Dienstag, Juni 19, 2012

Handwerker und Aargauer


Während die Fusswerker in Europa im Moment für Schlagzeilen sorgen, beschäftigen mich eher die Handwerker. Die Fassade wird gestrichen und das ist zwar für das Auge schön, nicht aber für andere Sinnesorgane.
Die Nase leidet ob der scharfen Gerüchte, die Ohren werden durch die sich überschlagende Handwerkermusik gequält, Schweiss schiesst aus wegen geschlossener Fenster  aus allen Poren – und wäre das nicht schon genug, tritt man regelmässig in klebrige Farbresten, die unmotiviert von der Decke tropfen.

Da hilft nur die Flucht aus den eigenen vier Wänden und zwar am besten an ein kuscheliges Örtchen am Wasser, fern von arbeitsamen Personen und möglichst nah an einer Feuerstelle.
An einem Dienstagmorgen kein Problem. Sei dank Du unregelmässige Arbeitszeit!

Würste, Salat, Brot, eine Melone, Äpfel, Wasser, Servietten, Schokolade, Kühlelemente, Senf, Mayo, Pfeffer, drei Zeitungen, Brennholz, Zündhölzer, Brandbeschleuniger, ein Buch und der Hund wurden ins Auto gepackt und gleich hinter der IKEA wieder ausgeladen. Dass es so kuschelige Ecken gibt in der Agglomeration, dürfen die Urbanen nicht wissen, sonst ist die Agglo nicht mehr das, was sie einmal war!

Ich hätte auch laufen können, es war so nah, doch es war mir bereits um 9 Uhr viel zu heiss.

Zwei Mal links, einmal rechts, geradeaus und schwups waren wir da. So schnell ist man im Paradies, so schnell hat man Gemeinde und Kanton gewechselt. Vor 214 Jahren war dies noch anders. Näppi zeichnete zwei Linien von Nord nach Süd und geboren war der Kanton Baden. Wir hatten alles, was der moderne Mensch heute braucht: Wasser, Shopping-Center, Möbelhäuser, IKEA, Media Markt, Apple-Shop, Strandbäder, Brauereien, Zweifel Chips, Schweizer Familie Feuerstellen, Atomkraftwerke und wunderschöne Landschaften.
Nur fünf Jahre nach der Gründung folgte die Aufspaltung. Der Aarau wollte uns um jeden Preis – ausgerechnet der Aarau!
Gut reagiert haben einige Gemeinden im Limmattal. Nehmt uns auf, gebt uns Asyl!, schrieben sie verzweifelt nach Zürich und die damals noch blocherfreie Limmatstadt hatte Erbarmen. Glücklicherweise wurde ich in einer dieser Gemeinden geboren und wohne noch heute im Kanton ohne die zwei AA im Namen.
So wechsle ich heute die Kantonsgrenze, wenn ich auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Spreitenbach Fichtenmöbel vom Polarkreis kaufen möchte.

Ich komme vom Thema ab.

Um 09:00 Uhr brannte die Anfeuerhilfe wie Zunder, um 09:40 Uhr rauchte es noch immer, um 10:00 Uhr bliess ich in die Ansammlung von verkohltem Holz und nicht ganz verbranntem Papier, um 10:40 Uhr die erste Glut, um 11:00 Uhr ein Flämmchen, um 11:30 Uhr die erste Wurst.

Der Hund streunte herum, begrüsste die Fussgänger, verteidigte das Essen und badete genüsslich in der kühlenden Limmat. Der idyllische Weg wurde gut bewandert und der Hund noch besser gestreichelt. Alle zufrieden, sollte man meinen. Plötzlich knatterte ein Mofa in der Ferne. Eigentlich verboten auf dem kuscheligen Uferweg, doch mich störte das am wenigsten. Schliesslich raste ich früher unzählige Male mit einem Loch im Auspuff, grösserer Einspritzdüse und einem Fenster im Kolben auf eben diesem Uferweg hin und her.

Das Mofa wurde leiser.

"He sie da! Ja, sie meine ich. Ich bin von der Polizei Aargau – Hund anleinen, sonst gibt es 120 Fränkli Busse."

Gesetze sind von Kanton zu Kanton verschieden…

Kommentare:

  1. Ich hoffe die Wurst war eine von der St.Galler Olma, und genossen wurde sie ohne Senf ;-) der Senf kann alternativ zur Reizung der Polizistin verwendet werden.

    Guter Text, Gruss, Severin

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  2. Ich vermute stark bei der Anzündhilfe hat es sich um ein Druckerzeugnis aus dem Hause Koeppel gehandelt :-).

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