Sonntag, Juli 29, 2012

Swiss meets Qantas

Einmal im Jahr kommen australische Freunde in die Schweiz und zeigen uns die Schönheiten unseres Landes, die wir selber nicht mehr sehen können.
Das Familienoberhaupt arbeitet seit menschengedenken bei der Qantas, aktuell als Kabinenchef auf der A380 und der 747.

Was mich immer inspiriert, ist die Unbefangenheit dieser Familie. Qantas plante Crews in London zu stationieren – no problem for Graham, he's coming!

So freute ich mich vor Jahren auf einen fernen Anruf aus Australien, als ich mitten im Skiurlaub war. Natürlich hatte ich keine Ahnung, was Graham von mir wollte.

Hi Peter, we're coming to Switzerland!
Great! When are you coming?
We're actually in Singapore, the plane leaves in a couple of minutes to Frankfurt. We'll arrive tomorrow at around 10 a.m. in Kloten. Can you pick us up?
Well, ok – the snow is shitty anyway (not true) and the weather as well (not true as well). How long do you stay?
Three years!
How long?
Three years.
Say again.
Three years.
Where do you stay?
We thought that we can move in in your place for the first weeks.
No Problem.


Fortan bestand unser bis anhin aus zwei Personen zusammengesetzter Haushalt aus vier Erwachsenen und zwei Knaben im Alter von einem und drei Jahren. It was fun!

Graham flog von London aus nach Singapur, Bangkok, Hongkong und Narita und ich traf ihn entweder zu Hause oder in den fernen Städten.

Die Kleinen assen Tonnen von Noodles (Teigwaren aller Art) und tranken Boysbeer (Apfelsaft vom Bauernhof). Der Ältere war bereits ein Jahr im Kindergarten, als die Familie die Erdhalbkugel wieder wechselte.

Graham lernte von uns etwas Schweizerdeutsch und ich, dass man nicht nur die Probleme sehen sollte, sondern die auch die Lösungen.
Die Freundschaft wurde von Jahr zu Jahr enger und die Kinder grösser. Geblieben ist die Unbeschwertheit der Aussies.

So auch wieder heute Abend:

When do you work again, Graham?
In a week or so.
So when do you fly back?
Don't know yet. At the moments all flight out of Europe are full. We'll see...


Ich bin sicher, dass die Familie in irgend einer Business-Class Richtung Australien fliegen wird und zum Schluss kommt: There is always a solution, you just have to see it.


Ich wollt ich hätte auch solch eine extra Portion Unbeschwertheit auf den Lebensweg mitbekommen...



Freitag, Juli 27, 2012

Dorma bain!


Zwei Tage Simulator sind wieder um. Kein Start wie der andere, keine Landung normal. Probleme, die einem den Glauben in die Technik vergessen machen und Lösungsansätze, die dem Kollegen den Schweiss auf die Stirn zaubern. Doch was treiben wir genau in diesen total sechs Stunden im Zaubergerät? Die Antwort scheint auf den ersten Blick so logisch wie einfach: Wir verlängern unsere Berechtigung zur Ausübung unseres Berufs.
Das wird am ersten Tag erledigt. Startabbrüche bei erlaubter Mindestsicht (125 m), automatische Anflüge mit einem kaputten Motor, Durchstartmanöver, Feuer an Bord, NDB-Anflüge, RDI-Anflüge und andere lustige Sachen, die genauso kompliziert sind wie ihr Name klingt.
Natürlich fragt der Experte auch das Wissen ab und dies wiederum geschieht in seinem ganz persönlichen Lieblingsgebiet, was sich selten mit meinem deckt. Trotzdem – oder gerade darum – ein lernreicher, interessanter und auch sehr spassiger Tag.

