Samstag, März 03, 2012

Die Nacht davor


Es war Mitte 80er Jahre. Die Nacht vor dem zweiten Sonntag im März. "One Night in Bangkok" lief auf allen Kanälen und der Sänger Murray Head bekam dafür ein Einreiseverbot für Thailand. Bei uns im Keller lief Queen.
"We are the Champions" spielten wir immer und immer wieder, während wir sorgfältig Wachsschicht für Wachsschicht auf unsere Langlaufskis auftrugen.

Der Marathon stand vor der Tür, der Engadin Skimarathon.

Unsere Partnerinnen kochten in der Küche Sugo und verarbeiteten die nun im ganzen Tal ausverkauften Spaghettis zu waren Kohlehydratbomben.

Nach dem Auftragen der diversen Wachsschichten wurden diese draussen abgekühlt und danach bis zum letzten Rest wieder ausgebürstet. Zwischen die Laufflächen kam ein dünnes Flies und vorsichtig wurden die Skis mit Klebeband fixiert. Nicht irgend ein Klebeband, sondern das von Toko musste es sein. Es wirkte einfach professioneller, es wirkte einfach schneller.

"We are the Champions" – der Engadin Skimarathon stand vor der Tür.

Noch vor dem Nachtessen legten wir ein paar alte Latten ins Auto und fuhren beim Eindunkeln nach Maloja zum Startgelände. Die Streckenposten waren an der Wärme und so konnten wir ungestört unsere alten Skis in der ersten Reihe platzieren und so den besten Startplatz sichern.
Es knirschte unter unseren Füssen. Der Startplatz auf dem Malojasee war gefroren, ja eine Eisbahn. Hoffentlich geht am Start alles gut, hoffentlich erleiden wir keinen Stockbruch. Dann nützt das beste Wachs nichts mehr, dann war das Sommertraining auf Rollen für die Katz. Mein Puls stieg.
Fünf paar Skis lagen in Reih und Glied. Wir haben an alles gedacht.

"We are the Champions" – der Engadin Skimarathon stand vor der Tür.

Zuhause waren die Teigwaren al dente. Dreihundert Gramm pro Person – mindestens. Unisono glaubten wir an die damals populäre Schwedendiät und ließen die Woche vor dem Marathon die Finger von den Kohlenhydraten, um am Abend davor umso wuchtiger zuzuschlagen. Wir haben an alles gedacht.

"We are the Champions" – der Engadin Skimarathon stand vor der Tür.

Mit vollen Mägen legten wir die Kleider für den Renntag zurecht. Alles durchdacht, alle Schichten genau überlegt. Am Schluss kam die Starttnummer und darüber eine alte Windjacke, die vor dem Startschuss vor der Kälte schützte und nach dem Lauf der Berghilfe zu Gute kam. Wir haben an alles gedacht.

"We are the Champions" – der Engadin Skimarathon stand vor der Tür.

Das klopfende Herz hinderte uns am einschlafen, die Sportlerfürze in der überfüllten Wohnung auch. Irgendwann nahm die Nacht ein Ende und der Renntag kam näher.

In einer Woche ist es wieder soweit und ich bin wieder dabei. Als Zuschauer zwar, aber das ist egal. Aus Solidarität fresse ich am Vorabend auch 300 Gramm Pasta, gönne mir aber ein Glas Wein dazu.

"I was a Champion" – der Engadin Skimarathon steht vor der Tür.

Kommentare:

  1. Wann gehts wieder los mit dem Marathon?
    Gruss Bängbüx

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  2. ... und dieses Mal verhindern wohl auch keine Sportlerf.... das Einschlafen ;))

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  3. ... macht JoBo auch Langlauf...?

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  4. Wenn ich die Erfahrungen von Herrn Flohnmobil mit deinen mische, dann muss ich davon ausgehen, dass zwischen euren Skis, die einst sorgsam in der ersten Reihe platziert waren, mindestens ein halbes Dutzend weiterer Latten lagen, als ihr mit eurer Spaghetti-Trommel endlich in Maloja ankamt.

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  5. Sehr schön geschriebener Text :-)

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