Montag, Juni 25, 2012

der Fussball-nicht-Experte



Eine Frage an all die Fussballfans:

Warum macht man das Penaltyschiessen eigentlich nicht zu Beginn des Spiels?

Freitag, Juni 22, 2012

Es muss nicht immer Kaviar sein



Früher – so beginnen fast alle Schauergeschichten der Aviatik – wurde auf den Flügen noch richtig gesündigt.
Lachs, Kaviar und andere Leckereien fanden den Weg aufs Flugdeck und in die Wampen der Piloten und Flugingenieure. Während sich Kapitän und Copilot stritten, wer Lachs und wer Kaviar bekam, freute sich der Flugingenieur ob beidem.

Nach den Kostbarkeiten aus dem Meer, folgte fleischiges von den Weiden. Meist begleitet von knackigem Salat, serviert von noch knackigeren Kolleginnen. Es war die Zeit, als die Tugendpolizisten noch nicht das Sagen hatten und ohne Helm Fahrrad, Mofa und vereinzelt sogar Motorrad gefahren wurde. Rauchen gehörte zu einem richtigen Weltenbummler dazu und folglich dampfte es nach dem Essen im Cockpit aus vollen Rohren. Es folgte "Blüemlitee +" und vielleicht ein kurzes Nickerchen.

Der Flugingenieur bastelte mit dem standardmässig mitgeführten Messer- und Schraubenzier-Set am Flugzeug herum und Herr Flugkapitän las die Tageszeitung und stopfte sich dabei die Pfeife. Stewardessen schnitten sich mit den Nagelscheren auf der Toilette die Nägel und die Passagiere hörten Musik über Röhren, die dicker waren als die Oberarme manch Magersüchtigen.

Ja, die guten alten Zeiten! When flying was dangerous and sex was safe…

Und das Gute daran: ich habe das noch erlebt!

Heute finden weder Nagelscheren, Multifunktionstools, Zigarren, Zigaretten, Kaviar oder Lachs den Weg auf die Kurzstreckenflieger. Tugendwächter verbieten uns alles und klauben die sündigen Dinger weit vom Flugzeug entfernt aus unseren Taschen. Unglaublich, wieviel Technik dafür eingesetzt wird, uns den Spass zu verbieten. Die katholische Kirche hat sicherlich helle Freude daran! Rauchen darf man auch nicht mehr, nicht mal im Planungsraum vor einem langen Tag. Für alles gibt es Vorschriften, um den Spass im Keime zu ersticken.

Doch es macht sich Widerstand breit. Ein Kapitän (gross und korpulent) hat heute die ungeschriebenen Gesetze gebrochen. Kaviar und Baliklachs fanden den Weg aufs Flugdeck, allerdings nur in einem Dutyfree Sack.

Zuhause haben meine Frau und ich 400 Gramm Lachs verspeisen, dazu Dill-Sauce gereicht und etwas Kaviar in den Tellern verteilt. Ein kühler Weisswein wurde dazu kredenzt und mehr als einmal angestossen.

Da war sie wieder die gute alte Zeit, wenn auch nur für ein paar Minuten.

Dienstag, Juni 19, 2012

Handwerker und Aargauer


Während die Fusswerker in Europa im Moment für Schlagzeilen sorgen, beschäftigen mich eher die Handwerker. Die Fassade wird gestrichen und das ist zwar für das Auge schön, nicht aber für andere Sinnesorgane.
Die Nase leidet ob der scharfen Gerüchte, die Ohren werden durch die sich überschlagende Handwerkermusik gequält, Schweiss schiesst aus wegen geschlossener Fenster  aus allen Poren – und wäre das nicht schon genug, tritt man regelmässig in klebrige Farbresten, die unmotiviert von der Decke tropfen.

Da hilft nur die Flucht aus den eigenen vier Wänden und zwar am besten an ein kuscheliges Örtchen am Wasser, fern von arbeitsamen Personen und möglichst nah an einer Feuerstelle.
An einem Dienstagmorgen kein Problem. Sei dank Du unregelmässige Arbeitszeit!

