Freitag, Februar 24, 2012

wake up turbulence


"Swiss 185R, descent to FL200 to be RAVED at"

Knöpfchen drehen, 200 einstellen, wieder Knöpfchen drehen, ziehen und fertig. Was sich hier so einfach anhört, kann um 05:50 Uhr in der Früh ziemlich anspruchsvoll sein.

"Swiss 185R, after AMIKI turn right heading 320!" 

"Hat er rechts gesagt? War es 320?"

Alles wird am Morgen doppelt kontrolliert und rückbestätigt. Wir, mein Copilot und ich, sitzen im abgedunkelten Cockpit über dem Thurgau und versuchen unsere Körperfunktionen am Leben zu erhalten.
Wir sind beide müde, wir haben beide einen Nachtflug hinter uns. Nachtflug klingt lang und langweilig. Unser Flug war nicht lang, dafür aber die Nacht.

Um 2230 Uhr sind wir losgezogen und gut zwei Stunden später in Thessaloniki gelandet. Viel war da nicht los, wir waren weit und breit die Einzigen. Nur leider war es erst 01:30 Uhr in der griechischen Hafenstadt und unser Rückflug ging erst wieder um 04:50 Uhr... Was machen in einer Stadt die schläft, was machen auf einem Flughafen der pausiert?

Schlafen ist auf den Sitzen mit meinen Ausmassen keine Option, so philosophiere ich alleine im Cockpit vor mich hin. Zum Lesen bin ich zu müde, zum Schlafen zu lang, zum Essen zu faul, zum Kaffeetrinken ein zu grosser Gourmet.
Irgendwie geht die Zeit um. Das Klopfen des Stationsverantwortlichen an die vordere Türe ist wie eine Erlösung.

Die Passagiere kommen, die Fracht auch. Alles läuft am Schnürchen und wir dürfen uns die Startpiste selber aussuchen. Die 34 ist heute Nacht unsere Wahl. Es geht gegen den Himmel und wir verlassen Griechisch-Mazedonien Richtung Mazedonien. Ein Namen, zwei Länder, zwei Welten. Wer den Namen nun wirklich zu Recht trägt, ist mir gelinge gesagt Wurst. Ich will nur nach Hause ins Bett.

Pristina, Belgrad, Zagreb – das Duvet kommt näher, wenn auch nur mit M 0.74. Ljubljana, Klagenfurt, Salzburg – wir fliegen langsam, wir sollen nicht vor 05:52 Uhr über Amriswil im Thurgau sein. Ich halte mich daran und kämpfe gegen den Schlaf.

"Hat er rechts gesagt? War es 320?"

Wir folgen G! auf die Piste 34. Das Wetter ist schön, fast zu schön. Alles geht locker von der Hand. Knöpfchen ziehen, Wert einstellen, Klappen fahren, Fahrwerk raus, checken hier, überprüfen da. Auf der Autobahn A1 hat es bereits Stau, bei Dübendorf auch. Die Piste kommt näher, Wind ist keiner in Sicht, Turbulenzen schon gar nicht.

"Swiss 185R you are cleared to land RWY 34, Wind is calm."

Outer-Marker Check

Landing Check

"Sind wir cleared to land? Frag doch noch einmal."

"I say again, Swiss 185R you are cleared to land, RWY 34, Wind is 160/3."

Rückenwind, wir müssen in Zürich sein.

"400 feet."

Das Flugzeug bricht nach links aus. Das sind "wake up turbulences" – die wecken uns vor der Landung, die garantieren einen sauberen Touchdown. Danke G!, es hat genützt!

Eine halbe Stunde später fahre ich Richtung Gubrist. Der Verkehr läuft gut, ich entscheide mich für die rechte Spur, die dank Lastwagen nur 85 km/h fährt. Für die linke mit 110 km/h bin ich zuwenig wach, ich brauche Distanz – viel Distanz zum vorderen Fahrzeug.

Fenster auf, Frischluft rein. Noch zehn Minuten durchhalten, dann bin ich im Bett. Was bin ich bloss für ein Arschloch, dass ich mich in diesem Zustand ins Auto setze?!?


Kommentare:

  1. da hilft nur eins;
    www.flugdienstzeiten.ch

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  2. Das Leiden der Nachtflieger: wunderbar eindrücklich beschrieben.

    Nach dem Nachtflug folgt die Autofahrt. Ich erinnere mich an eine F/A, die mir seinerzeit ihren Wachbleib-Trick erklärte:
    Fenster auf, Haare raus, Fenster zu.
    Kippt der Kopf beim Einnicken weg, reisst's an den Haaren und schon ist Frau wieder wach!

    nff - ich würde vorerst auf Coiffeur-Besuche verzichten...

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  3. ...also für dich gibts im TWR H24 Nespresso - Anruf genügt ;-)

    Cooles Bild!

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  4. Ist Thessaloniki eigentlich die einzige Destination von euch, welche so grausame Dutyzeiten mit sich bringt oder gibt's da noch mehr?

    Gute Nacht - das von einem, der von 22:00 bis 08:00 hellwach war.

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