Dienstag, März 27, 2012

Passivfliegen

Passivrauchen ist ungesund, das weiss mittlerweile jeden Kind. Während der Raucher genüsslich an der Zigarre zieht, fühlt sich der Passive seiner Gesundheit bedroht. Interessanterweise husten nur Passivraucher, Aktivraucher bekommen höchstens eine sexy Stimme. Auch beim Coolnessfaktor zieht der Passivraucher den Kürzeren. Er riecht genauso mies, hustet ähnlich und stirbt an Volkskrankheiten, die allesamt wenig mit dem Genuss zu tun haben, doch cool ist er nicht – der Raucher schon.

Ähnlich ist es beim Fliegen. Auch hier gibt es Passivflieger und wie beim Rauchen, machen diese Stress, stören die Atmosphäre mit unpassenden Bemerkungen und tragen wenig zur guten und gemütlichen Stimmung bei. Wie schön wäre das Fliegen ohne diese Stimmungsbremser, wie sorglos und schnell könnten wir die ILS herunterrutschen, wenn diese Nörgeler nicht wären. Passivflieger nennt man in der Fliegerei übrigens Checker und so einer bin ich auch seit geraumer Zeit.

Wenn ich noch einmal den ersten Abschnitt durchlese, fallen mir immer mehr Ähnlichkeiten mit dem Rauchen auf. Passivfliegen ist im höchsten Masse ungesund. Auf dem hinteren Notsitz kommt man sich vor, wie der dritte Mann im Porsche Boxer. Alles ist zu klein, alles für den Notfall gemacht. Meine 1.96m sind da auch nicht wirklich förderlich. Und glauben sie mir, beim A320 zieht es aus sämtlichen Löchern! Wissen sie wie viele Lüftungsöffnungen dieses Flugzeug hat? Ich auch nicht! Wer es weiss, schreibe mir bitte  S O F O R T ein Mail. Auch gerne mit der Angestelltennummer, ich werde es im nächsten Checkblatt positiv vermerken.

Natürlich hat das Passivfliegen auch seine guten Seiten. Zwanzig Jahre Erfahrung dürfen weitergeben werden und dabei kann auch der Passivflieger enorm viel Lernen. Man kann Fragen stellen, bei denen man garantiert die richtige Antwort weiss und bei den von Kandidaten gestellten Rätseln, darf mit der immer richtigen Antwort "es kommt drauf an!" kontern.

Doch wie beim Rauchen ist der Passivflieger irgendwie weniger sexy. Die Umgebung solidarisiert sich automatisch mit dem zu prüfenden und der Prüfer wird zwar zwecks Ablenkung (eingefädelt von dem zu prüfenden) verwöhnt, doch das Makel des Passivfliegers bleibt.

Damit man alles überblicken kann, jede Manipulation sieht, braucht es Aufmerksamkeit. Die Augen müssen über die Instrumente wandern und die Ohren immer offen sein. Nichts darf dem Checker entgehen, alles muss am Abend sauber protokolliert sein. Ablenkungen müssen vermieden werden, wenn das auch nicht immer gelingt. Gerade wenn es zieht, geht sehr viel Checkerenergie verloren, weil der zügige Spalt lokalisiert und gestopft werden muss. Schliesslich geht es um die eigene Gesundheit, um die eigene Performance. Das wissen natürlich auch die zu prüfenden und können diese Zugwaffe bei hohem Nervfaktor des Checkers gezielt einsetzen. Darum meine Aufforderung: Wer weiss, wie viele Lüftungsschlitze der A320 hat, schreibe mir bitte  S O F O R T ein Mail.

1 Kommentar:

  1. Haha..herrlicher Bericht. Zuerst dachte ich, du meinst mit Passivfliegern die nervigen Paxe. :D

    Dafür bist du jetzt der Ober-Checker und das nicht nur an der Bar-damit kann man doch auch ein paar Mädels in und außerhalb des Flugzeugs beeindrucken, oder nicht?! ;)

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