Am zweiten Tag steht der «Refresher» auf dem Programm. Hier werden in einem rund vierstünigen Theorieblock zusammen Themen erarbeitet, technische Systeme repetiert und auch intensiv über Erlebtes diskutiert. «Was hast Du auf der Strecke erlebt?», «wo und warum hast Du Deine Entscheidung kritisch hinterfragt?», «was würdest Du anders machen?».
«Share the experience» nennt sich das fliegerdeutsch und dies ist etwas unglaublich wertvolles in unserem Beruf.
Nach einem stündigen Abstecher in die Niederungen des Kantinenessens steht uns dann der Simulator noch einmal 2:30 Std. zur Verfügung. Es gibt sehr wohl ein vorgegebenes Programm, es hat aber auch Platz für individuelle Wünsche oder kreative Ideen des Instruktors.

Wie das aussehen kann?

Da war zum Beispiel ein Anflug auf die Piste 04R in Nizza. Ich steuerte nach Sicht. Plötzlich wurde das Flugzeug sehr schwammig im Pitch, nach ein paar Sekunden ging gar nichts mehr. «Du fliegst», befahl ich dem Copiloten und der grinste zurück: «Ich kann auch nicht, meiner reagiert nicht im Roll...».
Schnell realisierten wir, dass auf der CMD Seite der Pitchkanal und auf der Copiseite der Rollkanal des Steuerknüppels defekt war. So war der Copilot für den Pitch (und den Flare) zuständig und ich kümmerte mich um die Centerline. Eine Kommunikations- und Koordinationsübung, die gar nicht so einfach war. Der Copilot hat das sauber hingekriegt, wenn auch die Centerline hätte besser eingehalten werden können.
Am Schluss hatten wir noch eine Viertelstunde Zeit. Der Instruktor stellte die A321 auf FL130, HDG 180° mit 270 kts IAS genau über den Platz und befahl, das Flugzeug so schnell wie möglich zu landen, ohne dabei eine Limite (250 kts unter FL100, Gear Down & Flaps Speeds, latest 1000ft established on G/P, LOC & SPD) zu verletzen. Ich hätte nach 6’15’’ den Boden touchiert, wäre ich nicht erst bei 960ft stabilisiert gewesen... Versuch ungültig. Man soll es nach einem so heissen Tag nicht auf die Spitze treiben...
Wer Lust hat, kann das im FS X ja mal nachfliegen. Es ist gar nicht so einfach J

Mit einem verschwitzten Hemd und ziemlich müde verliess ich nach acht Sunden das Simulatorgebäude. Wieder sechs Monate Ruhe – zumindest als Geprüfter...

So, jetzt wird das Licht gelöscht. Morgen steht ein anstrengender Tag auf dem Programm. Zuerst geht es auf einen Charterflug, wo ich nach einem Circling und einer (hoffentlich) butterweichen Landung die Entladung überwache, die Beladung organisiere und das Loadsheet selber erstellen darf muss – und das innerhalb 40 Minuten Bodenzeit, dann in ZRH um die Gewitter fliege und danach versuche, die Verspätung nach London in Grenzen zu halten. Es sind ja nur 10:45 Stunden Dutyzeit…

Dorma bain

Donnerstag, Juli 26, 2012

29 + 1 places not to be on a sunny afternoon

... in a building without air-conditioning
... in a building without air-conditioning at all
... in a buliding without air-conditioning and a closed cafeteria
... in a buliding with a simulator
... in a simulator
... in a simulator having an engine failure
... in a simulator flying a RDI-Approach with one engine running
... in a simulator flying a RDI-Approach with two engines running
... in a simulator without ice cold Beer or Pastis 
... in a simulator with an RVR of only 125m
... in a simulator having an engine fire an no more AGENTS left
... in a simulator with a bomb threat
... in a simulator where NITS drives me NUTS
... in a simulator where the CMD cries PPAA and everybody else PAPA
... in a simulator with sheep fur on the back at 34°C outside Temperature
... in a simulator pilots seat instead of the instructors seat
... in a simulator looking for the needles in a conventional approach without FMGC
... in a simulator declaring an emergency
... in a simulator crying PAN PAN PAN three times (once would be enough)
... in a simulator not able to memorize the current status of the airplane 
... in a crew centered debriefing without a frozen beer
... in a crew centered debriefing looking for a take home message
... in an overheated car stayed in the sun the whole day
... in an overheated car stayed in the sun the whole day without a cold drink
... in an overheated car stayed in the sun the whole day with a full bladder
... in an overheated car stayed in the sun the whole day with a very full bladder
... in an overheated car stayed in the sun the whole day with an extremely full bladder
... in an overheated car stayed in the sun the whole day with a - aaaahhhhhhh
... in an overheated car stayed in the sun the whole day in an emergency bladder situation faced to a wall of red braking lights

... in the Gubrist traffic jam after a very hard and sweaty day!