Würste, Salat, Brot, eine Melone, Äpfel, Wasser, Servietten, Schokolade, Kühlelemente, Senf, Mayo, Pfeffer, drei Zeitungen, Brennholz, Zündhölzer, Brandbeschleuniger, ein Buch und der Hund wurden ins Auto gepackt und gleich hinter der IKEA wieder ausgeladen. Dass es so kuschelige Ecken gibt in der Agglomeration, dürfen die Urbanen nicht wissen, sonst ist die Agglo nicht mehr das, was sie einmal war!

Ich hätte auch laufen können, es war so nah, doch es war mir bereits um 9 Uhr viel zu heiss.

Zwei Mal links, einmal rechts, geradeaus und schwups waren wir da. So schnell ist man im Paradies, so schnell hat man Gemeinde und Kanton gewechselt. Vor 214 Jahren war dies noch anders. Näppi zeichnete zwei Linien von Nord nach Süd und geboren war der Kanton Baden. Wir hatten alles, was der moderne Mensch heute braucht: Wasser, Shopping-Center, Möbelhäuser, IKEA, Media Markt, Apple-Shop, Strandbäder, Brauereien, Zweifel Chips, Schweizer Familie Feuerstellen, Atomkraftwerke und wunderschöne Landschaften.
Nur fünf Jahre nach der Gründung folgte die Aufspaltung. Der Aarau wollte uns um jeden Preis – ausgerechnet der Aarau!
Gut reagiert haben einige Gemeinden im Limmattal. Nehmt uns auf, gebt uns Asyl!, schrieben sie verzweifelt nach Zürich und die damals noch blocherfreie Limmatstadt hatte Erbarmen. Glücklicherweise wurde ich in einer dieser Gemeinden geboren und wohne noch heute im Kanton ohne die zwei AA im Namen.
So wechsle ich heute die Kantonsgrenze, wenn ich auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Spreitenbach Fichtenmöbel vom Polarkreis kaufen möchte.

Ich komme vom Thema ab.

Um 09:00 Uhr brannte die Anfeuerhilfe wie Zunder, um 09:40 Uhr rauchte es noch immer, um 10:00 Uhr bliess ich in die Ansammlung von verkohltem Holz und nicht ganz verbranntem Papier, um 10:40 Uhr die erste Glut, um 11:00 Uhr ein Flämmchen, um 11:30 Uhr die erste Wurst.

Der Hund streunte herum, begrüsste die Fussgänger, verteidigte das Essen und badete genüsslich in der kühlenden Limmat. Der idyllische Weg wurde gut bewandert und der Hund noch besser gestreichelt. Alle zufrieden, sollte man meinen. Plötzlich knatterte ein Mofa in der Ferne. Eigentlich verboten auf dem kuscheligen Uferweg, doch mich störte das am wenigsten. Schliesslich raste ich früher unzählige Male mit einem Loch im Auspuff, grösserer Einspritzdüse und einem Fenster im Kolben auf eben diesem Uferweg hin und her.

Das Mofa wurde leiser.

"He sie da! Ja, sie meine ich. Ich bin von der Polizei Aargau – Hund anleinen, sonst gibt es 120 Fränkli Busse."

Gesetze sind von Kanton zu Kanton verschieden…

Freitag, Juni 08, 2012

ein Kurzstreckentag im Live Ticker

0620 Uhr:
Flugnummer?
316.
Ok,

0623 Uhr:
Äh, sie sind am Flugi vorbeigefahren!
Ist es nicht die IOC?
Nein, es ist die IOF!
Moment...
Nein, es ist die IOC.
OK, Flugzeugwechsel, das kommt ja mal vor.
Adieu

0625 Uhr:
Zeitungen nach Berlin, Essen nach Berlin und wir sollten nach London…
Hallo – ist hier jemand?
Ja, sie wünschen?
Welches Flugzeug geht nach London?
Die IOF!
Warum wo sind sie?
Bei der IOC…
Aha, ich schicke den Crewbus.

