Freitag, Juni 22, 2012

Es muss nicht immer Kaviar sein



Früher – so beginnen fast alle Schauergeschichten der Aviatik – wurde auf den Flügen noch richtig gesündigt.
Lachs, Kaviar und andere Leckereien fanden den Weg aufs Flugdeck und in die Wampen der Piloten und Flugingenieure. Während sich Kapitän und Copilot stritten, wer Lachs und wer Kaviar bekam, freute sich der Flugingenieur ob beidem.

Nach den Kostbarkeiten aus dem Meer, folgte fleischiges von den Weiden. Meist begleitet von knackigem Salat, serviert von noch knackigeren Kolleginnen. Es war die Zeit, als die Tugendpolizisten noch nicht das Sagen hatten und ohne Helm Fahrrad, Mofa und vereinzelt sogar Motorrad gefahren wurde. Rauchen gehörte zu einem richtigen Weltenbummler dazu und folglich dampfte es nach dem Essen im Cockpit aus vollen Rohren. Es folgte "Blüemlitee +" und vielleicht ein kurzes Nickerchen.

Der Flugingenieur bastelte mit dem standardmässig mitgeführten Messer- und Schraubenzier-Set am Flugzeug herum und Herr Flugkapitän las die Tageszeitung und stopfte sich dabei die Pfeife. Stewardessen schnitten sich mit den Nagelscheren auf der Toilette die Nägel und die Passagiere hörten Musik über Röhren, die dicker waren als die Oberarme manch Magersüchtigen.

Ja, die guten alten Zeiten! When flying was dangerous and sex was safe…

Und das Gute daran: ich habe das noch erlebt!

Heute finden weder Nagelscheren, Multifunktionstools, Zigarren, Zigaretten, Kaviar oder Lachs den Weg auf die Kurzstreckenflieger. Tugendwächter verbieten uns alles und klauben die sündigen Dinger weit vom Flugzeug entfernt aus unseren Taschen. Unglaublich, wieviel Technik dafür eingesetzt wird, uns den Spass zu verbieten. Die katholische Kirche hat sicherlich helle Freude daran! Rauchen darf man auch nicht mehr, nicht mal im Planungsraum vor einem langen Tag. Für alles gibt es Vorschriften, um den Spass im Keime zu ersticken.

Doch es macht sich Widerstand breit. Ein Kapitän (gross und korpulent) hat heute die ungeschriebenen Gesetze gebrochen. Kaviar und Baliklachs fanden den Weg aufs Flugdeck, allerdings nur in einem Dutyfree Sack.

Zuhause haben meine Frau und ich 400 Gramm Lachs verspeisen, dazu Dill-Sauce gereicht und etwas Kaviar in den Tellern verteilt. Ein kühler Weisswein wurde dazu kredenzt und mehr als einmal angestossen.

Da war sie wieder die gute alte Zeit, wenn auch nur für ein paar Minuten.

Kommentare:

  1. Wenn der große und kräftige Kapitän das nächste Mal in jenem Duty Free steht soll er doch bitte das TWR Mädel nicht ganz vergessen. Die hat nämlich Baliklachs auch fürs Leben gerne. Als Dank fürs Mitbringen täte sie coffee to go, freshly delivered offerieren...

    AntwortenLöschen
  2. Heute, während Lachs und Kaviar zu Weisswein gereicht wird, gönnt sich das Proletariat Shrimps. Natürlich bio und mit handcrafted horseradish cocktail sauce. Dazu ein Bier, Miller Lite mit Schraubverschluss. Stil ist eine Frage der Perspektive.

    AntwortenLöschen
  3. und der Student vermag weder Lachs nochs Kaviar, noch Shrimps, dafür die Zeit. Auch da beschwerte man sich lautstark über die Tugendwächter. Guter Artikel den zu lesen es sich ebenso lohnt wie hier, was ich dir ja wohl nicht zu sagen brauche.

    Für Lachsspenden an Medizinstudenten sei das Studentenheim an der Mittleren Strasse 33 vermerkt.

    Gruss, Severin

    AntwortenLöschen
  4. Ja und in welchem DF springt einem der Lachs denn in die Einkaufstasche?
    Gruss aus dem Burgund, wo sichs auch leben lässt!
    Andi

    AntwortenLöschen
  5. Vergiss nie, dass Du gerade in der guten alten Zeit von morgen lebst...

    AntwortenLöschen
  6. Hey nff
    nun da leider Dide nicht mehr bloggen mag....tja bin ich wohl zu Dir übergelauffen;-)))
    Obwohl ich sagen muss: dies hat wohl schon einige Zeit paralell stattgefunden;-)
    Und überhaupt: bin ich derjenige, welcher verantwortlich ist, dass Dein Schutzraum letztes Jahr korrekt kontrolliert wurde;-))
    Wenn du also mal in Dietikon Zeit und Lust auf einen Kaffe hast....melde dich doch;-)
    Liebe Gruess Dani

    AntwortenLöschen