Donnerstag, März 22, 2012

zurück auf Feld 1

Es gibt Leute, die schwelgen ewig in alten Erinnerungen und andere, die leben hier und jetzt. Es gibt Piloten, die kennen noch sämtliche geflogenen Flugzeugtypen in- und auswendig, andere vergessen Limiten am Tag der Umschulung auf den neuen Flugzeugtyp.

Ich gehöre eher zu zweiten Gruppe, ich vergesse zum Glück sehr schnell.

Seit nun einem Jahr und fast 1000 Flugstunden sitze ich auf dem linken Sitz und bediene das Flugzeug von der anderen Seite, mit den anderen Armen. Ob man den Airbus aus dem linken oder rechten Handgelenk steuert, macht fast keinen Unterschied. Man gewöhnt sich sehr schnell an die Umstellung und auch der Wechsel der Gashebel von der einen zur anderen Hand bereitet kaum Mühe.

Es sind die kleinen Sachen, die kaum ins Blut übergehen. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man zur Sitzverstellung ans richtige Ort greift, plötzlich findet man Schalter erst auf den dritten Blick wieder und wenn ein Funkruf ertönt, sucht man mit Sicherheit am falschen Ort das Mikrofon. Braucht man eine Checkliste, geht der erste Griff ins Leere und die Suche nach der Taschenlampe will kein Ende nehmen.

Das sind Schwierigkeiten, die den Kollegen der Langstrecke bestens vertraut sind. Gerade die Copiloten fliegen auf dem gleichen Flug nicht selten ein Drittel von rechts und ein Drittel von links. Auf der Kurzstrecke sind solche Probleme unbekannt, ausser man hat die Qualifikation, von beiden Sitzen aus zu fliegen. Solche sogenannten either seat qualifications (ESQ) brauchen Instruktoren, die Jungkapitäne auf den ersten Rotationen einführen.

So sass ich gestern im Simulator – quasi zurück auf Feld 1 – auf dem Copilotensitz eines A320 und flog zwei Stunden lang Startabbrüche, Circuits und Anflüge mit mehr oder weniger Motorenunterstützung. Ende Monat werde ich dann einen Tag im Streckenbetrieb als Copilot eingesetzt und der Instruktor wird mir peinlich genau auf die Finger schauen, ob ich auch die Checklisten genau und sauber mache.

Klappt dies, was ich natürlich hoffe, habe ich die Berechtigung, die A320 Familie von beiden Seiten aus zu bedienen. Eine Lizenz für zwei verschiedene Sitze auf ein und demselben Flugzeug, das hatte ich schon einmal. Es war dies auf dem Jumbo, den ich zuerst als Flight Engineer beflog und dann damit als Copilot unterwegs war. Wer weiss, vielleicht schiebt uns die Lufthansa aus einer Laune heraus ein paar 747 rüber, es würde dann noch der dritte Sitz im Jumbo dazukommen…

Träumen darf man ja!