0630 Uhr:
Hallo Crew. Änderung: Es hat zuviel Wind in London. Der Flug nach City ist gestrichen. Ihr bekommt 14 C und 40 Y Paxen mehr...
Aha, der Abflug ist in 30 Minuten und Essen haben wir auch viel zu wenig!
Der Slot ist schlecht wegen dem Sturm über London. Frühster Start um 0800 Uhr.
Aha...

0700 Uhr:
Immer seit ihr zu spät!
Flying is an outdoor activity – ask TWRMädel!
But…
No but!

0715 Uhr:
Die City Leute kommen.
So ein verdammtes Puff!
Nein, das ist kein Puff, das ist eine Demonstration von höchster Flexibilität!
Ich habe City gebucht und nicht Heathrow!
In City ist das Wetter zu garstig!
Ja und?
Was heisst da ja und?
Ach, ihr seit immer zu spät.

0800 Uhr:
Cleared for T/O.

0915 Uhr:
Join Biggin and hold. Expected Approach time ...

0940Uhr:
You're cleared to land 27R. Wind is 220/19G33. Previous aircraft reported speed loss of 20kts at 200ft...

0950 Uhr:
Adieu, Danke, Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke

0955Uhr:
Ihr seit immer zu spät!
Ja stellen sie sich vor, wenn wir alle nicht das Beste gegeben hätten, wir wären noch vieeeeeeeeeeeeeeel später!

1000 Uhr:
When can I bring the passenger?

1005 Uhr:
You have a slot starting 1030 – can you make it?

1010 Uhr:
Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord, Grüezi, Willkommen an Bord,

1011Uhr:
Ihr seit immer zu spät!

1025 Uhr:
Cabin Crew, yellow doors selectors armed!

1045 Uhr:
You're cleared for T/O 27L, wind 220/22G35

1050 Uhr:
Nachricht aus Zürich: Ganze Crew geht nach BCN statt nach TXL. Flugzeug in ZRH bitte in 35 Minuten wenden…

1150 Uhr:
Join GIPOL, expected Approach time 1210 Uhr.

1220 Uhr:
Touchdown! Tailwind .... knots

1227 Uhr:

Adieu, Danke, Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke

1235 Uhr:
Ihr seit immer zu spät!
Ja stellen sie sich vor, wenn wir alle nicht das Beste gegeben hätten, wir wären noch vieeeeeeeeeeeeeeel später!

1240 Uhr:
Wann können wir die Passagiere bringen?

1245 Uhr:
Wetter ZRH: heavy thunderstorm over the airport…

1250 Uhr:
Passagiere kommen!
Ihr seit immer zu spät!


1300 Uhr:
Meine Damen und Herren. Blablabla... Wir haben eine Startzeit hier in Zürich zugeteilt bekommen und dürfen nicht vor 1350 Uhr starten.

1310 Uhr:
He Chef: Ein Passagier will aussteigen.
Das kann er glatt vergessen.

1320 Uhr:
Swiss 195R – you're cleared for push B38.

1340 Uhr:
Vollgas! TOGA!

1458 Uhr:
Hello Swiss 195R. Reduce the speed to 160 Knots, You're number five in sequence.

1513 Uhr:
Touchdown!

1520 Uhr:
Adieu, Danke, Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke,Adieu, Danke

1525 Uhr:
Ihr seit immer zu spät!
Ja stellen sie sich vor, wenn wir alle nicht das Beste gegeben hätten, wir wären noch vieeeeeeeeeeeeeeel später!

