Mittwoch, März 07, 2012

Pilot fiel aus den Wolken

Zugegeben, Piloten sind keine Routiniers, wenn es ums bewerben geht. Wollen wir Arbeit, dann rufen wir die Crew Disposition an und bekommen schwups einen Vierleger zugeteilt oder schieben Reservedienst vor dem Fernseher oder der Tastatur.

Doch leider gibt es auch im Pilotenleben Situationen, wo man zu Papier und Stift greifen muss, Motivationsgründe auflistet und wichtige Tatsachen verschweigt.
Bewerbung nennt sich das im Fachjargon und wie es scheint, lebt eine ganze Industrie davon.

Zuerst muss das Bewerbungsfoto ausgewählt werden. Schön sind wir ja alle, wir Piloten – und Charmebolzen obendrein. Darum bloss nicht zu viel Aufwand machen. Eine Kopie des Passbildes muss reichen.

Vor dem Brief aufsetzen, lohnt es sich, die beizulegenden Papiere zu ordnen, zu kopieren und auf Vollständigkeit zu überprüfen. Das dauert für offene Positionen in der Schweiz einige Minuten, für Jobs in Deutschland kann man schon mal eine Woche Ferien eingeben.

Ich bewarb mich in Deutschland, genauer gesagt in der Hauptstadt Berlin.

Als diese Hürde hinter mir lag und ich hoffte, dass nichts vergessen ging, wurde die Anmeldung auf den Weg geschickt. Vermutlich brachte ich diese Postsendung eigens mit dem Flugzeug nach Berlin, doch dies tut nichts zur Sache.

Dass sie mich nehmen war von vornherein klar, nur wann und zu welchen Konditionen war noch offen. Als dann die ziemlich bürokratische Bewerbung extrem unbürokratisch abgelehnt wurde, fiel ich aus allen Wolken – also gedanklich meine ich – in einem Pilotenblog muss man mit solchen Äusserungen vorsichtig sein (nicht auszudenken, wenn 13 Millisekunden später im Blick steht: PILOT FIEL AUS DEN WOLKEN…)

Ich war also Unerwünscht. Meine fachlichen Qualifikationen genügten nicht, meine Person zeigte die gewünschten Charaktereigenschaften offensichtlich nur mangelhaft. Hart so ein Urteil, aber man muss damit leben.

Doch ich habe Rache geschworen. Im Juni besuche ich den Ort persönlich und nehme meinen Airbus mit. Dann mache ich da mal richtig Lärm!



Einen Zeitungsartikel darüber gibt es in der Berliner Morgenpost