Mittwoch, Juli 25, 2012

Boeing Boeing Boeing


Da sollte ich auf den Check lernen und surfe zwischendurch im Netz. Fündig wurde ich! Zu meiner Überraschung fand ich neben einer alten Liebe auch meine eigene Stimme wieder...

Von diesem Video wusste ich nichts, aber die 747 vergesse ich nie :-)

PS: Die tiefe Stimme (Samichlaus), das bin ich :-)

Ich weiss, ich sollte in die Bücher, aber einen Nachschlag habe ich noch gefunden:



Montag, Juli 23, 2012

Böse Bise

Endlich, die Sonne scheint und alle, die darauf gewartet haben, recken freudig das Gesicht gegen den Himmel. Schwitzen tut man auch nicht, denn die erfrischende Bise blässt einem die Feuchtigkeit aus dem Gesicht. Bise? Da war doch kürzlich etwas in TWRMädels Blog!

Bereits am Morgen läuteten die Alarmglocken bei der Planung. Ein Wind vom 020/12G28 wurde für Zürich für die Mittagsspitze vorausgesagt. Eine interessante Landung, da waren wir uns sicher! Der Preis dafür wird aber ein verspäteter Feierabend sein, und das war noch sicherer.

Doch was soll man sich sorgen, wenn es geht gegen Norden…

Der Flug nach Stockholm konnte schöner nicht sein. Nordeuropa schien für unseren Flug herausgeputzt worden sein. Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Malmö und Kopenhagen waren so deutlich und genau zu erkennen, dass es fast kitschig wirkte. Erst kurz vor der Landung wieder Wolken, in Stockholm dann Regen bei 13°C und böigem Westwind. Die Schweden loben den Sommer 2012 auch nicht in höchsten Tönen.

Wir landeten mit 25 Minuten Verspätung, keine gute Ausgangslage wenn man weiss, dass die Bodenzeit mit 35 Minuten nicht gerade üppig berechnet wurde. Dank der Kabinenbesatzung und der Bodencrew waren wir nach gut 25 Minuten wieder unterwegs. Schubhebel nach vorne und nichts wie weg. Der Bordcomputer zeigte eine Resttreibstoffmenge in Zürich von 4.0 t an. Das ist genug Fuel, um mehr als eine Stunde in Zürich im Holding zu warten. Erfahrung hilft bei Bise…

Der Bordcomputer berechnete eine Landezeit von 12:06 Uhr. Sehr gut, steht im publizierten Flugplan doch 12:10 Uhr. Noch sind wir pünktlich. Der Oslo Flug ist knapp vor uns und rast mit gleicher Geschwindigkeit nach Süden. Wir alle wollen alle zur Zeit ankommen, wir wollen alle Anschlusspassagiere rechtzeitig auf die grossen Pötte bringen.

Um 11:00 Uhr unerwartete Post aus Zürich. Gute News? Zum Glück nichts was uns betrifft. Eine Dame aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der begrenzten Einreise, hat ihr Reisedokument in Stockholm im Duty Free liegen gelassen. Der Langstreckenflug wird heute ohne sie nach Westen abheben. Die Stand-by Passagiere wird es freuen.

Um 11:20 Uhr das aktuelle Wetter aus Zürich: Piste 14 mit einer grandiosen Sicht und leichter Bise aus 330° bis 060° mit einer Stärke zwischen 14 und 22 Knoten. Trigonometer (sagt man das so?) dürfen gerne die schlechtest mögliche Rückenwindkomponente ausrechnen – zehn Knoten wären erlaubt.
Jetzt bieten unsere Vorschriften hier einen kleinen Spielraum. Böenspitzen müssen in diesem speziellen Fall nicht berücksichtigt werden. Kommt der Wind aus der Region 020, dann sollte es kein Problem sein.

