mit preussischem Unterton die Frau mit Zutaten an den Tisch.
Pampiger Salat an Fertigsauce wird gereicht und fast rohe Kartoffen findet den Weg auf den Teller.
"Es geht nichts über einen gemütlichen Grillabend!", frohlockt der GroGriMe, während die Gäste versuchen mit den Messern das Stück Kohle in mundgerechte Stücke zu schneiden.

Der Weber Grill leidet, andere auch…

Samstag, April 27, 2013

Seventy Knots!



Stapelweise flattert sie ins Haus, Ankündigungen von Verfahrensänderungen und Vorschriften.  Revisionen nennen wir Piloten das und die sind uns etwa gleich unsympathisch wie die Revisionisten. Ausdrücke wurden juristisch nachgeschliffen und verbeamtisiert, Checklisten angepasst und vereinfacht – da und dort auch verkompliziert und obligatorische Ausrufe von 80 auf 70 geändert – was sich in der Praxis als ziemlich hinterhältig herausstellte!

Das alles muss das nachfluggeplagte Hirn eines Piloten lernen und auch behalten. Lerntricks gibt es dabei zahlreiche. Die einen kleben sich Post-it's an jede mögliche und unmögliche Stelle und andere lernen die Checklisten in realitätsnaher Stellung auswendig, indem sie die Sätze militärisch korrekt und in Kasernenhof-Lautstärke immer und immer wieder hinausposaunen.
Diese realitätsnahe Stellung erreicht man am besten auf der Kloschüssel, was beim Einüben der neuen Verfahren immer wieder zu Eheproblemen führt, weil die Partnerin bei den vom Partner abgegebenen Lauten automatisch an den Konsum von illegaler Pornografie denkt.

Ziel muss es sein, dass am Tag X alle Piloten vom gleichen Verfahren sprechen, das am Tag X-1 noch strengstens verboten war. Probleme gibt es hin und wieder, wenn Pilot A am Tag X-1 aus längeren Ferien kam, bei denen er keine Internetverbindung hatte. Nach längeren Ferien pflegen ältere Piloten zwecks Erhaltung der Qualität, wichtige Checklisten noch einmal zu repetieren, um sich braungebrannt keine Blösse zu geben. Und sie ahnen es, liebe Leserinnen und Leser, dies macht man am besten in realitätsnaher Stellung, nämlich beim Heimflug auf der Bordtoilette. Dies wiederum kann zu Friktionen mit dem Kabinenpersonal führen, obwohl es letztendlich auch in ihrem Wohl wäre.

Tritt also so ein Pilot gut vorbereitet am Tag X seinen Dienst an kann es sein, dass sich die aviatische Welt ohne sein Wissen grundlegend verändert hat. Die Checklisten sind ihm fremd, die Crew sowieso. Spätestens wenn der Copilot bei der Landung den "80kts Call" auslässt und plötzlich "70kts" schreit, findet man sich in der neuen Welt wieder.

Es ist dann Zeit, sich zu Hause mit dem Computer ins Klo zu verziehen und das verpasste aufzuarbeiten. Pech, wenn es wie bei mir Spargeln gegeben hat, der Gestank – ach Sie wissen schon…

Dienstag, April 23, 2013

das grosse Warten

Unser firmeneigenes Computersystem läuft wieder einmal langsamer als die Fussgänger in Douala. Es dauert eine Ewigkeit, bis nur das Firmenlogo erscheint. Nein, das ist keine Attacke über das Internet – oder etwa doch?

Vermutlich sitzen Tausende von Kolleginnen und Kollegen jetzt vor ihren Computern und versuchen den Flugeinsatz vom Monat Mai herunterzuladen. So um den 23. des Vormonats wird dieser publiziert. Erst danach kann das Arbeits- und Sozialleben geplant werden. In den Agenden sind schon viele Termine mit Bleistift eingetragen. Frühlingsfeste, Familieneinladungen, Sportveranstaltungen, Vereinsanlässe – viele Kolleginnen und Kollegen warten auf eine Zu- oder Absage. Diese können aber erst gemacht werden, wenn der Monatseinsatz publik wird. Kein Wochenende ist fix Frei geplant, kein gesetzlicher Feiertag poppt als Freitag im Kalender auf. Ganze 31 Tage sind wir planbar im Mai, ein Traum für jeden Arbeitgeber, ein Albtraum für das Sozialleben.

