Mittwoch, Februar 22, 2012

Männerdiskriminierung


Mann sein ist schön. Drückt die Blase beim Hundespaziergang, dann genügt ein breitbeiniges Hinstehen auf den Waldboden, ein Griff an den Hosenbund und die Erleichterung kommt innert Sekundenfrist. Dass dabei noch kunstvolle Zeichnungen entstehen, ist ein weiterer Beweis dafür, wie überlegen der Aussenborder dem Innenborder ist.

Mann sein kann aber auch ganz schön nervend sein. Drückt die Blase in der Parkgarage, dann ist das Chaos vorprogrammiert. Nicht dass es in den städtischen Parkhäusern keine Männertoiletten gäbe – ganz im Gegenteil, der Service ist dort oft besser als anderswo, denn Hilfe wird einem von allen Seiten angeboten (…), doch leider gibt keine freien Parkplätze. Also das stimmt so nicht ganz, es gäbe schon freie Parkplätze, aber die sind für Frauen reserviert.

Was für eine Diskriminierung! Was für ein Skandal!

Wer meint, dies sein die einzige Gender-Problematik (darf man das so schreiben?) rund ums Auto, der täuscht sich gewaltig.

Tatort Autowaschanlage Spreitenbach, Mittwoch Nachmittag, 15 Uhr. Es hat Stau. Stau vor der Waschanlage an einem Mittwoch Nachmittag? Seltsam. Frau fährt, Mann hat den Auftrag mit Hund auf der kleinen Wiese (50cm x 2 m) zu warten, weil Hund bellt in Waschanlage, denn er findet das Bürsten in Kombination mit Wasser überhaupt nicht lustig.
Frau steht an, Mann wartet neben Selbstbedienungsstaubsaugeranlage auf besagter Grünfläche und wartet, während Hund schnüffelt.

Ein silberner Opel Omega rollt an – auch mit Frau am Steuer. Das Alter des Ehepaars ist etwa so, dass sie Adam Opel noch persönlich gekannt haben könnten. Frau steigt aus und befreit das Auto vom Plastikzeug, dass einem die netten Angestellten vor der Wäsche über die heiklen Weichteile stülpen. Mann sitzt im Opel Beifahrersitz und blickt geradeaus. Feuchtes Plastikzeug von heiklen Weichteilen zu befreien scheint in diesem Haushalt Frauenarbeit zu sein. Es werden letzte Tropfen mit dem Hirschleder entfernt und alterstypisch mürrisch steigt Frau ins Auto ein, lässt den Motor aufheulen und die Kupplung schleifen.

Der Platz neben der Selbstbedienungsstaubsaugeranlage ist nur für einen kurzen Moment frei. Ein schwarzer Elch-Mercedes rollt an. Auf dem Fahrersitz eine attraktive Mitvierzigerin, auf dem Rücksitz ein Golden Retriver. Herrchen und Hundchen freuen sich auf der spartanischen Grünfläche neben der Selbstbedienungsstaubsaugeranlage. Haben sie schon einmal einer Dame beim Autostaubsaugen zugeschaut? Ist ziemlich … äh seltsam.

Den Trennungschmerz überwunden, kreuzt das nächste Fahrzeug auf. Ein weisser BMW. Fahrerin und Fahrzeug könnten unterschiedlicher nicht sein. Während sie auf Konfektionsgrösse heruntergehungert ist, scheint der BMW das pure Gegenteil zu sein. Das Auto sieht aus, als hätte es zu jeder Tankfüllung noch etwas extra Öl bekommen. Alles ist zu gross, alles ist zu fett und darum heisst es auch X6. Frau steigt aus und versucht die Spiegel wieder in die normale Position zu bringen. Es gelingt schneller als erwartet und so ist der Parkplatz neben der Selbstbedienungsstaubsaugeranlage wieder frei.

Die Parademutter rollt an. Ein Van voller Kindersitze tropft vom billigsten Waschprogramm gezeichnet vor sich hin. Die Selbstbedienungsstaubsaugeranlage nimmt die Parademutter nicht in Betrieb, da sich dieser Aufwand bei so vielen Kindersitzen kaum lohnt.

Jetzt endlich rollt Frauchen an. Hundchen schwänzelt und Frauchen grinst über das ganze Gesicht. «Frauendiscount!», ruft sie mir zu. «Immer Mittwochs haben die Frauen 30%!» 
«30% – mehr Geld für Schuhe!», so die gelungene Werbebotschaft.

Obwohl ich das total diskriminierend finde, gefällt mir die Idee!

Männer, wenn immer ihr könnt, fahrt am Mittwoch nach Spreitenbach zur Autowaschanlage. Bier gibt’s günstig am Kiosk gleich nebenan und die Unterhaltung ist gratis!

Kommentare:

  1. Männerdiskriminierung?

    Ich hab eher das Gefühl, dass auf deinem Gesicht ein ganz breites Grinsen zu sehen ist...

    AntwortenLöschen
  2. Hehe

    ich könnte mir vorstellen dein Gesicht auf dem Parkplatz sah in etwa so aus, wie dieses aus dem vorherigen Post :)

    Grüße aus D

    Dominique

    AntwortenLöschen
  3. An dieser Waschanlage bin ich auch immer. Allerdings nicht immer an einem Mittwochnachmittag. Könnte sich aber ändern.

    Schon nur um zu sehen ob die blumige Geschichte den Tatsachen entspricht.

    Se non è vero è ben trovato...

    M aka @timezonedriver

    AntwortenLöschen