Doch das war noch Zukunftsmusik. "RELAX AND HOLD" befahl und die Holde von SWISS RADAR und das auf FL170…
Liza aus der Eco, gerade im Cockpit auf Besuch, erfasste die Situation richtig und bereitete uns zwei Cappuccino zu. Auch das gibt es auf der Kurzstrecke. Zwei Holdings und 600 kg Fuel später waren wir bereits auf FL150… Zeit genug, die langsam nervösen Passagiere bei Laune zu halten.
Um 12:30 Uhr dann die Erlösung: "Rollout HDG 180, Vektors for a long approach to RWY14, expect 50 Trackmiles". Die Übersetzung für Nicht-Aviatiker: es bliebe noch genügend Zeit, um das Kreuzworträtsel des Blicks zu lösen. Doch dazu kam es natürlich nicht, denn wir hatten einiges zu berechnen. Optionen wurden besprochen und definiert, bis zu welchen Windwerten man noch auf der 14 landen kann. Wenn man zum TWR wechselt und es bisenmässig schüttelt, sind die Kosinus-Funktionen in der Regel nicht mehr präsent.
Unsere IJI tanzte mit der Bise und ich versuchte ihr dabei nicht auf die Zehen zu treten. Der Wind war 020/14, Böenspitzen nicht einberechnet. 50 - 40 - 30 - 20 - 10 - Willkommen in Zürich! Um 12:48 erreichten wir den Standplatz B36, genau zwei Minuten bevor der erste Langstreckenflug eines unserer Passagiere das Gate verlassen müsste. Der Fluggast schaffte den Anschluss, denn bei Bise braucht in Zürich alles seine Zeit.

War die Sicht heute nicht herrlich?

Anmerkung:
Falls eines der Sprachrohre der Massen in diesem Beitrag einen Skandal wittert und schreibt, dass Swiss-Piloten während dem Anflug Kreuzworträtsel machen, haben sie liebe Leser einen Wissensvorsprung. Ich hab gerechnet und nicht geraten :-)

Donnerstag, Juli 19, 2012

zwei Kapitäne…

Ferienzeit heisst Copilotenmangel. Die Jungeltern wollen mit dem Nachwuchs an die Wärme und das wenn möglich alle zur gleichen Zeit. Das beschert der Firma alljährlich einen Mangel an Dreistreifigen, was die Kapitäne zur Mehrarbeit zwingt. Statt 1 CMD und 2 F/O, setzt sich die Langstrecken-Pilotencrew nicht selten aus 2 CMD und 1 F/O zusammen.

Für den Dreistreifigen keine schlechte Variante, kann er doch in der Mitte schlafen und erlebt beide Nahrungsausgaben in voller Länge mit. So schön kann Fliegen sein, denkt sich der Copilot, freut sich aufs Upgrading und amüsiert sich über Revierkämpfe zweier Rudelführer.

Auch auf der Kurzstrecke gibt es diese Situationen. Zwar nicht im Cockpit, sondern zu Hause. Meine Nachbarn wollten auch mal fliegen, die Kinder sowieso und so packten sie ihre Koffer, bestiegen ein Flugzeug Richtung Westen und kämpfen jetzt gegen die neun Stunden Zeitverschiebung in Kalifornien.
Traurig sah der Hund der Packerei zu und wusste genau, dass er die Reise nicht antreten darf. Er machte sich auf einen Aufenthalt in einer Tierpension bereit, soweit kam es aber nicht. Hundchen zog für drei Wochen zu uns – und Ohalätz, das warf mich ganz unerwartet wieder in meine Langstrecken-Copilotenzeit zurück.