Leider gibt uns auch kein Arbeitsrecht Rückendeckung, denn diesem unterstehen wir explizit nicht.

Doch es geht nicht nur um Freitage, sonder auch um Ferien. Falls diese nicht im Voraus bestätigt werden können, werden sie mit dem Arbeitseinsatz bestätigt. Pech, wer die Ferienwohnung bereits gebucht hat!

Ich versuch es noch einmal...

Samstag, April 20, 2013

30-Minuten

Manchmal überkommt mich die Lust auf das Schreiben. Es fühlt sich an wie eine Erregung der Fingerspitzen und ist weit ungefährlicher und mit weniger Nebenwirkungen verbunden, als Erregungen anderer Art.
Wer schreiben will braucht ein Thema und dieses so auf die Schnelle zu finden ist gar nicht so einfach.
Meine Frau sagte eben, dass sie in gut dreissig Minuten fertig ist und wir dann gehen können. Wohin?  Das geht sie gar nichts an!

Diese dreissig Minuten habe ich zu meinem Thema gemacht, obwohl nur noch deren 26 davon übrig sind. In dreissig Minuten kann einiges geschehen,  Dreissig Minuten sind in der Kurzstreckenfliegerei eine Ewigkeit: Dreissig Minuten Holding – reicht der Fuel? Dreissig Minuten Geradeausflug – wo bleibt das Hotmeal? Dreissig Minuten Verspätung – Tja! Dreissig Minuten Überzeit – vergiss es! Dreissig Minuten ohne Kaffee – leckt die 609 wieder einmal? Dreissig Minuten Zeit um die persönliche Hardware zu aktualisieren – das reicht nie und nimmer! Innerhalb dreissig Minuten zur Mittagszeit am Zürcher Flughafen einen Parkplatz gefunden – so schnell gings noch nie – neuer Rekord!

Dreissig Minuten reicht einem Piloten zum Duschen, Koffer packen, Frühstücken und zum Quatschen. ABER – wir lassen uns firmenkonform eine Stunde vor der Abfahrt wecken und dreimal dürfen sie raten wegen wem...

Medientheoretiker behaupten, dass man als Schreiberlinge sogenannte Ratteninseln in seinen Text einbauen soll. Ratteninseln retten den Leser vor dem Ersaufen im Buchstabenmeer. Da mit gerade keine Ratteninsel einfällt schlage ich vor, dass sie kurz austreten. Bei uns zu Hause geht das im Moment aber nicht, meine Frau hat noch 19 Minuten im Bad.

Sind sie wieder da? Gut so, ich habe mir einen kleinen Espresso gemacht und das hat meine Geister wieder geweckt. Wissen sie übrigens, dass eine A320 während dreissig Minuten Holding ungefähr 1200 Liter Kerosin verbrennt? Das ist nicht gut, gar nicht. Ich verbrenne während des Schreibens in einer halben Stunde laut Google 54 Kilokalorien. Das ist darum so viel, weil ich erstens viel wiege und zweitens sehr geistreiche Texte schreibe. Das Suchen nach dem richtigen Genitiv oder Akkusativ hat keine nachhaltige Wirkung auf den Energieverbrauch, darum lasse ich es auch sein.

Mmmmmh, sind sie noch da?

Ich habe übrigens nichts genommen, wenn auch dieser Text darauf schliessen würde. Manchmal muss man einfach im Training bleiben und das ist beim Sport genauso wie beim Schreiben. Darum kommt dieser Text dem Nordic-Walking ziemlich nahe. Unsinnig und dennoch nützlich. Apropos Nordic-Walking: Wissen sie, wie man die Nordic-Walkerinnen in unserer Gegend nennt? Stock-Enten! Sie gackern wie die Enten und haben Stöcke dabei... Das war gemein, ich weiss, aber manchmal darf man(n) das.

Sodeli, der Föhn verstummte. Jetzt bin ich an der Reihe. Kurz annässen, Deo drauf und rein in das feine Tuch. Das dauert bei mir sieben Minuten. Adieu und bis bald!



Billig fliegen – viel Spass!

Nein, unsicherer sind sie nicht, die Billigflugairlines:




Donnerstag, April 18, 2013

Heathrow

Das effizienteste Höhlensystem der Welt ist definitiv Heathrow. Wer als Crew schon einmal den Ameisenhaufen per Crewbus verlassen hat weiss, warum ich einen der grössten Flughäfen Europas Höhlensystem nenne...

