Mittwoch, August 01, 2012

Der Unsichtbare


Er ist da und geht gleich wieder. Sich vor ihm verstecken ist unmöglich, ihm entfliehen schon gar nicht. Er stört fast jeden, obwohl er von allen Seiten gerufen wird. Links taucht er auf, rechts sowieso. Würden ich nicht auf dem bequemen Sessel sitzen, er käme bestimmt auch von unten.

Mal trägt er ein modernes Kleid, mal ein ganz klassisches, heute ein martialisches. Man benutzt ihn um Freude zu zeigen, aber auch um einzuschüchtern. Frauen werden damit verführt und Männer zu richtigen Männern gemacht. Er ist penetrant, ja gar gesundheitsschädigend, dennoch geben die Leute Geld aus, um ihn einen kurzen Moment zu sehen, zu hören, zu fühlen.

Es gibt Studien über ihn in allen Sprachen, gefangen hat ihn doch noch keiner.

Ha, da ist er wieder! Ich dachte ich fange ihn mit der Kamera ein. Doch auf dem Bild sind nur meine Füsse zu erkennen. Der Unsichtbare fehlt, obwohl er mir den schönen Abend fast ein bisschen ruiniert. Selbst die Buchstaben scheinen ihn zu hassen, sie wollen heut Abend partout nicht in der richtigen Reihenfolge am Schirm erscheinen.

Der Unsichtbare stört aber nicht nur meine Buchstaben. Auch andere Personen, die darauf angewiesen sind, dass die Wörter richtig das Sprechorgan verlassen und noch korrekter an der Hörmuschel ankommen, sind durch den Unsichtbaren abgelenkt. Kein Wunder, wird an manch einem Höhenfeuer heute Abend ein ziemlicher Schmarren erzählt. Schuld sind nicht etwa die Redner, nein es ist der Unsichtbare.

Da ist er wieder, links, rechts, oben – nur nicht unten. Ich versuche ihn zu fassen, zu erledigen – vergeblich. Gerade heute ist er unerträglich, er wird mir mit Bestimmtheit auch den Schlaf rauben, das ist sicher.

Ich mag den unsichtbaren Lärm nicht sonderlich, auch nicht an einem Nationalfeiertag. Da ist er wieder! Diesmal von unten! Von unter? Es riecht nach Schwefel – wie bedrohlich! Hat sich wohl eine Rakete unter meinen Hintern verirrt? Entwarnung – es war ein Furz meines Hundes, der sich unter dem Stuhl verkrochen hat.

Gute Nacht!

Kommentare:

  1. Mögen uns die Götter des Fortschritts von der Erfindung des Geruchsinternets bewahren...

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  2. Erleben wir hier den Start der Serie "bloggende Piloten zeigen Fuss" Volume 2 ? ;-)

    Toller Beitrag, weiter so!

    Gruss

    Sebastian L.

    Ps: Habe ich zufälligerweise die Ehre am kommenden Sonntag mit Dir nach CDG zu fliegen?

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