Plötzlich sah ich mich in der Situation wieder, dass ich von zwei Kapitänen umgeben bin – und das nicht für 13 Stunden, sondern für 21 Tage! Die Beiden steckten vorsichtig ihr Terrain ab, kämpften subtil um Rechte, die eigentlich dem anderen zustanden und neckten sich wo sie nur konnten. Wenn einer etwas zu berichten wusste (Wuff), wusste es der andere es bestimmt besser (Wuff Wuff). Wenn einer Präsenz markierte (Bein hoch), markierte der andere darüber (auch Bein hoch). Wenn einer in den linken Crewbunk – äh Verzeihung – in das linke Körbchen wollte, fühlte sich der andere benachteiligt.
Nach 15 Jahren Langstrecken-Copilot weiss ich, dass man die Kapitäne ihre Hahnenkämpfe austragen lassen muss und sich dabei sehr wohl auch amüsieren kann. Denn es hat enorme Vorteile, wenn zwei Häuptlinge einen Stamm von zwei Indianern führen. Die Häuptlinge sind so sehr mit sich selber beschäftigt, dass sie den Indianern viel Freiheit lassen und ihnen Entscheidungen wie:

- Wann stehen wir auf?
- Wo laufen wir durch?
- Welche Katze jagen wir?

…abnehmen.

Wobei bei diesen drei Fragen die Parallelen zur Aviatik augenscheinlich sind, Man(n) muss nur das Wort "laufen" durch "fliegen" ersetzen.

So, genug geschrieben, meine Kapitäne wollen raus. Adieu und bis bald. Arme Katzen…

Mittwoch, Juli 18, 2012

Morgentau statt Morgenstau

Es gehört dieser Tage zum guten Ton, sich über den Sommer zu beschweren. Nein, in dieses Konzert stimme ich nicht mit ein, mir gefällt dieses irische Wetter ausgezeichnet.

Als ich gestern Morgen das Haus verliess, war es angenehm kühl. Meine Haut bildete Muster und die Haare auf dem Unterarm standen in Achtungsstellung. Hühnerhaut sagt man im Volksmund dazu und so sah sie auch aus.

Ruhig gleitete mein Zwittermobil zur Hauptstrasse hin. Verkehr hatte es keinen, ausser vielleicht ein paar Füchsen, die sich am Zivilisationsabfall genüsslich satt frassen und dabei ein grosses Durcheinander hinterliessen. Dieses Durcheinander hatte auch sein Gutes, konnten sich Stunden später die Fussgänger für einige Minuten am Dreck statt am Wetter stören.

Die Autobahnauffahrt lag noch im Dunkeln. Keine der Rundsteuerungsanlagen hatte bis anhin den Befehl "Fiat Lux" ausgesprochen. Ich gab vor- und umsichtig Gas.
Nicht ein Auto begegnete mir bis zum Limmattalerkreuz, im Gubrist herrschte Totenstille. Der Tempomat leistete wunderbare Dienste und der Vierfachespresso hielt das Herz am Schlagen.
Am Balsberg angekommen, waren noch alle Parkplätze leer. Ich entschied mich für einen Frauenparkplatz. Im Dunkeln ertastete ich den Weg und dank meines Zutrittskarte öffnete sich die Türe zum Schulhaus anstandslos.
Die Hühnerhaut war weg und der Espresso auch, mein Herz drohte vor Koffeinmangel still zu stehen. Nicht wie hin zum Kaffeeautomaten…

Was man nicht alles erlebt um 03:15 Uhr in der Früh! Simulator sei Dank!

Sonntag, Juli 15, 2012

Olympionike

Es sind dies meine 11. Anläufe für olympischen Spiele.

Barcelona 1992:
die Qualifikation habe ich knapp nicht geschafft. Sportlerpech, so kann man das ruhig nennen. Wer an solchen Anlässen dabei sein will, muss frühzeitig trainieren und den Finger aus dem Allerwertesten nehmen. Vielleicht war ich dazu noch zu jung, vielleicht  habe die Bedeutung der wichtigsten Nebensache der Welt unterschätzt. Andere gingen, andere landeten mitten im Nabel des (Sport)Weltgeschehens. Ich flog zu dieser Zeit noch im Seneca-Simulator meine Runden, der MD-80 machte das Rennen. Falsche Flotte zur falschen Zeit!

