Sonntag, Juli 15, 2012

Olympionike

Es sind dies meine 11. Anläufe für olympischen Spiele.

Barcelona 1992:
die Qualifikation habe ich knapp nicht geschafft. Sportlerpech, so kann man das ruhig nennen. Wer an solchen Anlässen dabei sein will, muss frühzeitig trainieren und den Finger aus dem Allerwertesten nehmen. Vielleicht war ich dazu noch zu jung, vielleicht  habe die Bedeutung der wichtigsten Nebensache der Welt unterschätzt. Andere gingen, andere landeten mitten im Nabel des (Sport)Weltgeschehens. Ich flog zu dieser Zeit noch im Seneca-Simulator meine Runden, der MD-80 machte das Rennen. Falsche Flotte zur falschen Zeit!

Lillehammer 1994:
Traumspiele, Traumland, Traumwetter. Der Flughafen Oslo Fornebu, der damals für seine kurze Piste bekannt war und darum im Winter gerne Probleme machte, kannte ich bestens. Ich wäre also prädestiniert gewesen – wäre… Meiner damaligen Freundin wurde die Reise als Physiotherapeutin des Skiteams verwehrt. Ich boykottierte darum die Spiele auch, obwohl ich auf der MD-80 flog, die Vreni Schneiders Medaillen nach Hause brachte. Konsequent muss man sein!

Atlanta 1996:
Das Timing wäre (um ein Haar) perfekt gewesen. Richtiges Equipment, richtige Destination. Doch die Spiele kamen für mich einige Wochen zu früh. Ich übte noch wie ein Irrer im 747-Simulator, als die Kollegen unsere Athleten – unter denen sich auch ein ehemaliger Jugendschatz von mir befand, die dann prompt eine Medaille gewann – nach Georgia schipperten.
Diese Planung habe ich um ein paar Tage versaut. Jä nu...

Nagano 1998:
Auch diese Spiele kamen zwei Jahre zu früh für mich. Die MD-11 beehrte ich erst 100 Wochen später, dann waren die Spiele aber leider in …

… Sydney 2000:
Zu weit für mich, zu weit für die Swissair, zu weit für manch einen Athleten. Ich nahm ein Qualifikations-Timeout.

Salt Lake City 2002:
"The Simi Games" verbrachte ich im Simulator. Ich habe diesen Flug gewünscht, ich habe alles auf eine Karte gesetzt und ich habe verloren. Statt des Spezialflugs zu den Simi-Games plante mir die Fee der Simulatorplanung einen Checkflug. Engine-Failures statt Jubelposen, Feuer im Triebwerk statt Feuerbowle. Pech, einfach Pech!

Athen 2004:
Ob sie es glauben oder nicht, ich steckte wieder mitten in einer Umschulung (auf die A340), als die Spiele ihre Wurzeln suchten. Δεν έχω περισσότερα χρήματα σας!

Turin 2006:
Pfff, FIAT-Stadt statt Rhone-Stadt. Diese Piemonter, Piomesaner oder Piomotten – wie sie auch immer heissen, haben und Schweizer und speziell dem Ogi die Spiele geklaut. ich habe den Flughafen boykottiert und boykottiere ihn noch heute. Nie werde ich da landen, nicht einmal im grössten Notfall im Simulator, nie, nie, nie!

Peking 2008:
Es hätte gepasst, wäre da nicht die Pleite der Swissair gewesen mit der zusammenhängenden Aufgabe der Destination Peking. Andere flogen Cancellara zu Zeitfahren und andere flogen die Goldmedaillen wieder zurück. Gopf!

Vancouver 2010:
Winterspiele in einer Sommerstadt, das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Der Planungscomputer entschied sich gegen mich, was ich als grauenhafte Beleidigung empfand und von da an das Planungssystem nicht mehr bediente, was mir – oh Wunder! – ab diesem Datum traumhafte Einsätze bescherte…

London 2012:
Meine Spiele! Fünf Flüge habe ich geplant in die Stadt an der Themse. Ich werde schlanke Athleten und dicke Betreuer nach Westen bringen und sogar drei Mal in der Stadt übernachten, wenn die Welt nach London schaut. Ich werde unzählige Stunden über dem BIGGIN Holding kreisen und den Vorort von London im HDG 275 auf FL80 verlassen. Ich werde bei Ostwinden über Windsor fliegen und die Ruderwettkämpfe von oben betrachten und ich werde bei Westwind über das Leichtathletikstadion schweben und 160 Knoten halten bis mindestens 4 nautische Meilen vor der Piste. Ich werde mich hüten am Abend das Hotel zu verlassen, denn dort gibt es ein Sports-Bar, wo man wunderbar bei lauwarmen Bier Sportarten wie Springreiten und Bogenschiessen betrachten kann. Ich freue ich auf Olympia und bewerbe mich hiermit offiziell als Fahnenträger der Schweizer Delegation. Ich finde mir steht das nach 11 Anläufen zu!

Kommentare:

  1. Na dann viel Spaß!

    Gerüchtemäßig ist das BIG-Holding jedoch nicht gerade für kurze Verweilzeiten bekannt (v.a. falls sich irgendein Irrer mit seinem Privatflieger in den gesperrten Londoner Luftraum wagen sollte), weshalb die Abende in der Sportsbar manchmal vielleicht etwas kürzer ausfallen werden. ...

    Bei lauwarmem Bier aber nicht unbedingt ein Verlust ;)

    Viele Grüße
    Stefan

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  2. Köstlich!

    Jeder hat seine Olympia Erinnerungen und somit seine eigene "Olympiaden Biographie":-)

    All die Erfahrungen die du als Fliegender gesammelt hast!Das kommt hier gut rüber.

    Ein solchermassen erfahrener Flieger/Flugkapitän wird nicht vom Kurs abkommen...und hat damit nichts zu befürchten und braucht als Fliegender auch keinen Gedanken zu verschwenden an die Flugabwehrgeschütze auf London's Dächern;-)

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  3. Vergiss auf keinen fall dein A320 mit Flares und Chaff auf zu rüsten. Bei alle den Raketen die dort aufgestellt sind. Auch brauchst du einen Flügelmann der dir "Break hard right" zu ruft. Bon Vol ;)

    Gruss
    Gery

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  4. Viel Spass in London!

    Eine Frage, wie funktioniert denn die Staffelung der Flugzeuge in einem Holding? Haben alles die selbe Geschwindigkeit oder unterschiedliche Höhen?

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