Der Wind blässt englisch daher und lässt die Piloten und ihre Maschinen hin und her tanzen. Wind aus 230° macht nicht nur in Zürich Mühe. Mit etwas Erfahrung weiss man, wo genau der Flügel taucht und mit welcher Klappenstellung man landen sollte.
Alle 2.5 NM ein Flugzeug. Es rüttelt und schüttelt – England heisst uns willkommen! Wehe, man hält die 160 Knoten nicht genau bis sieben Kilometer vor der Piste ein und wehe man verlässt die Landebahn nicht subito mit rauchenden Bremsen über den ersten Rollweg.

Angekommen, geschafft. 247R heisst der Standplatz wie so oft bei Londonflügen. Bleiche Passagiere raus, solche mit Farbe im Gesicht rein.

Pushback und weiter geht's. "Hold short Titan", meint der Controller. Widerstand zwecklos, vor uns steht ein Jumbo. Wir starten im Moment auf der 27R – gelandet wird auf der 27L – im 2.5NM Takt versteht sich, schliesslich sind wir in London.

Der Mann hinter dem Mike redet ruhig, dennoch hoch getaktet. Er lässt eine A319 raus, dann die 737 der Easy. Es folgt eine 777 der WeissGottnichtwasAirline und danach der Jumbo. Jumbo ist als Flugzeug gut, wenn man drin sitzt, wartet man aber dahinter, heisst das eine Zwangspause von zwei Minuten. Wegen der Wirbelschleppen übrigens, aber das ist kompliziert.

Zwei Minuten Pause in Heathrow – undenkbar. Der Tower-Boy hat das vorausgesehen und nahm eine Maschine der Iren auf die ILS 27R. Es passt genau! Kurz nachdem die 747 Richtung Amerika abhebt, setzt die grüne Maschine auf der Landebahn auf und wir dürfen danach die Piste für uns in Anspruch nehmen. Zwei Minuten und zehn Sekunden nach dem Start der schönen alten Dame geben wir Vollgas. Zeit wurde keine verschwendet, in Heathrow wäre das undenkbar.

Well done Tower-Boy! See you tomorrow!



Freitag, April 12, 2013

Verspätung

Gerannt sind wir nicht, aber auch nicht geschlendert. Bei einem Flugzeug erst die Motoren abgestellt, sitzen wir bereits im nächsten. "Können wir die Passagiere bringen?", werde ich von einer charmanten Bodenhostess gefragt.

"In vier Minuten ist die Betankung abgeschlossen, dann von mir aus schon." Sie läuft konsterniert wieder die Passagierbrücke hoch. "Dann gibt es halt Verspätung", höre ich sie noch brummeln. "I couldn't care less", brummle ich zurück.

Die Leute schreiten langsam die Passagierbrücke hinunter. Handgepäck, als würden sie an der Destination ein neues Leben beginnen. "Grüezi, Hallo, Bonjour, Konitschiwaaaaaa". Jeder hat mindestens einen Koffer, einen Sack vom Sprüngli und ein Nackenkissen dabei und das bei einem Flug von 45 Minuten!

"Grüezi, Hallo, Bonjour, Konitschiwaaaaaa"

"Ein Passagier fehlt!", brummelt die Bodenhostess, deren Stimme so ganz und gar nicht zu ihrer Erscheinung passt. "Ohne Gepäck!", ruft sie hinterher.
Was für ein Zufall, der einzige Passagier der Welt, der ohne Gepäck verreisst, wollte mit mir fliegen! Heureka, wenn das kein gutes Omen ist!

So schliessen wir die Türen und warten auf die Startfreigabe. Da sind wir nicht die Einzigen am heutigen Mittag in Zürich. Mit Glück gehen wir in zehn Minuten, mit Pech dauert es etwas länger.
Ich mache eine Passagieransage und informiere die Gäste. Wie immer lobe ich sie leicht sarkstisch für ihr zügiges Einsteigen, vertröste sie und verspreche ihnen, dass wir pünktlich den Anflug an der Destination beginnen werden. Den Anflug beginnen wir in der Regel immer pünktlich, bevor wir dann in die Warteräume einfliegen...

Es geht los, der Traktorfahrer bringt uns in Position und wenige Augenblicke später rollen wir los. Gut koordiniert, liebe Kollegen von der ATC! Wir starten ein paar Minuten später, ohne unnötigen Treibstoff verbrannt zu haben.
Alles läuft wie am Schnürchen. Abkürzungen hier, Abkürzungen da – wir sparen Zeit und Treibstoff. Tatsächlich beginnen wir den Anflug pünktlich und müssen wider Erwarten den Warteraum nicht beglücken.