Lillehammer 1994:
Traumspiele, Traumland, Traumwetter. Der Flughafen Oslo Fornebu, der damals für seine kurze Piste bekannt war und darum im Winter gerne Probleme machte, kannte ich bestens. Ich wäre also prädestiniert gewesen – wäre… Meiner damaligen Freundin wurde die Reise als Physiotherapeutin des Skiteams verwehrt. Ich boykottierte darum die Spiele auch, obwohl ich auf der MD-80 flog, die Vreni Schneiders Medaillen nach Hause brachte. Konsequent muss man sein!

Atlanta 1996:
Das Timing wäre (um ein Haar) perfekt gewesen. Richtiges Equipment, richtige Destination. Doch die Spiele kamen für mich einige Wochen zu früh. Ich übte noch wie ein Irrer im 747-Simulator, als die Kollegen unsere Athleten – unter denen sich auch ein ehemaliger Jugendschatz von mir befand, die dann prompt eine Medaille gewann – nach Georgia schipperten.
Diese Planung habe ich um ein paar Tage versaut. Jä nu...

Nagano 1998:
Auch diese Spiele kamen zwei Jahre zu früh für mich. Die MD-11 beehrte ich erst 100 Wochen später, dann waren die Spiele aber leider in …

… Sydney 2000:
Zu weit für mich, zu weit für die Swissair, zu weit für manch einen Athleten. Ich nahm ein Qualifikations-Timeout.

Salt Lake City 2002:
"The Simi Games" verbrachte ich im Simulator. Ich habe diesen Flug gewünscht, ich habe alles auf eine Karte gesetzt und ich habe verloren. Statt des Spezialflugs zu den Simi-Games plante mir die Fee der Simulatorplanung einen Checkflug. Engine-Failures statt Jubelposen, Feuer im Triebwerk statt Feuerbowle. Pech, einfach Pech!

Athen 2004:
Ob sie es glauben oder nicht, ich steckte wieder mitten in einer Umschulung (auf die A340), als die Spiele ihre Wurzeln suchten. Δεν έχω περισσότερα χρήματα σας!

Turin 2006:
Pfff, FIAT-Stadt statt Rhone-Stadt. Diese Piemonter, Piomesaner oder Piomotten – wie sie auch immer heissen, haben und Schweizer und speziell dem Ogi die Spiele geklaut. ich habe den Flughafen boykottiert und boykottiere ihn noch heute. Nie werde ich da landen, nicht einmal im grössten Notfall im Simulator, nie, nie, nie!

Peking 2008:
Es hätte gepasst, wäre da nicht die Pleite der Swissair gewesen mit der zusammenhängenden Aufgabe der Destination Peking. Andere flogen Cancellara zu Zeitfahren und andere flogen die Goldmedaillen wieder zurück. Gopf!

Vancouver 2010:
Winterspiele in einer Sommerstadt, das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Der Planungscomputer entschied sich gegen mich, was ich als grauenhafte Beleidigung empfand und von da an das Planungssystem nicht mehr bediente, was mir – oh Wunder! – ab diesem Datum traumhafte Einsätze bescherte…

London 2012:
Meine Spiele! Fünf Flüge habe ich geplant in die Stadt an der Themse. Ich werde schlanke Athleten und dicke Betreuer nach Westen bringen und sogar drei Mal in der Stadt übernachten, wenn die Welt nach London schaut. Ich werde unzählige Stunden über dem BIGGIN Holding kreisen und den Vorort von London im HDG 275 auf FL80 verlassen. Ich werde bei Ostwinden über Windsor fliegen und die Ruderwettkämpfe von oben betrachten und ich werde bei Westwind über das Leichtathletikstadion schweben und 160 Knoten halten bis mindestens 4 nautische Meilen vor der Piste. Ich werde mich hüten am Abend das Hotel zu verlassen, denn dort gibt es ein Sports-Bar, wo man wunderbar bei lauwarmen Bier Sportarten wie Springreiten und Bogenschiessen betrachten kann. Ich freue ich auf Olympia und bewerbe mich hiermit offiziell als Fahnenträger der Schweizer Delegation. Ich finde mir steht das nach 11 Anläufen zu!