1600 Uhr:
Stau auf der Stadtautobahn in Barcelona.

1650 Uhr:
Ankunft im Zimmer:

1730 Uhr:
Tapas & Cerveca
(die erste Mahlzeit seit 0445 Uhr…)

2118 Uhr:
Guet Nacht!

Mittwoch, Juni 06, 2012

Ballast

Dieser Blog war in letzter Zeit etwas hundelastig. Doch dies hat ein Ende, das bemerkt auch mein Hund. Die längere Flugabwesenheit ist bald vorbei. Herrchen klopft die verstaubte Uniformhose ab und säubert wieder einmal seinen Crewbag. Darum ist der Hund im Moment beleidigt.
Dieser Crewbag ist zugegebenermassen nicht mein Lieblingsteil. Es stammt aus einer Zeit, da man auf einen Flug noch Ölkanne, Schraubenschlüssel und Windows-Laptops mitnehmen musste. Das Teil ist unförmig und sieht echt Scheisse aus. Gut trainierte Crewmembers tragen es lässig in einer Hand, während die Weicheier Rollen montieren und die Box hinter sich nachziehen. Ein grauenhaftes Bild geben wir damit ab.

Nach dieser langen Auszeit habe ich mich endlich einmal entschlossen, das Teil auszuräumen, zu reinigen und unnötiges zu entsorgen.
Wenn sie wüssten, was da alles ans Tageslicht kam!







Sonntag, Juni 03, 2012

Hallo Luna…


(Hund von IHM)


Also gut, dann legen wir los.

Du bist jetzt vom Hunde- ins Menschenheim gekommen und da gilt es in paar Regeln zu beachten. Hör gut zu!

Hunderziehung
Deine Menschen mögen Buchstaben und das kenne ich zur Genüge. Sie werden jetzt Literatur anschaffen und versuchen, die zehn Millionen Tipps in das Alltagsleben zu integrieren. Das alles mit dem Ziel, dass Du so gehorchst wie sie es wünschen.
Das ist zum Scheitern verurteilt, das wissen wir beide, aber mit etwas Geschick kannst Du dieses Erziehungsspiel zu Deinem Vorteil ausnutzen.
Menschen brauchen Erfolgserlebnisse und die musst Du ihnen geben. Ich würde mir an Deiner Stelle unangenehme Sachen angewöhnen, die Du eigentlich gar nicht machst und die Dir die Menschen sofort abgewöhnen können. Zum Beispiel ein Uniformhemd beim Spielen zerreissen oder den Reisepass des Herrchens essen. Sofort werden alle Erziehungsenergien ins Abgewöhnen eben dieser schlechten Eigenschaften gesteckt und Du kannst so ganz nebenbei Deine liebgewonnenen Mödeli behalten.
Schlecht für Dich ist dieser Fernsehhundererziehergott Rütter. Die Menschen (vor allem das Frauchen) mögen diesen Erzieher ungemein und versuchen dann, das Gehörte an uns auszuprobieren. Naja…

Leider Gottes musst Du jetzt in die Hundeschule. Zusammen mit anderen Genossen wirst Du an der Leine durch nasse Wiesen gezerrt und musst zu allem Elend noch alle paar Minuten den Hintern in eben diese nasse Wiese setzen. Interessanterweise schreien alle Menschen auf dem Platz herum und laufen mit strengem Blick durch die Gegend. Leider darf man auf dieser Wiese nicht spielen, was uns Hunden allen ziemlich sauer aufstösst.
Wenn Du Abwechslung brauchst, musst Du nur auf das Übungsfeld kacken. Wirst erstaunt sein, wie schnell das öde Spiel spassig wird. Der Obermacker staucht Dein Frauchen zusammen und mit der Disziplin der Hunde ist es auch schnell vorbei. Jeder will an Deinem Dreck riechen und spätestens wenn einer einen Bissen davon nimmt, sucht Dein Frauchen eine neue Hundeschule, was nicht immer die schlechteste Lösung ist.