Nach der Ladung warten wir fünf Minuten auf einen freien Standplatz, mit einer Verspätung von drei Minuten docken wir an.
Noch während die Gäste aussteigen, wird mein Typ verlangt:

"Können wir die Passagiere bringen?", werde ich von einer charmanten Bodenhostess gefragt.

"In zehn Minuten ist die Betankung abgeschlossen, dann von mir aus schon." Sie läuft konsterniert wieder die Passagierbrücke hoch. "Dann gibt es halt Verspätung", höre ich sie noch brummeln. "I couldn't care less", brummle ich zurück.

Das Handgepäck verlässt das Flugzeug, dazwischen erblicke ich einige Gäste. "Ich wünsche Ihnen einen guten Start in Ihre neue Existenz", sage ich zu der Dame mit den drei Handgepackstücken. "Ich bleibe nur zwei Tage", ihre kurze Antwort.

"Adieu, au revoir, Sayonara, Auf Wiedersehen."

"Schon wieder zu spät!", faucht mich ein Landsmann mit bergigem Ursprung an. "Wir sind ämel pünktlicher, als ihre Kuh kalbet! Gället si?!?"Er geht und brummelt wie die Groundhostess in ... – ach wo war das schon wieder?

"Adieu, au revoir, Sayonara, Auf Wiedersehen."

"IT'S GREAT TO BE LATE", hiess vor Jahren ein Aufdruck auf den beliebten Swissair-Schokoladen. Es war ein Werbespruch, kreiert von einem Kommunikationsfröilein, die Werbung machen wollte für den späten Flug nach Newark.
Doch so schlecht war dieser Spruch auch nicht, ich erwähne ernsthaft eine Neuauflage der süssen Rechtecke zu starten!

"IT'S GREAT TO BE LATE!"

Häbet es schöns Wuucheänd!



Donnerstag, April 11, 2013

Das beste Büro der Welt

Wenn ein Kollege am Morgen die Glieder nicht mehr spürt, vom Fieber geschüttelt oder ganz einfach verschnupft ist, dann braucht es Ersatz.
Ein Anruf, ein Stau am Gubrist und ich betrat das schönste Büro der Welt. Ein kleiner Eindruck des Arbeitstags:


Die Sonne scheint für uns!

Auf dem Weg nach NCE.

... das sieht nach einem Visual Approach aus!



Acht Minuten und 400kg Fuel gespart...


Vor dem letzten Leg nach Zürich.

... der beste Arbeitsplatz der Welt.

Montag, April 08, 2013

Wann? Warum? Wieso?

"Wann kommst Du wieder auf die Langstrecke?", werde ich fast täglich gefragt. "Hoffentlich so schnell nicht wieder!", meine spontane Antwort.

Warum das Langstreckendasein eine so hohe Priorität geniesst unter den Piloten, ist eines der Rätsel, die geheimnisvoll bleiben werden. Fünfzehn Jahre bin ich über die Ozeane geflogen und habe es genossen. Fünfzehn Jahre habe ich mich in Städten breit gemacht, die ich zuweilen besser kannte, als meine Homebase Zürich. Ich habe mit aber auch fünfzehn Jahre den Arsch auf den harten Sitzen flach gesessen und dabei meinem Körper viel Leid zugeführt in Form von Schlafentzug. Schlafentzug ist eine abgeschwächte Form der Folter und kann – das meine ich und die Mediziner – tatsächlich auch zu psychischen Problemen führen.

Also, wieso soll ich mir das antun, auch wenn auch ich dadurch mehr und anstrengender arbeite, als die Kollegen auf den grossen Pötten? Einundfünfzig Stunden habe ich in den letzten sechs Tagen gearbeitet, was mir 77 Stunden FREI beschert. 77 Stunden, in denen ich mich auf die nächsten Einsätze vorbereite, Instruktionsthemen erarbeite und Revisionen nacharbeite, damit ich zum Antritt meines nächsten Dienstes wieder arbeitsfähig bin. Anstrengend, ich weiss, doch ich liebe meine Arbeit, auch wenn ich sie nicht mehr mit einem 100 Prozent Pensum machen kann.

