Sonntag, April 08, 2012

heiteres Koffersuchen


Das Wetter war garstig in Wien. Dank elektronischem Wetterdienst waren wir klamottenmässig bestens darauf vorbereitet. Die Internetwetterdienste meldeten schon am Vortag, dass die österreichische Hauptstadt an diesem Ostersamstag von Touristen und Regentropfen überschwemmt werden würde.

Acht Minuten zu früh gelandet! Die Crew für den Rückflug war dankbar dafür. Statt 35 Minuten blieben ihnen deren 43, bis das Flugzeug wieder nach Zürich startete. Durch schmale Gänge, an Duty-Free Geschäften vorbei, folgten wir den Schildern zum Ausgang und betraten die Halle der Gepäckausgabe. ZÜRICH war über dem Band 5 gross angeschrieben. Darunter standen noch andere Städtenamen, was den Andrang vor Band 5 anwachsen liess. Zuerst kamen viele Koffer, dann ein paar wenige und am Schluss keiner mehr. Band 5 war in der Zwischenzeit leer und unsere Koffer nirgends zu sehen. Noch gut 20 Minuten bis zum Start der Maschine nach Zürich. Das LOST & FOUND war nicht weit, die Damen darin hilfsbereit und nett. Ein kurzes Telefonat brachte Klärung.
Die Koffer befänden sich noch auf dem Flugzeug, meinte die Dame in Rot, da hätte wohl jemand seine Arbeit nicht richtig verrichtet. In maximal zehn Minuten seinen unsere Gepäckstücke, beladen mit Regenjacke, bequemen Hosen, Schlafanzug, Ersatzhemd, Toilettenartikeln und diesem und jenem, was man in einem Hotelzimmer halt so braucht, auf dem Gepäckband für uns bereit. Neun Minuten später noch keine Koffer, die Dame im LOST & FOUND erwartete mich bereits.

Der Angestellte sei zum Flugzeug gefahren, hätte aber niemanden gefunden, der berechtigt gewesen wäre, etwas auf dem Frachtraum zu entladen, informierte mich die Dame in Rot etwas aufgeregt. Sie sei aber guten Mutes, meinte sie wenig überzeugend, das Flugzeug befände sich noch ein paar Minuten am Gate.
Just in diesem Moment begann die Uniformhose zu jucken und mein Hemd zu riechen. Es war ein psychologisches Jucken, ein psychologisches Riechen… Ich stellte mir vor, wie ich den ganzen Nachmittag und Abend in meiner Uniform stecke, die ich den folgenden Tag wieder tragen muss.
Ich stellte mir auch vor, dass ich kein Schnitzel kriege, auf das ich mich so gefreut habe. Und ich stellte mir weiter vor, wie viel Schreibkram mir an diesem Ostersamstag noch bevor stand.

Die Zeit lief zu unseren Ungunsten und die netten Damen im LOST & FOUND wurden zahlreicher. Man entschuldigte sich, machte mir Hoffnung und verkündete schliesslich das Unvermeidbare: Die Maschine sei wieder auf dem Weg nach Zürich, unsere Koffer wohl auch…

Figlmüller ade!

Ausgerüstet mit einem «Overnight-Kit», bestehend aus Zahnbürste, T-Shirt und Deodorant, machten wir uns auf den Weg ins Hotel. Schnitzel gab es trotzdem am Samstagabend. Eingenommen haben wir diese ausserplanmässig im hoteleigenen Restaurant.
Auch ein Bier haben wir uns – trotz Uniform – auch gegönnt. Dies war nach allen Regeln der Vorschriften legal. Uniform waren wir gekleidet, steckten wir doch allesamt im weissen T-Shirt gefunden im Overnight-Kit der Star-Alliance.

Für einmal war ich bereits um 20 Uhr im Bett und schlief auch sofort ein. Um 21 Uhr klingelte das Telefon zehn Zentimeter neben meinem Ohr. Es war die nette Dame vom LOST & FOUND. Unsere Koffer warten im L&F in Zürich auf uns, sagte die Dame am Telefon. Ob sie diese am nächsten Tag mit den ersten Kurs nach Wien schicken solle?, erkundigte sie sich ganz nett am Telefon. Leicht verschlafen und verstimmt informierte ich die Dame, dass wir diesen Morgenkurs ungefähr über Salzburg kreuzen werden.
«Sie sind nur so kurz in Wien?», meinte die Dame mitleidig, «dann ist es ja gar nicht so schlimm, dass sie ohne Gepäck in Wien gelandet sind!»
Sie war ganz offensichtlich noch nicht mit den neuen Arbeitsmodellen von Flugbesatzungen vertraut.

Eine gute Nachricht gab es dennoch zu verkünden: Wenn wir am Sonntag in Zürich ankommen, beginnt das heitere Koffersuchen. Wenigstens kommt so etwas Osterstimmung auf.

Kommentare:

  1. Ärgerlich sowas!

    Hatte es vor längerer Zeit in CPH, dass der letzte Abendflug nach München gecancelt wurde und man mir den eingecheckten Koffer aber auch nicht mehr rausgeben wollte.

    Also mit dem berühmten Kit (warum sind die T-Shirts eigentlich immer in XXL?) ab in's von SAS bezahlte Hotel...

    Schöne Ostertage!
    Stefan

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  2. Damit solche T-Shirts auch einem wie mir passen ;)

    Leider gibt es bei der rotweissen Meute in der einweltigen Allianz keine Kits, zumindest nicht für die Besatzungen. Da muss man dann hoffen dass es das nötigste zumindest im Hotel gibt.

    Nach zwei 13 bis 14 Stunden Tagen in Folge in derselben Uniform ist das Jucken und Riechen dann leider auch nicht mehr eingebilded, und zuhause das Zoll(l?)ager wahrscheinlich auch schon wieder zu so dass man den Koffer nicht mehr bekommt.

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  3. … auch ich war froh um das XXL!

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