Das blaue Fell Deines Herrchens
Wenn Herrchen das blaue Fell mit den goldenen Streifen anzieht, dann geht er jagen. Ohne das blaue Fell gibt es keine Fressen, darum musst Du ihn ziehen lassen. Damit er Dich nicht vergisst, kannst Du ihm kurz vor seiner Abreise um die Beide herum laufen und ihn dabei liebkosen. Das hinterlässt am blauen Fell Millionen von Haaren, was bei seinen Jagdgefährtinnen den Helferinstinkt weckt, er ein Foto von Dir zückt, die Jagdhelferinnen "Jööööö" sagen und die Jagd damit für Dein Herrchen viel angenehmer wird.
Kommt er von der Jagd nach Hause, musst Du an ihm riechen! Diese Duftnoten, einfach herrlich! Riecht er wie die Pansenabteilung im FRESSNAPF, dann war er in Mumbai. Riecht er wie eine Kaffeerösterei, war Amerika sein Jagdgebiet und riecht er nach der Parfümabteilung des Globus, dann darfst Du Frauchen auf keinen Fall davon erzählen! Würdest Du ihn verpfeifen, dann wären die Folgen auch für Dich nicht absehbar.

Spaziergang
Die gute Nachricht voraus: Deine Herrchen sind gegen alles versichert! Also don't worry – be happy!
Du lebst in der Deutschschweiz, das macht das Ganze komplizierter. Deutschschweizer brauchen Feindbilder um glücklich zu sein und ein gutes Feindbild sind die Hunde. Da dennoch immer eine Chance besteht, dass jemand mit Dir spielen will, würde ich grundsätzlich alle Spaziergänger anspringen. In ungefähr 10% aller Fälle hast Du Glück und Du wirst gestreichelt. Die restlichen 90% regelt Dein Herrchen, der es mit Menschen recht gut kann. 
Sehr spannend sind Kinderwagen. Darin finden sich immer wieder Resten von Brot, Reiswaffeln und anderen Leckereien, die dem Baby in den Rachen gestopft werden. Schnuller und Stofftiere sind tabu. Vergisst Du das einmal, dann ist Dein Herrchen ja versichert. 

Mit einer schönen Regelmässigkeit musst Du "Sitz, Platz, bleib" und andere Spielchen machen. Ist etwas mühsam, aber danach gibt es immer Leckereien.

Der Wald ist voller Überraschungen. Pferdemist schmeckt im dampfenden Zustand am besten, doch auch die getrocknete Variante ist ganz nahrhaft. Du schaffst Dir keine Freunde, wenn Du danach Herrchen oder Frauchen im Gesicht abschleckst. Interessanterweise fressen diese die Pferdescheisse gar nicht gerne, dünken aber dafür leckeres Brot in einer stinkenden Käsemischung. Seltsam diese Menschen, aber als Untertanen sind sie ganz OK.

Rangordnung
Die Menschen sind der Kopf des Rudels, Du bist der Hals – und letztendlich entscheidet ja der Hals, wohin der Kopf schaut und sich das Rudel dann bewegt. Geniesse das, nutze es aus! Der mit dem blauen Fell ist der Chef – das meint er zumindest. Die Menschenfrauchen sind unglaublich gut darin, Herrchen den Chef spielen zu lassen, aber selber alle Fäden in der Hand zu halten. Merke Dir das. Ohne Frauchen geht gar nichts. Sie bestimmt den Tagesablauf und alles andere angenehme und unangenehme. Das kann zum Problem werden. Sie ist es auch, die Dich diszipliniert, die Dich bestraft. Menschen schlagen nicht – das ist auch gut so, aber sie kürzen die Rationen. Das ist wiederum echt Scheisse. 
Hier hilft Herrchen. Männer können nie NEIN sagen und schmelzen beim Hundeblick dahin wie der stinkende Käse in der Fonduepfanne. Darum geht der schnellste Weg zum Fressnapf über das Herrchen. Doch solange dieser so schlecht grillt, wirst Du ja eh nicht verhungern.

Ich wünsche Dir viel Vergnügen! Bis bald Jack.