Jede Nacht zu einer vernünftigen Zeit ein paar Stunden in einem Bett zu liegen ist es wert, diese Mehrarbeit in Kauf zu nehmen. Schlaf ist wichtig, Schlafentzug die Hölle.

Warum ich das schreibe? Ganz einfach, der Wert meiner Arbeit wird wieder einmal in Frage gestellt, und das aus den eigenen Reihen. Zu teuer seinen wir, zu ineffizient. Kurzstrecke sei zu unrentabel, auch wenn wir pro Tag mit zwei Piloten und vier Flightattendants bis zu 800 Personen transportieren. Wenn ich die Kosten (Lohn, Sozialleistungen) überschlage und auf die von mir jährlich transportierten Passagiere umwälze, komme ich auf Kosten von nicht einmal fünf Franken pro Passagier und Flug. So gesehen kostet die ganze Crew zwischen 10 und 15 Franken pro Passagier und Reisestrecke. Als ich zuletzt ein Ticket für mich nach Berlin Tegel kaufte, wurden mit 73 Franken an Gebühren in Rechnung gestellt...
Es gibt noch Bereiche in der Luftfahrt die Geld abwerfen.

Sodeli, ich muss wieder. Die Kurzstrecke ruft. Ich freue mich auf die Flüge.


Donnerstag, April 04, 2013

Die Tücken der Marktwirtschaft

gelesen, kopiert und herzlich darüber gelacht.

Ryanair's Micheal O'Leary arrives in a hotel in Dublin, he goes to the bar and asks for a pint of draught Guinness. The barman nodded and said, "That will be one Euro please, Mr. O'Leary."

Somewhat taken aback, O'Leary replied, "That's very cheap," and handed over his money.
"Well, we try to stay ahead of the competition", said the barman. "And we are serving free pints every Wednesday evening from 6 until 8. We have the cheapest beer in Ireland"
"That is remarkable value" Michael comments
"I see you don't seem to have a glass, so you'll probably need one of ours.
That will be 3 euro please.

O'Leary scowled, but paid up. He took his drink and walked towards a seat.
"Ah, you want to sit down?" said the barman. "That'll be an extra 2 euro. - You could have pre-book the seat, and it would have only cost you a Euro."
"I think you may to be too big for the seat sir, can I ask you to sit in this frame please"
Michael attempts to sit down but the frame is too small and when he can't squeeze in he complains "Nobody would fit in that little frame".
"I'm afraid if you can't fit in the frame you'll have to pay an extra surcharge of €4.00 for your seat sir"

O'Leary swore to himself, but paid up. "I see that you have brought your laptop with you" added the barman. "And since that wasn't pre-booked either, that will be another 3 euro."
O'Leary was so annoyed that he walked back to the bar, slammed his drink on the counter, and yelled, "This is ridiculous, I want to speak to the manager".
"Ah, I see you want to use the counter," says the barman, "that will be 2 euro please." O'Leary's face was red with rage.
"Do you know who I am?"

"Of course I do Mr. O'Leary,"
"I've had enough, What sort of Hotel is this? I come in for a quiet drink and you treat me like this. I insist on speaking to a manager!"
"Here is his E mail address, or if you wish, you can contact him between 9 and 9.10 every morning, Monday to Tuesday at this free phone number. Calls are free, until they are answered, then there is a talking charge of only 10 cent per second"
"I will never use this bar again
"OK sir, but remember, we are the only hotel in Ireland selling pints for one Euro"

Mittwoch, April 03, 2013

Rollentausch



Der erste April ist vorüber und ein paar Spassvögel haben sich mehr oder minder lustige Spässchen ausgedacht, mit dem sie Kollegen und Freunde nervten.
An einen Aprilscherz dachte wohl auch die Groundhostess in Zürich, als unser A320 ans Gate rollte und der Kapitän rechts und der Copilot links sassen.

"Ob es sich um einen Scherz handle?", wollte die Kollegin mit den silbernen Streifen wissen und ich verneinte mit gutem Gewissen. Beim dreistreifigen Copi handelte es sich um einen Kapitän in Ausbildung und der vierstreifige alte Mann mit Bauchansatz nahm den Platz des Copiloten ein, instruierte den froschgebackenen Kapitänsanwärter und suchte den ganzen Tag verzweifelt auf der falschen Seite die elektrische Sitzverstellung.

Damit der alte Mann auf dem rechten Sitz nicht zuviele Checklistenpunkt verpasste, wurde ihm ein Assistent zur Seite gesetzt, der dies tagtäglich im Range eines First-Officers fehlerlos erledigt. Eine spezielle Konstellation, die auch spezielle Aufmerksamkeit erforderte.

Der Jungkapitän hat das so gut gemacht, dass jetzt wieder jeder im Cockpit seinen angestammten Platz einnimmt und ich von hinten die Fehler kommentieren kann, die ich am ersten April auch machte...

Sonntag, März 31, 2013

... warten auf das Flugzeug

Tja, wir wären bereit, um wieder nach London in die Sonne zu fliegen. Leider kämpft unser Flugi in Deutschland gegen den Schnee.

Da poste ich gegen den Oster-Wetter-Frust ein paar Bilder von unserem heutigen Start in Heathrow mitten in der Nacht...

 


Samstag, März 30, 2013

vom Gebrauch des Handys auf dem Flugzeug...

... oder über das Alter.

Ein Handy ist praktisch, das gebe ich zu. Das kleine Ding sagt mir, wenn ich aufstehen muss, es weiss die aktuelle Zeit nach Sommer- und Winterzeitumstellungen und es macht sogar Bilder. Der ursprüngliche Zweck dieses Teils ist aber ein anderer, man möchte Nachrichten – wichtiges und unwichtiges – übermitteln. Dafür muss das Gerät erstens eingeschaltet und zweitens auffindbar sein. Nicht so einfach im Alter, glauben sie mir!

Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – alle um Jahrgang 1990 und jünger – verstehen in keiner Weise, wenn man dieses Gerät drei und mehr Tage nicht einschaltet. Dabei wissen die gar nicht, wie schön es einst ohne dieses Kistchen war. Nicht erreichbar und nicht ortbar zu sein war früher normal und paradiesischer als heute angenommen.

So zum Beispiel der Reservedienst. Entweder sass Reservetuender oder -tuende die ganze Zeit zu Hause ab, oder man begab sich an schönen Sommertagen in die Badeanstalt Kloten, wo man über den Lautsprecher ausgerufen wurde, falls einem die Swissair brauchte.
Das war so schlecht gar nicht, stelle man sich doch vor, wie viele weibliche Reserven die Swissair damals geplant hatte. So lagen auf der kurzgeschorenen Wiese Tuch an Tuch gereiht die schönsten Körper und warteten gespannt auf einen Copiloten, der ihnen den Rücken eincrèmte oder einen Aufruf aus dem Lautsprecher.

"Nummer 15 kann seine Bratwurst abholen und Fräulein Gantenbein soll doch bitte so gut sein, die Crewdispo der Swissair anzurufen."

Der Bademeister widmete sich wieder der Bratwurst und Fräulein Gantenbein machte sich mit leichtem Sonnenbrand auf, über den Wolken Gäste zu verwöhnen.

Gut geölte Körper schauten derweil mitleidig der Davonziehenden nach und hielten einen kurzen Augenblick inne. Wie brutal konnte doch so ein Reservetag sein, wenn einem die Dispo mitten im Flirt von der Badematte holt.
Mit dem Aufkommen der Handys fand dieses sommerliche Spektakel ein jähes Ende. Jetzt nennt es sich Parship und ist als App downloadbar.

"Downloadbar", auch so ein neuartiger Ausdruck. Heute ist alles downloadbar. Die Liebe, das Horoskop und sogar Kalender, die den Eisprung anzeigen. Brauchten wir das früher? Nein, natürlich nicht, wir hatten ja Reservedienst!

Heute hatte ich mein Handy auch dabei. Eingeschaltet hatte ich es letztmals am Mittwoch. Im Flugmodus knipste ich das Deicing und tippte artig meine Flugstunden in das Flugbuch-App. In London angekommen wurde der Flugmodus deaktiviert, damit der alte Mann die Zeitverschiebung zwischen dem Königinnenreich und dem Festland nicht berechnen musste.  Kurz darauf begann es zu hornen und pipsen, zu vibrieren und wackeln.

Ein SMS! Wer schreibt mir denn ein SMS? Sie war es, wollte mir am Morgen in der Früh einen Kaffee ans Flugzeug bringen, was mich sicherlich vor der harten Landung in Paris bewahrt hätte...
Das nächste Mal schalte ich mein Handy wieder ein – nicht nur zum Knipsen – die Passagiere werden es mir danken!

Karsamstag in Zürich...